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MedienAlumni Münster e.V. zeichnet Christian Wengert mit dem Preis für die beste Abschlussarbeit 2017 aus

(23.07.2018) Masterarbeit über die Einflüsse von negativen Sanktionen und positiven Gratifikationen auf die öffentliche Meinungsäußerungsbereitschaft überzeugt die Fachjury.

Christian Wengert greift die im Fach traditionsreiche Frage nach den Erklärungsfaktoren für die Meinungsäußerungsbereitschaft zu kontroversen politischen Themen in öffentlichen Situationen auf – und beantwortet sie, so die Jury, umfassender und differenzierter als viele Vorgängerstudien.

In einer pointierten Auseinandersetzung mit der Theorie und Empirie der „Schweigespirale“ und anderen in der Literatur diskutierten Erklärungsfaktoren kommt der Autor zunächst zu dem Schluss, dass insbesondere positive Nutzenanreize einen stärkeren Einfluss auf die öffentliche Meinungsäußerungsbereitschaft haben könnten als antizipierte negative Sanktionen. Ein theoretisches Modell, das systematisch die situationsbezogenen Effekte erwarteter negativer Sanktionen und positiver Gratifikationen berücksichtigt, liegt jedoch bisher nicht vor. Diese Lücke füllt Wengert. Er modelliert die öffentliche Meinungsäußerungsbereitschaft – u.a. unter Rückgriff auf das RREEMM-Modell, das zentrale Elemente des soziologischen und ökonomischen Akteursmodells verknüpft – in Abhängigkeit von gesellschaftlichen (z.B. Meinungsklima), situativen (Anreize, Sanktionsmöglichkeiten) und akteursbezogenen Einflüssen (Prädispositionen). Aus diesen Einflüssen ergeben sich beim Menschen, so die Annahme, bestimmte Erwartungen über die Folgen einer öffentlichen Meinungsäußerung sowie individuelle Bewertungen bzw. Gewichtungen dieser Folgen. Die im Modell erarbeiteten Einflussfaktoren der öffentlichen Meinungsäußerungsbereitschaft werden schließlich in einer quantitativen Onlinebefragung empirisch operationalisiert. Am Beispiel des Themas „Videoüberwachung auf öffentlichen Plätzen“ kann Wengert u.a. zeigen, dass die offene Meinungsäußerung eher durch positive Gratifikationserwartungen wie z.B. die Aussicht auf Steigerung des Selbstwerts oder ein unterhaltsames Gespräch beeinflusst wird, während die Vermeidung einer öffentlichen Meinungsäußerung eher durch negative Sanktionserwartungen, aber auch durch unzureichende Nutzenanreize bestimmt wird. Darüber hinaus zeigt sich auch, dass die grundsätzliche Redebereitschaft in öffentlichen Situationen stark von der Meinungssicherheit der Befragten abhängig ist.

Prof. Scholl überreicht Preisträger Christian Wengert den Preis für die beste Masterarbeit
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Die aus Wissenschaftlern und Kommunikationspraktikern bestehende Jury – den Medien-Alumni Dr. Joachim Preusse, Marie-Luise Stepping, Carlo Teichmann und Anna-Maria Volpers – hob hervor, dass es dem Autor gelingt, die Theorie der Schweigespirale sehr stringent um bedeutsame, in der Literatur bereits identifizierte Erklärungsfaktoren für die öffentliche Meinungsäußerungsbereitschaft zu kontroversen politischen Themen zu erweitern und zu einem konsistenten Modell zusammenzuführen. Bei der Identifizierung dieser Faktoren blickt Wengert auch über den Tellerrand des eigenen Faches hinaus. Mit seiner Studie bearbeitet der Autor ein Thema von hoher gesellschaftlicher Relevanz, sind doch öffentliche Meinungsäußerungen konstituierend für einen pluralistischen öffentlichen Diskurs. Diese Relevanz wird nicht nur abstrakt benannt, sondern anhand aktueller kontroverser öffentlicher Debatten veranschaulicht. Die Operationalisierung des Modells ist innovativ, die Darstellung der Befunde erfolgt sehr differenziert und bietet zahlreiche, klar benannte Ansatzpunkte für weitere Forschung zum Thema, so die Jury.
Die prämierte Arbeit wurde von Prof. Dr. Marcinkowski (Erstbetreuer) und Prof. Dr. Gehrau (Zweitbetreuer) betreut.

Christian Wengert erhält mit der Auszeichnung von MedienAlumni Münster e.V. ein Preisgeld in Höhe von 500 €. