Religiöse Vielfalt in China

Neuer Band zur chinesischen Tradition interreligiösen Zusammenlebens erschienen

Buchcover „Religious Diversity in Chinese Thought“

Buchcover

© Palgrave Macmillan

Mit religiöser Vielfalt in China befasst sich ein neuer Band von Religionswissenschaftler und Herausgeber Prof. Dr. Perry Schmidt-Leukel vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“. „China blickt auf eine sehr lange Tradition interreligiösen Zusammenlebens zurück. Hier finden sich nicht nur große Religionen wie Konfuzianismus, Daoismus und Buddhismus und seit dem 7. Jahrhundert auch Christentum und Islam, sondern auch zahlreiche kleinere Religionsformen“, schreibt Prof. Schmidt-Leukel, der das Buch „Religious Diversity in Chinese Thought“ (Religiöse Vielfalt im Denken Chinas) gemeinsam mit seinem Fachkollegen Prof. Dr. Joachim Gentz aus Edinburgh herausgegeben hat. Es ist die erste Publikation, die das Thema in seiner ganzen Breite behandelt. Die oft weltweit renommierten Autoren im Bereich der Sinologie untersuchen, wie die Religionsvielfalt in China von der Vergangenheit bis zur Gegenwart interpretiert wurde und wie man mit ihr umging und heute umgeht.

Warum der Umgang mit religiöser Vielfalt in China friedlicher verlief als etwa in Europa, untersuchen die Beiträge des ersten Teils des Bandes. Die Autoren gehen der Frage nach, ob dafür vor allem die staatliche Kontrolle oder die in China kultivierte Überzeugung von der inneren Harmonie unterschiedlicher Religionen verantwortlich war. Der zweite Teil des Buches behandelt die Interpretationen religiöser Vielfalt aus der Sicht der chinesischen Religionen. Den Umbrüchen seit der Moderne widmet sich der dritte Teil. Er untersucht den Einfluss westlicher Vorstellungen von Religion und ihren Folgen, einschließlich der kommunistischen Vorstellungen, bis hin zu aktuellen Auseinandersetzungen über die Spannung zwischen restriktiven Tendenzen und einem an die Tradition anknüpfenden pluralitätsfreundlichen Umgang mit den Religionen.

„Religious Diversity in Chinese Thought“ geht zurück auf ein gleichnamiges Symposium von Prof. Schmidt-Leukel und Prof. Gentz am Exzellenzcluster in Münster, bei dem sich China-Experten aus aller Welt mit aktuellen und historischen Fragen der religiösen Vielfalt in China beschäftigten. Eine weitere Veranstaltung steht am 29. November an der Universität Edinburgh an: Die Herausgeber veranstalten einen Workshop zu ihrem Buch. Der Band ist aus Prof. Schmidt-Leukels Forschungsprojekt A15 „Pluralismusfähigkeit der Religionen/Interreligiöse Theologie“ am Exzellenzcluster erwachsen und setzt drei vorangegangene, von Prof. Schmidt-Leukel herausgegebene Publikationen zur Pluralismusfähigkeit nicht-christlicher Religionen fort: „Islam and Inter-Faith Relations“ (Islam und glaubensübergreifende Beziehungen, London, 2007), „Buddhist Attitudes to Other Religions“ (Buddhistische Einstellungen zu anderen Religionen, St. Ottilien, 2008) und „Buddhism and Religious Diversity“ (Buddhismus und religiöse Vielfalt, London/New York, 2013). (Palgrave Macmillan/han)


Hinweis: Perry Schmidt-Leukel und Joachim Gentz (Hgg.): Religious Diversity in Chinese Thought, Basingstoke: Palgrave Macmillan, 2013, ISBN: 978-1-137-33319-3, 280 Seiten, 70 Euro.

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