Chile zwischen Diktatur und Demokratie

Exzellenzcluster und Franz-Hitze-Haus befassen sich mit der Militärdiktatur in Chile

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Titelbild des Tagungsflyers

© Klaus Staeck, Heidelberg

Zur Ausstellung „Chile-Solidarität in Münster“ des Stadtmuseums befassen sich Experten aus ganz Deutschland auf einer Tagung Anfang Dezember in Münster mit der chilenischen Militärdiktatur. „Der brutale Militärputsch 1973 in Chile unter der Führung von General Pinochet war für viele Chilenen ein traumatisches Ereignis und löste international große Bestürzung aus“, sagte der Historiker Dr. Stephan Ruderer vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Universität Münster am Montag in Münster. Auch in Deutschland habe sich schnell eine breite Solidaritätsbewegung entwickelt.

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Dr. Stephan Ruderer

© han

Mit der Konferenz vom 9. bis 10. Dezember im Franz-Hitze-Haus wollen die Veranstalter an die Ereignisse 1973 erinnern und die Folgen des Militärregimes sowie die Solidaritätsbewegung in Deutschland und Münster aufarbeiten. Der Exzellenzcluster veranstaltet die Tagung gemeinsam mit dem Historischen Seminar der Universität Münster und der Akademie Franz-Hitze-Haus. Es sprechen Chile-Experten verschiedener Universitäten, darunter Prof. Dr. Silke Hensel vom Cluster, Prof. Dr. Stefan Rinke von der Freien Universität Berlin und der Münsteraner Befreiungstheologe Dr. Kuno Füssel. Sie befassen sich mit Hintergründen und Folgen des Militärputsches, der schwierigen Rückkehr zur Demokratie, der Aufarbeitung der Menschenrechtsverbrechen und der Solidaritätsarbeit in Münster, die von 1973 bis zum Ende der Diktatur 1990 dauerte. Sie wurde vor allem von der evangelischen und katholischen Studentengemeinde getragen.

General Augusto Pinochet führte am 11. September 1973 einen Militärputsch in Chile durch, um die sozialistische Regierung Salvador Allendes zu stürzen. „Das Regime wurde durch zahlreiche Menschenrechtsverbrechen schnell zum Sinnbild für die grausamen Militärdiktaturen in Lateinamerika“, erläuterte Ruderer. Als Reaktion auf die  Verbrechen der Militärregierung, wie die Ermordung von Allende-Anhängern und die Internierung mehrerer tausend Menschen, entstanden Solidaritätsbewegungen in der ganzen Welt.

Die Ausstellung im Stadtmuseum „Chile-Solidarität in Münster. Für die Opfer der Militärdiktatur 1973-1990“  beleuchtet die Menschenrechtsarbeit in Münster zur Zeit des chilenischen Militärregimes und bettet die Aktivitäten in das weltpolitische Geschehen ein. Bis zum 18. März 2012 sind Exponate wie Flugblätter, Plakate und Schallplatten zu sehen. Die Ausstellung entstand in Kooperation zwischen dem Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Universität Münster und dem Stadtmuseum. (ska/vvm)

Programm

Freitag, 9. Dezember
14:30-15:00 Begrüßung
15:00–15:45 Hintergründe des Putsches vom 11. September 1973 und die Institutionalisierung der Diktatur (1973 - 1990) Stefan Rinke, Berlin
16:00–16:45 Die politischen Beziehungen zwischen Chile und der Bundesrepublik Deutschland während der Diktatur (1973 - 1990) Georg Dufner, Berlin
17:00-18:30 Gelebte Solidarität: Chile-Solidarität in Münster und in der Bundesrepublik Deutschland Barbara Rupflin, Münster
19:15-21:30 Film „Machuca, mein Freund“ (Chile 2004), Regie: Andrés Wood, anschließend Gespräch und Diskussion Hans Gerhold, Münster
Samstag, 10. Dezember
09:00–09:45 Moralische Opposition. Die Haltung der Katholischen Kirche zu
Diktatur und Menschenrechtsverletzungen
Silke Hensel, Münster
10:00-10:45 Option für die Armen. Der theologische und pastorale Wandel in der Katholischen Kirche Chiles im 20. Jahrhundert Kuno Füssel, Koblenz
11:00–11:45 Der Weg aus der Diktatur und die Rückkehr zur Demokratie. Politische und gesellschaftliche Aspekte der Transition in Chile Ingrid Wehr, Freiburg
12:00–12:45 Erinnerung, Aufarbeitung und Versöhnung. Vergangenheitspolitik in Chile Stephan Ruderer, Münster
13:30-15:00 Abschlussdiskussion