Cluster-Theologe am Wissenschaftskolleg zu Berlin

Liturgiewissenschaftler Clemens Leonhard erforscht jüdische und christliche Feste

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Prof. Dr. Clemens Leonhard

© Julia Cawley

Prof. Dr. Clemens Leonhard vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ ist seit Oktober Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin. Der Liturgiewissenschaftler forscht dort ein Jahr lang vor allem zum Thema „Jüdische und christliche Feste und ihre Liturgien im Kontext der spätantiken Welt“. Er untersucht zusammen mit Prof. Dr. Israel Yuval von der Hebräischen Universität, Jerusalem, die Entwicklung des Christentums und des Rabbinischen Judentums im ersten Jahrtausend anhand ihrer Feste.

Besondere Aufmerksamkeit schenkt die Arbeitsgruppe dem christlichen Pfingstfest und dem jüdischen Wochenfest Shavuot. Gruppen, die sich als voneinander stark unterschieden verstehen – so wie Christen und Juden in der Spätantike und im Mittelalter – feierten und feiern ungefähr zur selben Zeit im Jahr Feste, wie Prof. Leonhard erläuterte. Diese hätten noch dazu denselben Namen und verständen sich als Fortsetzung desselben biblischen Festes.

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Wissenschaftskolleg zu Berlin

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In Ritualen zu Festen und ihren Deutungen soll daher nach Spuren der Wahrnehmung und Deutung der jeweils anderen Religion und ihrer Festpraxis gesucht werden. Durch den kritischen oder polemischen Blick auf die jeweils Anderen schärft sich laut dem Wissenschaftler auch die Vorstellung über das, was man selbst ist. Nachdem Prof. Yuval und Prof. Leonhard in Bezug auf das Osterfest und das jüdische Pesach viele Elemente dieses zum Teil versteckten Dialogs zwischen den Religionen in früheren Forschungsprojekten gefunden haben, werden nun Pfingsten und das Wochenfest untersucht.

Das Wissenschaftskolleg bietet Forschern die Möglichkeit, sich mit anderen herausragenden Akademikern verschiedener Disziplinen auszutauschen und eigene Forschungsprojekte zu bearbeiten. Prof. Leonhard ist in dieser Zeit von universitären Verpflichtungen befreit. Am Exzellenzcluster leitet er das Projekt C3 „Initiation - Beschneidung – Identität“; während des Fellowships laufen die Arbeiten des Projekts betreut durch Dr. des. Benedikt Eckhardt weiter. (han/vvm)