„Reformation. Macht. Politik.“

Beiträge des Exzellenzcluster zum EKD-Themenjahr „Reformation und Politik“

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Magazin „Reformation. Macht. Politik.“

© Basti Arlt

Der Exzellenzcluster „Religion und Politik“ trägt zur Lutherdekade der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und zum Themenjahr 2014 „Reformation und Politik“ bei. Mitglieder des Forschungsverbundes verfassten Beiträge für das EKD-Magazin „Reformation. Macht. Politik.“, mit dem sich Gemeinden, Schulen und Bildungseinrichtungen bundesweit auf das Themenjahr 2014 vorbereiten. Die Theologin und Soziologin Prof. Dr. Judith Könemann legt darin Forschungsergebnisse zur Rolle der christlichen Kirchen in der Öffentlichkeit dar. Der Religionssoziologe Prof. Dr. Detlef Pollack erläutert die Haltung der Deutschen gegenüber wachsender religiöser Vielfalt. Politikwissenschaftler Prof. Dr. Ulrich Willems analysiert die deutsche Religionspolitik. Das Themenmagazin ist Teil der EKD-Lutherdekade, die der Vorbereitung auf das Reformationsjubiläum 2017 dient.

Der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider schreibt im Vorwort, das Magazin solle anregen „zum intensivierten Gespräch über den Beitrag, den die Kirchen für das Zusammenleben in Staat und Zivilgesellschaft leisten.“ Unter den Autoren sind Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Kirchen wie Wolfgang Huber, Volker Kauder, Günther Beckstein, Manuela Schwesig und Josef Philip Winkler.

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Prof. Dr. Judith Könemann

© ska

Anhand bundesdeutscher Debatten über Integration, Asyl und Zuwanderung zeigt Prof. Könemann in ihrem Artikel Eine für viele. Die Rolle der christlichen Kirchen in der Öffentlichkeit auf, „wie sehr sich die Kirchen konstant an öffentlichen Disputen beteiligen“. Bei bestimmten Gesetzesformulierungen seien sie sogar in den politischen Prozess direkt eingebunden, so habe etwa die evangelische Kirche in der Unabhängigen Kommission „Zuwanderung“ des Bundesinnenministeriums mitgearbeitet. Inhaltlich positioniere sich die Kirche sowohl mit religiösen wie nicht-religiösen Standpunkten. „Entgegen der vielleicht verbreiteten Annahme, dass die religiösen Argumente überwiegen, zeigen die Analysen, dass die Argumentationen ausgesprochen anlass- und diskursbezogen sind und sich somit vielfach auch im Bereich des säkularen Expertenwissens bewegen“, so Prof. Könemann. Der Beitrag basiert auf dem Forschungsprojekt C17 Die Rolle der christlichen Kirchen in der Öffentlichkeit.

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Prof. Dr. Detlef Pollack

© bhe

Religionssoziologe Prof. Pollack legt dar, dass Deutschland sich weniger offen und neugierig auf fremde Religionen zeigt als die europäischen Nachbarn. Weit über zwei Drittel der Deutschen sähen in der wachsenden religiösen Vielfalt eine Ursache von Konflikten; den Islam hält die Mehrheit mittlerweile für bedrohlich. „Um die Grundwerte der eigenen Kultur gegen fremde Einflüsse zu verteidigen, scheint für viele eine klare Trennung zwischen Religion und Politik das geeignete Mittel zu sein.“ Die große Mehrheit der Menschen ist den Untersuchungen des Religionssoziologen zufolge aber keineswegs für eine Ausgrenzung des Islam aus der Gesellschaft. „Toleranz gegenüber fremden Überzeugungen und Weltanschauungen gilt für die meisten trotz aller Skepsis als hoher Wert.“ Der Artikel Umfrage. Die Mehrheit der Deutschen hält den Islam für bedrohlich bezieht sich auf eine internationale Studie zur Wahrnehmung religiöser Vielfalt, die der Exzellenzcluster unter der Leitung von Prof. Pollack 2010 mit TNS Emnid durchführte. 

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Prof. Dr. Ulrich Willems

© Julia Holtkötter

Der Politikwissenschaftler Prof. Willems wirft in seinem Artikel Bund und Ländern vor, die Religionspolitik in Deutschland seit langem zu vernachlässigen. Im internationalen Vergleich stehe Deutschland schlecht da. Das gelte vor allem für den Umgang mit dem Islam. „Die Muslime haben seit den 1990er Jahren zu Recht begonnen, ihr von der Verfassung gewährtes Recht auf gleiche Religionsfreiheit offensiv politisch einzufordern.“ Doch in zentralen Fragen wie dem islamischen Religionsunterricht oder der Islamlehrer-Ausbildung seien erst jüngst Fortschritte zu erkennen. Dabei bestehe erheblicher religionspolitischer „Problemdruck“, so der Politikwissenschaftler im Beitrag Schlecht vorbereitet. Die Religionspolitik steckte zu lang den Kopf in den Sand. (EKD/ska)