Unsere Arbeitsgruppe forscht zur Ausgestaltung des Lehrens und Lernens unter einer sozialpsychologischen Perspektive, überwiegend im Kontext von Digitalisierung und im Hochschulkontext.

• Recherche und Nutzung wissenschaftsbezogener Informationen im Internet
• Kooperatives Lernen im Online-Diskurs
• Online-Tutoring und Human-Computer-Interaction
• Sichtweisen auf die Hochschullehre im Fächervergleich
• Sichtweisen auf Forschung und Lehre von Early Career Academics in der Psychologie
• Sozialpsychologische Wirkungen digitaler Lehr-Lernformate
• Kommunikation von Wissen und Wissenschaft
• Wissenschaftsverständnis


Recherche und Nutzung wissenschaftsbezogener Informationen im Internet

Digitalisierung ermöglicht eine Teilhabe an wissenschaftlichen Erkenntnissen und selbstständige Informationsrecherche hierzu - unabhängig und auch ergänzend zu institutionellen Bildungsangeboten. Wie gehen Personen mit digitalen wissenschafts-bezogenen Informationen um? Wie ermitteln sie die Qualität von Informationen, die Motive der Kommunikatoren und wie gehen sie mit konfligierenden Informationen oder einseitiger Informationsdarstellung um? Im DFG-Graduiertenkolleg „Vertrauen und Kommunikation in einer digitalisierten Welt“ adressieren wir die Frage, wie bei der Informationssuche im Internet Einschätzungen zu Vertrauenswürdigkeit der Kommunikatoren und zur Glaubwürdigkeit der Informationen vorgenommen werden. Als Setting unserer Forschung wählen wir oft Gesundheits- und manchmal bildungswissenschaftliche Themen.

Auswahl von Publikationen in diesem Bereich:

König, L., & Jucks, R. (2019). Hot topics in science communication: Aggressive language decreases trustworthiness and credibility in scientific debates. Public Understanding of Science.doi.10.1177//0963662519833903

Brummernhenrich, B., & Jucks, R. (2019). „Get the shot, now!“ Disentangling content-related and social cues in physician–patient communication. Health Psychology Open, January-June 2019, 1-12. doi:10.1177/2055102919833057

Zimmermann, M., & Jucks, R. (2018). With a view to the side: You Tube's sidebar and You Tuber's linguistic style as hints for trust-related evaluations. International Journal of Human-Computer-Interaction.doi:10.1080/10777318.2018.1519165


Kooperatives Lernen im Online-Diskurs

Gemeinsames Lernen, in Zweierteams oder größeren Gruppen, wird durch Digitalisierung verändert. Zusammenarbeit beim fallbasierten Lernen in der Schule oder der Vorbereitung einer gemeinsamen Präsentation werden mittels Learning Management Systemen wie moodle z.B. im Chat oder mit gemeinsamen Dokumenten interaktiv und strukturiert digital unterstützt. Wir untersuchen Gelingensbedingungen für das Lernen im Online-Diskurs. Welche Effekte hat der gemeinsame Austausch über wissenschaftsbezogene Informationen im Vergleich zum individuellen Lernen? Wie verändert sich die Sichtweise der Einzelnen auf den Lerninhalt, wenn eine Fremdperspektive in der Kommunikation deutlich wird?
Im DFG-Schwerpunktprogramm „Wissenschaft und Öffentlichkeit“ haben wir zwischen 2009 und 2016 untersucht, unter welchen Bedingungen der Austausch im Diskurs und die angeleitete Kommunikation das Lernen der Beteiligten steigert.
Im seit 2018 laufenden EU-Projekt DIALLS (Dialogue and Argumentation for cultural Literacy Learning in Schools) werden Unterrichtsmaterialien zur Reflexion über die eigene kulturelle Identität mit Lehrkräften und in Klassen der Primar- und Sekundarstufe entwickelt und eingesetzt. Der Unterricht wird videografiert und die digitale, standortübergreifende Kommunikation der Lernenden in Bezug auf das Kommunikationsverhalten ausgewertet. Zum anderen bereiten wir eine Online-Plattform für Lehrkräfte vor, auf der der Austausch über die Lerneinheiten erfolgen soll.

