Kinder-Solekurheim Haus Hamburg
© Sammlung "Westfälische Salzwelten"

Bei seiner Eröffnung 1928/29 galt „Haus Hamburg“ als eines der modernsten Kinderkurheime Europas: Neben Schlafräumen, Speisesaal sowie Dusch- und Waschräumen war es unter anderem mit einem Gymnastiksaal, einem Raum für die Anwendung der Höhensonne, einem Schwimmbecken und Sporteinrichtungen im Freien ausgestattet. Träger war die Krankenkasse des Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verbands, eine Vorgängerorganisation der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK). Im Zweiten Weltkrieg wurde das Kurheim zwischenzeitlich als Lazarett und nach Kriegsende für die Unterbringung erkrankter Zwangsarbeiter genutzt. Von 1946 bis 1959 nutzten es die Städtischen Krankenanstalten Dortmund für tuberkuloseerkrankte Kinder. Die DAK renovierte das Heim grundlegend und eröffnete es 1960 neu. Mit 96 Plätzen in vier Stationen gehörte es zu den großen Kinderkureinrichtungen in Bad Sassendorf. In den 1980er Jahren sank die Auslastung des Heims, sodass es 1985 geschlossen und das Gebäude abgerissen wurde. Heute ist dort die Rehabilitations-Klinik „Quellenhof“. Berichte von Betroffenen, die im „Haus Hamburg“ physische, psychische oder sexuelle Gewalt erlebt hatten, ließen die DAK eine geschichtswissenschaftliche Studie zu den Kinderkurmaßnahmen der Versicherung beauftragen.

Literatur
Hans-Walter Schmuhl, Kur oder Verschickung? Die Kinderkuren der DAK zwischen Anspruch und Wirklichkeit, München/Hamburg 2023.