In der Diözese Paderborn wurden im Februar 1918 Spenden für die Errichtung eines katholischen Kinderkurheims in Bad Sassendorf gesammelt. Die Gelder dienten dem Erwerb einer Pension an der Rosenau, die 1919 als Kurheim St. Agnes eröffnet wurde. Die Verwaltung übernahm die katholische Pfarrgemeinde, die Betreuung der Kinder Franziskanerinnen aus Salzkotten. Das Heim zog 1933 in ein größeres Gebäude mit 100 Betten um. Die katholische Gemeinde kaufte das neue Gebäude an der Hepper Höhe, das als Israelitische Kinderheilanstalt gebaut worden war, für einen günstigen Preis. Dabei profitierte sie von der finanziellen Zwangslage des jüdischen Trägervereins und indirekt auch von der antisemitischen gesellschaftlichen Stimmung des Jahres 1933. Anfang der 1950er Jahre einigte man sich vor Gericht daher auf eine Nachzahlung. Möglich wurde ein wirtschaftlicher Betrieb des Heims insbesondere durch die Arbeit der Schwestern aus Salzkotten. Als die Franziskanerinnen die Niederlassung aufgaben, wurde 1969 auch das Kurheim St. Agnes geschlossen und später abgerissen. Heute stehen am früheren Platz des Heims Wohnhäuser.

Literatur
Matthias Bade, Kontinuität im Kinderkurheim? Die Institutionsgeschichte des Heims St. Agnes in Bad Sassendorf 1917–1969, unveröff. Masterarbeit Univ. Münster 2022.