Das ZIN lädt ein: Interdisziplinäre Fachtagung zu „Tugenden als Motor zukunftsfähiger Demokratien“
Die liberale Demokratie sieht sich gegenwärtig mit tiefgreifenden und komplexen Herausforderungen konfrontiert: Klimakrise, soziale Ungleichheit, Rechtsruck, Populismus, gesellschaftliche Polarisierung und der Vertrauensverlust in politische Institutionen
erschüttern ihre Stabilität und Funktionsfähigkeit. In den öffentlichen Debatten werden Besonnenheit und Zivilcourage gefordert, der Ruf nach Gerechtigkeit und Gemeinsinn angesichts wachsender sozialer Spannungen wird laut. So erlebt der Begriff der "Tugend" eine bemerkenswerte Konjunktur.
Tugenden können als verstetigte und gelebte Haltungen kollektive Handlungsspielräume erweitern – jenseits institutioneller Maßnahmen. Indem sie unter anderem autonomes Handeln im Sinne der Gemeinschaft motivieren und zur Bewältigung ethisch-moralischer Herausforderungen beitragen, können sie Ansatzpunkte für die Stärkung von Gemeinsinn, demokratischer Kultur und Resilienz darstellen. Gleichzeitig können Tugenden aber auch als paternalistisches "Elitenprojekt" betrachtet werden oder als Instrument zur Stabilisierung von Machtverhältnissen.
Die interdisziplinäre Fachtagung „Tugenden als Motor zukunftsfähiger Demokratien. Zwischen Tradition und Innovation“ des ZIN und der Akademie Franz Hitze Haus diskutiert Potenziale und Grenzen von Tugenden, ihre kontextsensible Neubestimmung und ihren möglichen Beitrag zur Stärkung der Demokratie. Im Rahmen einer Abendveranstaltung, zu der auch die interessierte Öffentlichkeit eingeladen ist, fragt sie außerdem: Sind insbesondere die christlichen Tugenden eine Ressource für eine gelingende demokratische Nachhaltigkeitspolitik? So wird das Konzept der Tugend kritisch beleuchtet und Raum für den Austausch zwischen theoretischen und empirisch-praktischen Zugängen geschaffen.
Das Programm umfasst – neben der erwähnten Abendveranstaltung „Zwischen Überzeugung und Wirkung – Wie kraftvoll sind religiöse Tugenden im Ringen um Nachhaltigkeit?“ – vier Panels, die sich grundlegenden konzeptuellen Fragen („Braucht Demokratie Tugend?“), der „Tugendethik in Zeiten der Klimakrise“ sowie Tugend im Kontext Bildung und empirischen Forschungsarbeiten zu Tugenden und Demokratie widmen.
Diese Referent*innen aus unterschiedlichen Disziplinen präsentieren im Rahmen der Tagung ihre Perspektiven und kommen sowohl miteinander als auch mit den Teilnehmer*innen ins Gespräch:
- Prof’in Dr. Constanze Beierlein, Lehrgebiet Kulturvergleichende Sozialpsychologie und Diagnostik, Hochschule Hamm-Lippstadt
- Dr'in Carolin Bohn, Zentrum für interdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung (ZIN), Universität Münster
- Prof. Dr. Jens Dreßler, Professur für Gymnasialpädagogik, Universität Würzburg
- Jun.-Prof’in Dr. Asmaa El Maaroufi, Zentrum für Islamische Theologie & ZIN, Universität Münster
- Prof’in Dr. Marianne Heimbach-Steins, Institut für Christliche Sozialwissenschaften, Katholisch-Theologische Fakultät & ZIN, Universität Münster
- Prof. Dr. Ingo Juchler, Lehrstuhl für Politische Bildung Universität Potsdam
- Prof’in Dr. Anne Käfer, Seminar für Reformierte Theologie, Evangelisch-Theologische Fakultät & ZIN, Universität Münster
- Philipp Kurowski, IRTG Transformative Religion, HU Berlin
- Dr. des. Tobias Leßner, Fakultät III, Department Erziehungswissenschaft, AG Grundschulpädagogik, Universität Siegen
- Prof. Dr. Jörg Mußmann, Institut für Inklusive Pädagogik; Pädagogische Hochschule OÖ, Linz / A
- Jun.-Prof. Dr. Markus Rüsch, Evangelisch Theologische Fakultät & ZIN, Universität Münster
- Dr. Michael Roseneck, Professur Praktische Philosophie II, Philosophisches Seminar, Universität Mainz
- Dr. Richard Runge, Philosophisches Seminar, Universität Kiel
- Agnes Scharnetzky, John-Dewey-Forschungsstelle für die Didaktik der Demokratie, TU Dresden
- Dr. Felix Timmermann, Philosophisches Seminar, Universität Mainz
- Prof. Dr. Tim Wersig, Professur für Soziale Arbeit, MSB Medial School Berlin/ Hochschule für Gesundheit und Medizin
- Ricarda Wünsch, M.A., Lehrstuhl für Politische Philosophie, Theorie und Ideengeschichte, Universität Regensburg
- Alexandra Schramm, Erziehungswissenschaften, Projekt UWIT, Universität Vechta
- Prof’in Dr. Dr. Veronika Zimmer, Professur für Soziale Arbeit, Internationale Hochschule, Standort Münster
Das vollständige Programm zur Tagung finden Sie hier.
Die Veranstaltung beginnt am Donnerstag, den 18. Juni um 13:30 Uhr und endet am Freitag, den 19. Juni um 15:00 Uhr. Veranstaltungsort ist die Akademie Franz Hitze Haus, Münster. Diese und alle weiteren Informationen sowie der Link zur Anmeldung finden sich hier.
