„Verständigungen und Missverständnisse“

Der Schriftsteller und Orientalist Kermani spricht am Cluster über Deutsche und Muslime

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Dr. Navid Kermani

© Villa Massimo

Der Schriftsteller und Orientalist Dr. Navid Kermani sieht nicht nur in der islamischen Welt einen „Kulturkampf“. Auch in Europa sei eine Debatte darüber im Gange, was die „eigene Kultur“ ausmacht, sagt Kermani, der am Dienstag im Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Uni Münster einen öffentlichen Vortrag hält. Er spricht zum Thema „Deutsche und Muslime. Über Verständigungen und Missverständnisse“.

„Am deutlichsten zeigen sich die Frontlinien am Umgang mit den Muslimen“, umreißt der Autor das Thema der Veranstaltung am 25. Januar. „Ein Europa, dem der Islam zumindest potentiell angehört, liegt ein anderes Konzept zugrunde als einem Europa, das sich durch seine christlichen oder christlich-jüdischen Wurzeln definiert, damit durch die Abgrenzung vom Islam.“ Wie immer die Antwort darauf ausfällt: Angesichts der demographischen Entwicklung und der weltpolitischen Lage hat sie Auswirkungen auf unsere Zukunft, wie Navid Kermani unterstreicht. „In welchem Europa möchten wir leben?“, laute die Frage.

Der Vortrag ist Teil der Ringvorlesung des Exzellenzclusters über die „Integration religiöser Vielfalt von der Antike bis zur Gegenwart“. Er beginnt um 18.15 Uhr im Hörsaal F2 des Fürstenberghauses am Domplatz 20-22. Kermani wird sich auf sein jüngstes Buch „Wer ist Wir? Deutschland und seine Muslime“ aus dem Münchner Verlag C.H. Beck beziehen. Darin erzählt der Schriftsteller und Orientalist von seinem Leben als Kind iranischer Eltern in Deutschland. Er berichtet auch von seinen Erfahrungen in der Deutschen Islam Konferenz.

Die Ringvorlesung des Clusters befasst sich mit dem Zusammenleben von Gläubigen verschiedener Religionen vom alttestamentlichen Orient über das Römische Reich, das vormoderne China und Indien, das mittelalterliche und frühneuzeitliche Europa bis zur Gegenwart. „Der Blick in andere Epochen und Kulturen ist hilfreich, um zu verstehen, warum es Schwierigkeiten machen kann, wenn Anhänger verschiedener Religionen in ein und derselben Gesellschaft zusammenleben“, erläutert Historikerin Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger, die die Reihe organisiert hat. Unter den Referenten sind auch Historiker, Theologen, Judaisten, Religionswissenschaftler, Ethnologen, Juristen und Soziologen. Die Reihe präsentiert die Themen-Säule „Integrative Verfahren“ des Exzellenzclusters, einen von vier Schwerpunkten des Forschungsverbundes. (vvm)

Navid Kermani, geboren 1967, lebt als freier Schriftsteller in Köln. Er ist habilitierter Orientalist und Permanent Fellow am Haus der Kulturen der Welt in Berlin. Für sein akademisches und literarisches Werk wurde er mehrfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Stipendium der Villa Massimo in Rom. Er ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und der Deutschen Islam Konferenz.


Hinweis: Navid Kermani, Wer ist Wir? Deutschland und seine Muslime. 173 Seiten, Gebunden. C.H. Beck Verlag, München 2009, 16,90 Euro.