Ostern und Pessach fallen 2010 zusammen

Münsteraner Judaistin Regina Grundmann zur Rolle des Pessachfests

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Prof. Dr. Regina Grundmann

© Julia Holtkötter

Die beiden Hochfeste Ostern und Pessach fallen 2010 wieder zusammen. Während die Christen zwischen bunten Eiern und Ostermessen die Wiederauferstehung Jesu Christi feiern, begehen zur gleichen Zeit auch die meisten der etwa 100.000 Juden in Deutschland das zentrale jüdische Fest im Rahmen der Familie. Das eine Fest beruhe auf dem anderen, wie Judaistin Prof. Dr. Regina Grundmann vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) erläutert.

„Der Tod und die Auferstehung Jesu Christi haben nach dem Neuen Testament an Pessach stattgefunden. Nach den Evangelisten Markus, Matthäus und Lukas war das Letzte Abendmahl ein Pessachmahl“, so die Wissenschaftlerin. Ursprünglich fanden das jüdische Pessach und das frühchristliche Paschafest, aus dem sich das heutige Ostern entwickelt hat, gleichzeitig statt. Erst eine Entscheidung auf dem Konzil von Nicäa im Jahr 325 trennte das Osterdatum vom Pessachfest – ein bewusster Akt der Abgrenzung des Christentums vom Judentum.

Auch wenn die Berufung auf die Leidensgeschichte Christi Ostern zu einem grundsätzlich anderen Fest gemacht hat, gibt es bis heute formale und inhaltliche Gemeinsamkeiten zwischen Pessach und Ostern. „Im Mittelpunkt beider Feste steht die Erlösung“, erläutert die Wissenschaftlerin. Beim Pessachfest gedenken die Juden ihrer Befreiung aus der ägyptischen Knechtschaft und hoffen auf Erlösung durch das baldige Kommen des Messias; zu Ostern feiern die Christen, dass Jesus durch seinen Tod die Menschen von ihren Sünden erlöst hat.

Auch viele der Osterbräuche und -symbole stammten ursprünglich aus dem Judentum, so die Expertin. „Wein, ungesäuertes Brot und das Lamm sind zentrale Symbole des Pessachfestes und finden sich in der christlichen Liturgie im Wein und Brot des Letzten Abendmahls und dem Osterlamm wieder.“ So hat die theologische Rede von Christus als Opferlamm ihre Wurzeln in der Symbolik des Pessachlammes. All diese Verbindungen seien kein Zufall, betont Grundmann: „Die Christen haben viele der jüdischen Symbole übernommen und ihnen eine eigene Deutung gegeben.“

Wie kein anderes Fest verbinde Pessach bis heute die Juden in aller Welt und bringe deren Familien zusammen, betont Grundmann. Mit seinen vielen Lob- und Dankesliedern und dem festlich gedeckten Tisch ist Pessach nach Worten der Münsteraner Judaistin ein besonders schönes Fest mit einer wichtigen identitätsstiftenden Funktion: „Jeder Jude soll sich zu Pessach so fühlen, als sei er selbst aus Ägypten ausgezogen, und sich somit der Ursprünge des jüdischen Volkes vergewissern.“ (han)