Auswahl von Publikationen in diesem Bereich:

Mayweg-Paus, E., & Jucks*, R. (2017). Conflicting evidence or conflicting opinions? Two-sided discussions contribute to experts' trustworthiness. Journal of Language and Social Psychology, Vol. 37(2) 203–223 doi:10.1177/0261927X17716102*shared first authorship

Thiebach, M., Mayweg-Paus, E., & Jucks. R. (2016). Better agree or disagree? – How taking perspectives impacts on critical thinking and argumentation. Zeitschrift für Pädagogische Psychologie/ German Journal of Educational Psychology, 30(2–3), 133–149. doi:10.1024/1010-0652/a000174

Jucks, R., & Mayweg-Paus, E. (2016). Learning through communication. How arguing about scientific information contributes to learning (Special issue). Zeitschrift für Pädagogische Psychologie/German Journal of Educational Psychology, 30(2–3), 75–77, doi:10.1024/1010-0652/a000170


Online-Tutoring und Human-Computer-Interaction

Digitalisierung verändert die sozialen Rollen zwischen Lehrenden und Lernenden. Wir haben in den letzten Jahren Forschung zu der Frage betrieben, wie Lehrende verständlich und klar kommunizieren und dabei gleichzeitig die sozialen Anforderungen an die Kommunikationssituation adressieren. Wie höflich gehen Lehrende/TutorInnen mit ihrem Gegenüber um? Höflichkeit bezieht sich dabei auf den Umgang mit „face threatening acts“, d.h. Formulierungen, die Lernende in ihrer Autonomie einschränken oder die Wertschätzung der Person in Frage stellen.
Kommunikation und Interaktion im Bildungsbereich beinhaltet auch die Interaktion mit technischen Systemen. Aufbauend auf unserer Forschung zur Höflichkeit und zur Wirkung von Sprachassistenzsystemen möchte ich die Interaktion von Schüler*innen mit Technologien adressieren. Im Mittelpunkt steht die Technologienutzung durch Schüler*innen und Erwartungen an Technologien und Gelingensbedingungen für einen lernförderlichen Einsatz interaktiver Lernumgebungen. Systeme wie Classcraft, die die Rückmeldung von Lehrkräften an Schüler*innen in digitaler Form ermöglichen, sind hier ebenfalls in ihrer psychologischen Wirkung auf Schüler*innen zu adressieren.

Auswahl von Publikationen in diesem Bereich:

Jucks, R., Linnemann, G. A., & Brummernhenrich, B. (2018). Student evaluations of a (rude) spoken dialogue system: Insights from an experimental study. Advances in Human-Computer Interaction, 2018. doi:10.1155/2018/8406187

Brummernhenrich, B., & Jucks. R. (2016). "He shouldn't have put it that way!" How face threats and mitigation strategies affect person perception in online tutoring. Communication Education, 65(3), 290–306.doi:10.1080/03634523.2015.1070957

Linnemann, G. A., & Jucks R. (2016). "As in the Question, so in the answer?" - Language style of human and machine users affects interlocutors convergence on wording. Journal of Language and Social Psychology, 35(6), 686–697,doi:10.1177/0261927X15625444

Sichtweisen auf die Hochschullehre im Fächervergleich

Fachkulturen prägen Haltungen und Herangehensweisen an die Hochschullehre und die Weiterqualifikation für die Hochschullehre. Ein Forschungsschwerpunkt im ZHL adressiert diese Haltungen und Lehrkonzepte.

Auswahl von Publikationen in diesem Bereich:

Päuler-Kuppinger, L., & Jucks R. (2018). “Out-of-Class instruction in Higher Education – Impact of approaches to teaching and discipline. International Journal of Higher Education, 7(2), 199–209. doi:10.5430/ijhe.v7n2p199

Jucks, R., & Päuler-Kuppinger, L. (2017). Teachers’ and parents’ perspectives on teaching: Not a topic of but a motive for communication. Journal of Educational Research Online, 9(3), 12–25.

Päuler-Kuppinger, L., & Jucks, R. (2017). Perspectives on teaching: Conceptions of teaching and epistemological beliefs of university academics and students in different domains. Active Learning in Higher Education, 18(1), 63–76. doi:10.1177/1469787417693507 (IF=1.26)

Sichtweisen auf Forschung und Lehre von Early Career Academics in der Psychologie

Eine positive Haltung und ein hohes Commitment zur Hochschullehre sollte nicht auf Kosten hoher wissenschaftlicher Standards und Engagement in der Forschung gehen. In einem Forschungsschwerpunkt vergleichen wir wissenschaftliche Haltungen gegenüber Forschung mit Haltungen gegenüber Lehre, insbesondere in der Psychologie.

