Unfehlbares Entscheiden?

Kirchenhistoriker Hubert Wolf zur Dogmatisierung der päpstlichen Unfehlbarkeit

dienstags 18.15 bis 19.45 Uhr, Hörsaal F2, Fürstenberghaus am Domplatz 20-22

Prof. Dr. Hubert Wolf
© Andreas Kühlken

Über die Verkündigung des Dogmas der päpstlichen Unfehlbarkeit spricht der Kirchenhistoriker Prof. Dr. Hubert Wolf vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ am Dienstag, 20. Dezember, in der Ringvorlesung „Religion und Entscheiden“ des Exzellenzclusters und des Sonderforschungsbereichs (SFB) „Kulturen des Entscheidens“ der WWU. Er will in seinem Vortrag die Entwicklung nachzeichnen, die zum Unfehlbarkeitsdogma führte, wie der Wissenschaftler ankündigte. Es gehöre bis heute zu den vielleicht umstrittensten Lehrentscheidungen in der katholischen Kirche. Der Vortrag trägt den Titel „‚Dann muss halt das Dogma die Geschichte besiegen.‘ Unfehlbare Entscheidungen des kirchlichen Lehramts“.

Die öffentliche Reihe befasst sich im Wintersemester mit der Frage, wie von der Antike bis heute in Judentum, Christentum und Islam über Religiöses entschieden wird und wer dies in welcher Weise tun darf. Gerade für das Zusammenleben in Gesellschaften, die durch kulturelle Vielfalt gekennzeichnet sind, ist es nach Einschätzung der Veranstalter bedeutsam, welche religiösen und weltanschaulichen Vorstellungen verhandelbar sind und welche unverfügbar – seien es Glaubenssätze, Verhaltensnormen oder Eigeninteressen religiöser Gruppen.

Religiöse Entscheidungen von der Antike bis heute

Die interdisziplinäre Reihe untersucht auch die philosophischen, theologischen oder literarischen Diskurse, in denen religiöse Entscheidungen reflektiert werden, und auf welche Ressourcen dabei zurückgegriffen wurde, vom Wink Gottes über die Gelehrtenkultur bis zur Unfehlbarkeit des Papstes. Es folgen Vorträge über das religiöse Entscheiden in literarischen Texten und die Diagnose „Besessenheit“ durch zeitgenössische Exorzisten. (ill/vvm)