

Im Jahr 1917 beschloss das Wohlfahrtsamt der Stadt Essen die Gründung einer eigenen Kinderkureinrichtung in Bad Sassendorf. Der Grund dafür war die erfolglose Suche nach freien Kurplätzen für die Kinder der Stadt in anderen Einrichtungen in Sassendorf und Westernkotten. Für einige Jahre unterhielt die Stadt Essen im Sassendorfer Schützenheim daher eine eigene Kinderkureinrichtung, um schwächlichen und an Skrofulose erkrankten Kindern eine Kur zu ermöglichen. Schul- und Stadtärzte in Essen wählten die Kinder für die Kuren aus. In der Einrichtung konnten zeitgleich 60 Kinder untergebracht werden. Solebäder und Inhalation erhielten die Kinder im Kurmittelhaus. Für die Betreuung der Kinder waren vier Schwestern des Roten Kreuzes aus dem Rheinischen Mutterhaus zuständig. Zwei von ihnen besaßen eine Ausbildung als Kindergärtnerin. In den Aufnahmekriterien für die Kinder, die das städtische Wohlfahrtsamt an die Eltern verteile, wurden wichtige Regeln vermittelt: Die Kinder mussten frei von ansteckenden Krankheiten sein und durften keine „Bettnässer“ sein. Nur eine bestimmte Menge von Taschengeld war erlaubt. Briefe wurden in Gegenwart der Betreuerinnen geöffnet, Lebensmittelpakete und Besuche waren nicht gestattet. 1920 schloss das Heim wieder, weil der Schützenverein es nach dem Krieg wieder selbst nutzen wollte. Das Gebäude ist bis heute ein Schützenheim.
