Macht und Verantwortung

Historiker Prof. Dr. Jochen Martin über die Rollen von Frauen und Männern in der römischen Republik

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Prof. Dr. Jochen Martin

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Althistoriker Prof. Dr. Jochen Martin hat in der Ringvorlesung des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ über Konzepte von Männlichkeit und Weiblichkeit in der römischen Republik gesprochen. Der gesellschaftliche Status von Frauen habe sich in der Kaiserzeit dem Status von Männern angenähert, so der Wissenschaftler. Der Vortrag über „Männerwelten – Frauenwelten – Zwischenwelten in der römischen Republik“ eröffnete die Ringvorlesung in diesem Semester.

Konzept des „pater familias“als Gegenentwurf?

Der Historiker geht davon aus, dass es eine frühe Phase der römischen Republik gab, in der Frauen mehr gesellschaftliche Macht ausübten als bislang angenommen. „Wirkungsvolle Verwandtschaftsregeln orientierten sich beispielsweise an den Herkunftsfamilien der Frauen“, sagte Prof. Martin. Das im 5. bis 7. Jh. v. Chr.  folgende Konzept des männlichen Familienoberhaupts („pater familias“) mit weitreichender häuslicher und politischer Macht ist nach den Worten des Wissenschaftlers möglicherweise als Gegenentwurf dazu zu verstehen. In der Spätphase der Republik habe die kriegsbedingte häufige Abwesenheit der Männer die Bedeutung der Frau in der römischen Gesellschaft dann aber wieder gestärkt, so Prof. Martin. „Die verheirateten Frauen übernahmen währenddessen die Verantwortung für den Familienbesitz.“

Prof. Martin, Experte für die Geschichte der Spätantike und des frühen Christentums, hatte bis zu seiner Emeritierung 2002 den Lehrstuhl „Alte Geschichte und Historische Anthropologie“ an der Universität Freiburg inne. Neben seinen Forschungsarbeiten zu Wandlungen in Gesellschaft, Kirche und Monarchie machte ihn sein historisch-anthropologischer Forschungsansatz über Fächergrenzen hinaus bekannt.

Die Ringvorlesung des Exzellenzclusters mit dem Titel „,Als Mann und Frau schuf er sie.‘ Religion und Geschlecht“ geht im Wintersemester 2011/2012 aus der Sicht verschiedener Fächer und Epochen der Frage nach, wie Religionen die Geschlechterordnung beeinflussten. Zu Wort kommen Historiker, Soziologen, Theologen, Juristen, Ethnologen und Literaturwissenschaftler. In der nächsten Woche, am 25. Oktober, spricht die Journalistin Khola Maryam Hübsch unter dem Titel „Zwischen Gewaltopfer und Haremsphantasie“ über das Selbst- und Fremdbild der muslimischen Frau. Der öffentliche Vortrag beginnt um 18.15 Uhr im Hörsaal F2 des Fürstenberghauses am Domplatz 20-22. (bhe/vvm)


Ringvorlesung „,Als Mann und Frau schuf er sie.‘ Religion und Geschlecht“

Wintersemester 2011/2012
Dienstag 18.15 bis 19.45 Uhr
Hörsaal F2 im Fürstenberghaus
Domplatz 20-22
48143 Münster