Auswahl von Publikationen in diesem Bereich:

Hillbrink, A. & Jucks, R. (2019). “What my parents think I do …” Doctoral students’ assumptions about how private and work-related groups view their work. International Journal of Doctoral Studies. doi:10.28945/4381

Hillbrink, A. & Jucks, R. (2019). ‘Me, a Teacher?!’ – Professional Role Identification and Role Activation of Psychology PhD Students. Studies in Graduate and Postdoctoral Education. doi:10.1108/SGPE-03-2019-0031

Jucks, R., & Hillbrink, A. (2017). Perspective on research and teaching in psychology: Enrichment or burden. Psychology Learning and Teaching, 16(3), 306–322. doi:10.1177/1475725717705205

Sozialpsychologische Wirkungen digitaler Lehr-Lernformate

Digitalisierung verändert das Lehren und Lernen im Hochschulkontext. Mit einem Forschungsschwerpunkt analysieren wir, wie verschiedene digitale Settings auf Lernende und deren Beteiligung wirken.

Auswahl von Publikationen in diesem Bereich:

Riehemann, J., & Jucks, R. (2018). 'Address me personally and I forget the others' Effects of language styles in a MOOC. Journal of Computer Assisted Learning, 1–7. doi:10.1111/jcal.12278

Riehemann, J., Hellmann, J.-H., & Jucks, R. (2018). “Your words matter!” Relevance of individual participation in xMOOCs. Active Learning in Higher Education, 1¬–14. doi:10.1177/1469787418779154

Riehemann, J., & Jucks, R. (2017). How much is teaching and learning in higher education digitized? Insights from teacher education. International Journal of Higher Education, 6, 129–137. doi:10.5430/ijhe.v6n3p129

Kommunikation von Wissen und Wissenschaft

Der Transfer von Wissen und Wissenschaft ist das zentrale Ziel aller Bildungsangebote. In unserer Forschung betrachten wir verschiedene Bedingungen der Kommunikation von Wissen und Wissenschaft und die Auswirkungen auf deren Adressaten. Hieraus ergeben sich Gestaltungsprinzipien für die Vermittlung wissenschaftsbezogener Information

Auswahl von Publikationen in diesem Bereich:

Kienhues, D., Thomm, E. & Bromme, R. (in press). Specificity reloaded: How multiple layers of specificity influence reasoning in science argument evaluation. In: F. Fischer, C. A. Chinn, K. Engelmann & J. Osborne (Eds.). Scientific Reasoning and Argumentation: The Roles of Domain-Specific and Domain-General Knowledge. London: Taylor & Francis.

Thiebach, M., Mayweg-Paus, E. & Jucks, R. (2015). "Probably True" says the Expert: How Two Types of Lexical Hedges Influence Students' Evaluation of Scientificness. European Journal of Psychology of Education. 369-384. doi: 10.1007/s10212-014-0243-4

Wissenschaftsverständnis

Das Wissenschaftsverständnis von Schüler*innen und Studierenden beforschen wir (quasi-) experimentell. Wie wird kritisches Denken sowie ein begründetes, auf empirischen Forschungsmethoden basierendes Verständnis von Erkenntnis entwickelt? Wir beschäftigen uns damit, wie solche Kompetenzen in der Hochschullehre und in der Schule (science education) adressiert und befördert werden könnten (z.B. durch Forschendes Lernen). Hierzu betrachten wir auch die Erwartungen der Gesellschaft an Wissenschaft und das Wissenschaftsverständnis der Öffentlichkeit. Hieraus können informierte Ableitungen zum Bildungsauftrag von Hochschulen entwickelt werden.

Auswahl von Publikationen in diesem Bereich:

Kienhues, D., Thomm, E. & Bromme, R. (in press). Specificity reloaded: How multiple layers of specificity influence reasoning in science argument evaluation. In: F. Fischer, C. A. Chinn, K. Engelmann & J. Osborne (Eds.). Scientific Reasoning and Argumentation: The Roles of Domain-Specific and Domain-General Knowledge. London: Taylor & Francis.

Hendriks, F., Kienhues, D. (2019). Science understanding between scientific literacy and trust: Contributions of psychological and educational research. In Leßmöllmann, A., Dascal, M., Gloning, T. (Ed.): Handbooks of Communication Science, Vol. 17: Science Communication. Berlin/New York: de Gruyter

Hendriks, F. & Jucks, R. (2020). Does Scientific Uncertainty in News Articles Affect Readers’ Trust and Decision-Making? Media and Communication, 2020, 8, (2), doi: 10.17645/mac.v8i2.2824