Der Marienschrein aus Tournai

Herausragende Exponate der Ausstellung „Goldene Pracht“ - Teil 1

Marienschrein von Tournai

Marienschrein von Tournai, gegen 1205 © Trésor de la Cathédrale de Tournai

© Pierre Peeters

Der wertvolle Marienschrein aus der Schatzkammer der Kathedrale Notre Dame im belgischen Tournai ist einer der Höhepunkte der Ausstellung „Goldene Pracht“. Die Versicherungssumme, ein achtstelliger Betrag, macht den Marienschrein zugleich zur teuersten Leihgabe der Schau. Das Werk ist seit Jahrzehnten nicht mehr in Deutschland zu sehen gewesen.

Der Marienschrein erstrahlt in der Ausstellung neben dem Beckumer Prudentia-Schrein, der in heimischer Goldschmiedeproduktion entstanden ist. In der Schau werden westfälische und internationale Werke gegenübergestellt, so dass sich dem Publikum das hohe Niveau der westfälischen Werke erschließen wird.

Der Schrein ist von besonderer kunsthistorischer Bedeutung: Er stammt aus der berühmten Werkstatt von Nikolaus von Verdun, der auch wesentliche Teile des Dreikönigsschreins im Kölner Dom gefertigt hat. Es handelt sich um eines der wenigen Stücke aus seiner Werkstatt mit einer Inschrift, die auf den Goldschmied verweist.

Die Verehrung von Gott und den Heiligen stand im Zentrum des damaligen Denkens: Für die Gläubigen des 13. Jahrhunderts war bei aller Prachtentfaltung vor allem wichtig, dass der Schrein Reliquien der in Tournai verehrten Heiligen Piatus und Nicasius enthielt.

Die Form des Schreins folgt der Tradition der Hausschreine, wie sie seit dem 12. Jahrhundert in zahlreichen Beispielen zwischen Nordfrankreich und dem Rheinland nachweisbar sind. Auf dem Reliquiar sind das Marienleben sowie die Passion Christi abgebildet. Auffällig ist die plastische Gestaltung der vergoldeten Figuren auf blauem Email, die sich vom Hintergrund lösen und die dargestellten Szenen damit beinahe dreidimensional wirken lassen. (exc)