Dossier

Videodossier „Religion und Politik – Forschungsprojekte im Fokus“

Forscher schildern ihre Methoden, Ergebnisse und, was sie besonders fasziniert.

Im Videodossier „Forschungsprojekte im Fokus“ präsentieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ in Interviews ihre Arbeiten im interdisziplinären Forschungsverbund – die Themen reichen von der Literatur im Mamlukenreich über jüdische Mittelalter-Handschriften und Gesinnungszwänge im konfessionellen Zeitalter bis zur Begründung von Werten und Normen in der Moderne. Die Forscher schildern nicht nur ihre Methoden und Ergebnisse, sondern auch, was sie an ihrem Forschungsfeld besonders fasziniert.

Islamwissenschaftler Prof. Dr. Thomas Bauer
© exc

Religion, Politik und Literatur im Mamlukenreich

Islamische Texte aus dem Mamlukenreich (1250-1500) sind oft noch unerschlossen: Viele literarische Werke liegen nur in Handschriften vor und müssen erst mühsam rekonstruiert werden. Das weckt den Entdeckergeist des Islamwissenschaftlers Prof. Dr. Thomas Bauer. Mit seinem Forscherteam bereitet er die literarischen Texte auf und untersucht, wie sie das Thema Religion und Politik behandeln. Dabei gehe es weit weniger um Religion, als oft angenommen, sondern vielmehr um Pragmatismus, wie er berichtet.

Literaturwissenschaftlerin Prof. Dr. Martina Wagner-Egelhaaf
© exc

Konversion in der Literatur

Wenn Menschen ihren Glauben oder ihre Weltsicht ändern, schlägt sich die Bekehrung oft in literarischen Texten nieder. Die Literaturwissenschaftlerin Prof. Dr. Martina Wagner-Egelhaaf hat viele solcher Konversionserzählungen untersucht. Sie finden sich oft in autobiographischen Texten – aus unterschiedlichsten Jahrhunderten. Auch die Literatur der Moderne beschreibt Bekehrungen. Dabei stellte die Forscherin – trotz zunehmender Säkularisierung – eine neue Hinwendung zu religiösen Themen in der deutschen Gegenwartsliteratur fest.

Judaistin Prof. Dr. Katrin Kogman-Appel
© exc

Handschrift und Druck im Judentum

Wenn die Judaistin Prof. Dr. Katrin Kogman-Appel jüdische Handschriften des Mittelalters untersucht, kommt sie in direkten Kontakt mit der Vergangenheit. Die physische Verbindung begeistert die Forscherin, die sich besonders mit dem Übergang von der Handschrift zum gedruckten Buch in der jüdischen Kultur des 15. Jahrhunderts befasst. Dass heute E-Books das gedruckte Buch ersetzen, hat viel Ähnlichkeit mit damals – und die Menschen reagieren heute nicht viel anders: Manche sehen Chancen im neuen Medium, andere sind verunsichert und sorgen sich um hergebrachte Kulturwerte.

Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Fabian Wittreck
© exc

Religiöse und rechtliche Pluralität

Die Religion und das Recht sind prägende Kräfte jeder Gesellschaft. Den Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Fabian Wittreck fasziniert, wie sie zuweilen mit Urgewalt aufeinandertreffen und zu Konflikten führen – besonders in Gesellschaften mit vielen verschiedenen Religionen. Der Forscher untersucht, wie sich das Gemeinwohl und die Gewissensfreiheit des Einzelnen unter einen Hut bringen lassen. Im Video berichtet er, warum die Pluralisierung des Rechts womöglich vor allem den Mächtigen nutzt.

Rechtsphilosoph Prof. Dr. Thomas Gutmann
© exc

Normative Moderne

Wie begründen wir unsere Normen in der Moral und im Recht? Wie bewerten wir unterschiedliche Lebensformen? Früher wurden religiöse Argumente herangezogen, heute hat sich die Normbegründung radikal säkularisiert, sagt der Rechtsphilosoph Prof. Dr. Thomas Gutmann. Auch wenn die Menschheit über Jahrtausende religiöse Sinnsysteme entwickelt habe: Einen Fortschritt sieht der Jurist erst in Kants Idee von der gleichen Freiheit aller Menschen. Der Wissenschaftler schildert, wie sich dies auf die Normbegründung in modernen Gesellschaften auswirkt.

