Leben oder sterben für Gott?

Tagung über Martyriumsvorstellungen in Auseinandersetzung mit dem Gebot der Lebensbewahrung

News Tagung Leben Oder Sterben Fuer Gott

Das Opfer Abrahams. Fresko von Franz Xaver Kirchebner in St. Ulrich (Gröden, Südtirol).

Eine Tagung mit dem Titel „Leben oder sterben für Gott?“ untersucht vom 9. bis zum 11. Juni Martyriumsvorstellungen in Auseinandersetzung mit dem Gebot der Lebensbewahrung in Antike und Mittelalter. Die Veranstaltung des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ findet im Liudgerhaus an der Überwasserstraße 3 statt. Organisiert wird sie von der Judaistin Prof. Dr. Regina Grundmann, die am Exzellenzcluster das Forschungsprojekt D13 Gewalt gegen sich selbst und gegen andere im antiken Judentum leitet und von Dr. Sebastian Fuhrmann vom Neutestamentlichen Seminar der WWU Münster. In einem öffentlichen Abendvortrag spricht Prof. Dr. Jan Willem von Hentem aus Amsterdam über „Noble Death and Martyrdom in Antiquity“. Dieser findet am Mittwoch, dem 9. Juni, um 19 Uhr im Hörsaal F 4 des Fürstenberghauses am Domplatz 20-22 statt.

Nach den Veranstaltern der Tagung war der Gedanke des Sterbens für eine Sache oder für andere (/noble death/, /exemplum virtutis/) in der Vorstellungswelt des antiken Mittelmeerraums weit verbreitet. In Judentum, Christentum und Islam steht jedoch eine Selbsttötung oder ein Inkaufnehmen des Getötetwerdens im Gegensatz zu dem Gebot der Lebensbewahrung und zu dem Gebot „Du sollst nicht töten“. Die interdisziplinäre Tagung geht der Frage nach, welche soziokulturellen Bedingungen und geistesgeschichtlichen Einflüsse für die Entstehung und Entwicklung von Martyriumsvorstellungen in Judentum, Christentum und Islam ausschlaggebend waren. Darüber hinaus diskutieren die Teilnehmer, in welchen antiken Kulturen der Konflikt zwischen Selbsttötung oder Inkaufnehmen des Getötetwerdens und dem Gebot zur Lebensbewahrung eine Rolle spielt. Die Themen decken einen Zeitraum von der Antike bis zum Mittelalter ab.

18 Vorträge zeigen, wie das Phänomen der freiwilligen Lebenshingabe in den jeweiligen historischen, religiösen und kulturellen Kontexten symbolisiert, verbalisiert und kommuniziert wird. Dabei geht es auch um die Grenzen zwischen Selbsttötung, Opfer, Glaubenszeugnis und Blutzeugenschaft. Neben Wissenschaftlern vom Exzellenzcluster sind Referenten aus ganz Deutschland sowie aus dem europäischen Ausland dabei. Die Veranstalter bitten um eine Anmeldung per Mail bis zum 1. Juni. (bhe)

Programm

Mittwoch, 9. Juni
17:00–17:45 Martin Leuenberger, Münster Leben und sterben für Gott? Religions- und theologiegeschichtliche Perspektiven des alten Israel
17:45–18:30 Heinz-Joseph Fabry, Bonn Der „Lehrer der Gerechtigkeit“ – eine Gestalt zwischen Ablehnung und Vollmacht. Überlegungen zur frühjüdischen Rezeption der Leidensknechts-Thematik
19:00 Jan Willem Van Henten, Amsterdam Öffentlicher Abendvortrag (Hörsaal F4 Fürstenberghaus) Noble Death and Martyrdom in Antiquity
Donnerstag, 10.Juni
09:00–09:45 Anna-Maria Schwemer, Tübingen Die Zersägung des Propheten Jesaja
09:45–10:30 Joseph Sievers, Rom Widerstand und Ergebung in den Makkabäerbüchern
11:00–11:45 Folker Siegert, Münster A very good thing to avoid. Die Einstellung des Josephus zum Martyrium
11:45–12:30 Wolfgang Spickermann, Erfurt Der brennende Herakles – Lukian von Samosata und Proteus-Peregrinus
14:30–15:15 Alexander Arweiler, Münster Der Tod als Argument – Erzählungen vom repräsentativen Sterben in Rom
15:15–16:00 Rainer Thiel, Jena Die Duplizität des Todes in der neuplatonischen Philosophie
16:30–17:15 Jan-Peter Hartung, London „Und tötet Euch nicht selbst!“ – Martyrium im Islam zwischen Heilsversprechen und Heilserwartung
17:15–18:00 Karl E. Grözinger, Potsdam Gründe und Grenzen für das Martyrium – Kiddusch Ha-Schem im Judentum
Freitag, 11. Juni
09:00–09:45 Hermut Löhr, Münster Paulus als Vorbild des Sterbens im frühen Christentum
09:45–10:30 Sebastian Fuhrmann, Münster Leben verlieren und Leben finden. Nachfolge und Martyrium in den Evangelien
11:00–11:45 Boudewijn Dehandschutter, Leuven Leben und/oder Sterben für Gott bei Ignatius und Polykarp
11:45–12:30 Dagmar Börner-Klein, Düsseldorf Mit Herz und Seele für Gott. Deuteronomium 6,5 in der Auslegung der Rabbinen
14:30–15:15 Regina Grundmann, Münster „Das ist die Tora, und das ist ihr Lohn!?“ Zu den Martyriumsdiskursen im rabbinischen Judentum
15:15–16:00 Gottfried Reeg, Berlin Das Bild des Märtyrers in der Geschichte von den Zehn Märtyrern und Midrash Ele Ezkera
16:00–16:45 Giuseppe Veltri, Halle Religionsgeschichtliche Betrachtungen zu Martyrium und Pikuach nefesh