Imitation frühen Hilfeverhaltens - ein multi-methodischer Ansatz zur Untersuchung der sozialen Ursprünge von prosozialem Verhalten

DFG-Projekt (Projekt-Nummer: 454245029) in Kooperation mit Prof. Joscha Kärtner

Ziel dieses Projekts ist es zu untersuchen, wie bedeutsam Beobachtungslernen für die Entwicklung des frühen Hilfsverhaltens im zweiten Lebensjahr ist. Dadurch solle neuere theoretische Annahmen (und erste Studien) zur Rolle sozialer Erfahrungen bei der Entstehung und Entwicklung frühen prosozialen Verhaltens empirisch gefestigt werden.

In zwei Studien wird dazu untersucht, ob prosoziale Modellierung (1) kausal wirksam ist, (2) im Alltag von Säuglingen relevant ist, d.h. ob sie in der natürlichen Umgebung eines Säuglings auf sinnvolle Weise auftritt, und (3) mit der Hilfeleistung von Säuglingen zu Hause (und im Labor) korreliert - sowohl zeitgleich als auch über verschiedene Messzeitpunkte hinweg. Dieser komplementäre Nachweis ist notwendig, da Erkenntnisse über die kausale Wirksamkeit von prosozialer Modellierung allein nicht unbedingt etwas über ihre entwicklungspsychologische Relevanz aussagen. Wenn sich z.B. prosoziale Modellierung im Labor als effektiv erweist, Kinder aber keine (oder nur wenige) Möglichkeiten im Alltag haben prosoziale Modelle zu beobachten, dann sind diese wahrscheinlich nicht weiter relevant für die Entwicklung des frühen Hilfeverhaltens. Über den Nachweis der Existenz von prosozialer Modellierung zu Hause hinaus führen wir auch eine Längsschnittuntersuchung durch um zu bestimmen, ob die natürlich vorkommende Modellierung die prosoziale Entwicklung von Kindern im zweiten Lebensjahr beeinflusst; dazu verwenden wir ein Cross-Lagged-Panel-Ansatz und berechnen u.a. die Zusammenhänge zwischen der prosozialen Modellierung zu Hause zu einem frühen Zeitpunkt im zweiten Lebensjahr (z.B. mit 14 und 16 Monaten) und dem Hilfeverhalten von Säuglingen zu einem späteren Zeitpunkt im zweiten Lebensjahr (z.B. mit 16 und 18 Monaten) – jeweils statistisch kontrolliert für das Ausgangsniveau des Hilfeverhaltens der Kinder (sog. residual change). Dieser Ansatz soll dazu dienen nachzuweisen, dass prosoziale Modellierung auch außerhalb von Laborkontexten wirksam ist.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dieser Antrag einen komplementären Multimethoden-Ansatz verfolgt, nämlich eine experimentelle Studie zur Überprüfung der kausalen Wirksamkeit der prosozialen Modellierung (Studie 1) und eine naturalistische Studie (a) zur Überwachung, wie oft Kinder Gelegenheit haben, prosoziale Modelle im täglichen Leben zu beobachten, und (b) zur Erklärung interindividueller Unterschiede im prosozialen Verhalten von Säuglingen auf der Grundlage von Unterschieden in der Häufigkeit, mit der sie prosoziale Modelle außerhalb von Laborkontexten beobachten (Studie 2). Dieser multi-methodische Ansatz steht auch im Einklang mit den jüngsten Empfehlungen für die entwicklungspsychologische Forschung.