Ägyptologin Prof. Dr. Angelika Lohwasser
© exc

Religiöse Legitimation im alten Ägypten

Über das Spannungsverhältnis von Religion und Politik im alten Ägypten berichtet die Ägyptologin Prof. Dr. Angelika Lohwasser. Die Wissenschaftlerin untersucht Ägyptens südliche Nachbarn, die als „schwarze Pharaonen“ gut 60 Jahre auch Ägypten beherrschten und stellt fest, dass sich das sakrale Königtum der Nubier die ägyptische Religion eigens zur Durchsetzung ihrer politischen Herrschaft aneignete.

Religionssoziologe Prof. Dr. Detlef Pollack
© exc

Religiöser Wandel in der Moderne

Was denken die Menschen über andere Religionen? Fühlen sich Menschen in modernen Gesellschaften durch fremde Kulturen bedroht? Haben sie Vorurteile gegenüber anderen Religionen? Religionssoziologe Prof. Dr. Detlef Pollack und sein Team untersuchen religiöse Haltungen und Praktiken, die Akzeptanz fremder Religionen und die Abwehr diesen gegenüber.

Historikerin Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger
© exc

Jenseits konfessioneller Eindeutigkeit

Was bedeutet es für Menschen, unter dem Druck der Obrigkeit einen bestimmten Glauben anzunehmen? Die Frühneuzeit-Historikerin Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger erforscht das für das 16. Jahrhundert, als sich Konfessionskirchen herausbildeten und die Menschen den Glauben ihres Fürsten zu übernehmen hatten. Dies gelang aber nicht immer, die Menschen reagierten auf Gesinnungszwänge oft mit Widerstand oder mit Heuchelei.

Islamwissenschaftler Prof. Dr. Norbert Oberauer
© exc

Maximen im islamischen Recht

Islamwissenschaftler Prof. Dr. Norbert Oberauer zeigt im Film, dass sich das islamische Recht seit seiner Entstehung weit mehr verändert hat als gedacht. Der Wissenschaftler ist der wenig beachteten Rechtsgattung der „Maximen“, Faustregeln und Merksätze zu Rechtsfragen, auf der Spur.

Religionswissenschaftler Prof. Dr. Perry Schmidt-Leukel
© exc

Interreligiöse Theologie

Kein Weltfrieden ohne Religionsfrieden: Der Religionswissenschaftler Prof. Dr. Perry Schmidt-Leukel erforscht, was die Weltreligionen voneinander halten und wie sie sich erklären, dass es mehr religiöse Traditionen gibt als die eigene. Darin liegt viel Konfliktpotential. Gelingt es den Religionen und Theologien jedoch, sich einander anzunähern, hat das viel Friedenspotential.

Zeithistoriker Prof. Dr. Thomas Großbölting
© exc

Zeitgeschichte der Religionen

Warum tut sich die deutsche Gesellschaft heute schwer mit der wachsenden Vielfalt der Religionen? Warum sehen viele die wachsende religiöse Pluralität skeptisch und fragen sich, welche Religion denn nun die „richtige“ sei? Zeithistoriker Prof. Dr. Thomas Großbölting untersucht, wie Religion die Menschen in der jüngeren deutschen Geschichte bewegt.

Historikerin Prof. Dr. Heike Bungert
© exc

Zivilreligion in Amtseinführungen US-amerikanischer Präsidenten

Wenn in den USA ein neuer Präsident ins Amt eingeführt wird, schaut alle Welt auf die Zeremonien in Washington. Die Historikerin Prof. Dr. Heike Bungert blickt hinter die Kulissen der Inaugurationsfeiern – ein bisher wenig erforschtes Feld. Die Wissenschaftlerin ist oft die Erste, die die Quellen im Archiv untersucht – und entdeckt, wie sehr sich Religion und Politik in den USA vermischen. Was heißt es dabei, Gottes auserwähltes Volk zu sein? Welche Geistlichen sind bei den Feiern dabei? Schwört der künftige Präsident auf die Bibel?