EXC 2060 B3-40 - Localism and Religion in Ancient Greece

Projektzeitraum
seit
Projektstatus
Bewilligt
Mittelgeber
DFG - Exzellenzcluster
Mittelart
Teilprojekt in DFG-Verbund koordiniert an WWU
  • Beschreibung

    Ancient Greek religion is characteristic of a hybrid blending of bounded and connected practices. Localism and Religion in Ancient Greece (B3-40) probes this blend by measuring the gravitational pull of local religious systems and their interplay with regional as well as universal contexts.

    New interest in localism and the local, spurred by debates about cultural connectivity and convergence, provides new insight into the lived experience in ancient Greece. At the same time, there has been an upsurge of scholarly interest in diversifying the notion of Greek religion, between its dichotomous expressions in local and global/universal spheres. LoRAG positions itself at the frontier of both debates: (1) the conceptual study of localism; and (2) the impact the local wields over religious conduct. The overall goal is to advance the understanding of ancient Greek religion by finding a space for divergence, idiosyncrasy, and plurality.

    In its first cycle of investigation, LoRAG explores the local dimension of religious interactions in the Saronic Gulf, a region that presents ideal conditions for the study of the complex mosaic of Greek religion. The Saronic comprises a plethora of cities that were stitched into a connected maritime world of sea shores, islands, and promontories. Human agency in the region was segregated, connected, and entangled at once and on multiple levels - and it played out in a complicated matrix of seasonal time. The Saronic’s central location, at the crossroads of many networks, each one with shifting nodes of influences over time, further invites creative applications of scale.

    The time line under investigation, c. 800 to c. 300 BCE, is defined by the rise of the Greek city-state and the formation of profound challenges to its way of life.

Teilprojekt: Grabsitten im Archaischen und Klassischen Griechenland zwischen lokaler Idiosynkrasie und regionaler Verflechtung: die Saronische Region (Dr. Sophia Nomicos, M.A.)

Mit Grabsitten verbundene Praktiken zählen zu den zentralen Ausdrucksformen von Religion. Hierzu gehören all diejenigen Handlungen, die unmittelbar nach dem Tod, beim Begräbnis selbst sowie im Weiteren beim Gedenken an die Verstorbenen vollzogen werden. In der Forschung wurden die Grabsitten in der griechischen Antike lange Zeit vor allem aus der Perspektive der Stadt Athen nachgezeichnet. Doch insbesondere die jüngere Forschung konnte dank zahlreicher neuer Ausgrabungsergebnisse eine erhebliche Diversität in diesem Bereich feststellen. Trotz dieses Paradigmenwechsels fehlen diachrone Regionalstudien und vergleichende Untersuchungen bisher aber weitestgehend.

Das Ziel des Forschungsvorhabens ist die Rekonstruktion und Analyse lokaler Grabsitten im antiken Griechenland der archaischen und klassischen Zeit am Beispiel der Stadtstaaten am und im Saronischen Golf. Als Untersuchungsparameter werden die Lage der Gräber in Bezug zu den Siedlungen, Bestattungsformen und –rituale, Grabtypen, Grabkennzeichnungen sowie Beigaben herangezogen. Die Golfregion eignet sich für diese Untersuchung in besonderem Maße, weil hier darüber hinaus der Frage nachgegangen werden kann, inwiefern etwaige Gemeinsamkeiten in den Grabsitten durch die humangeographische Sondersituation gegeben war, insbesondere die dichte Verflechtung menschlichen Handelns in einem überschaubaren, eng vernetzten Naturraum. Im Weiteren werden auch Vergleiche mit Poleis jenseits der Golfregion zu ziehen sein.

Teilprojekt: Teilhabe und Abgrenzung. Sakrallandschaftliche Bruchlinien im Saronischen Golf (Marian Helm, M.A.)

Der Saronische Golf darf mit Fug und Recht als ‚Hotspot‘ des religiösen, kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Austausches im antiken Griechenland bezeichnet werden. Neben veritablen mediterranen Gravitationszentren wie Athen und Korinth zeichnet sich die Region dabei vor allem durch die Vielfalt der den Golf säumenden poleis aus. Während der Norden und Osten von regionalen Großmächten und das Zentrum von der Insel Aigina dominiert wird, weist die südliche Argolis eine Vielzahl kleinerer politischer Einheiten und parzellierter religiöser Räume auf.

Von der gebirgigen Landschaft der Akte in natürliche Siedlungskammern unterteilt, bietet sich dieser südwestliche Teil des Saronischen Golfes für die Untersuchung religiöser Verflechtungen und Entflechtungen ausgezeichnet an. Gerade wegen der schwierigen Landwege orientierten sich die hiesigen poleis in besonderer Weise auf den Golf, ein Zustand der sich als insulare Konnektivität bezeichnen lässt, da Verflechtungen durch Teilnahme oder Abgrenzung aktiv gestaltet werden konnten. Diese Beobachtung ist mit Blick auf die bisherigen Forschungen zur Argolis von Bedeutung, die auf eine bemerkenswerte Scheidung der Sakrallandschaft in eine nördliche Hälfte, in der vor allem Hera verehrt wurde, und eine südliche mit einem hohen Anteil an chthonischen Gottheiten und einem klaren Übergewicht der Demeter-Kulte hingewiesen haben.

Das Forschungsprojekt wird diese faszinierende Sakrallandschaft der südlichen Argolis unter Berücksichtigung der siedlungsarchäologischen Funde untersuchen und diese anschließend mit den Entwicklungen in den übrigen Teilen des Saronischen Golfes vergleichen. Mithilfe der Theorie der Zentralen Orte soll dabei festgestellt werden, welche Verbindung die Einzugsgebiete der verschiedenen poleis mit den unterschiedlichen religiösen Einflusssphären aufwiesen. Zahlreiche Cluster in den Gegenden von Isthmia, Aigina, Salamis, and Epidauros eröffnen hier die Möglichkeit von Vergleichen zur Rekonstruktion der vielschichtigen Sakrallandschaft des Saronischen Golfes und den damit verbundenen Aushandlungs- und Interaktionsprozessen zwischen den verschiedenen lokalen Welten in einem regionalen Kontext.