„Religionen nicht generell für oder gegen Demokratie“

Politikwissenschaftler Prof. Dr. Ulrich Willems zu demokratischen Bestrebungen in islamischen Ländern

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Prof. Dr. Ulrich Willems

© Julia Holtkötter

Mit Blick auf die Einführung von Demokratien in arabischen Ländern hat sich Politikwissenschaftler Prof. Dr. Ulrich Willems vom Exzellenzcluster zum Zusammenhang von Religion und Demokratie geäußert. „Dass religiöse Traditionen generell für oder gegen Demokratie seien, lässt sich empirisch nicht belegen“, sagte er in einem Interview der Verlagsgruppe Bistumspresse, die Kirchenzeitungen in zwölf Diözesen herausgibt.

In islamischen Ländern bestünden deutliche Mehrheiten für demokratische Regierungsformen, so Prof. Willems vom Vorstand des Exzellenzclusters. Die Mehrheiten gebe es dort auch für Freiheits- und Beteiligungsrechte. „Die Wertvorstellungen sind von denen in westlichen Ländern gar nicht weit entfernt.“ Die katholische Kirche wiederum habe sich mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil 1962 eindeutig für Menschenrechte ausgesprochen und damit in vielen katholischen Ländern eine regelrechte Demokratisierungswelle begünstigt, erinnerte der Politikwissenschaftler.

Markante Unterschiede bestehen nach den Worten von Prof. Willems aber in sozialmoralischen Vorstellungen, etwa in der Beurteilung von Homosexualität. In globaler Perspektive seien die Differenzen zur katholischen Kirche aber gar nicht mehr so groß. Fazit: „Religiöse Traditionen können sich wandeln.“ Der Beitrag der Verlagsgruppe Bistumspresse erschien am 13. Februar unter dem Titel „Auf dem Weg zur Demokratie“. (han)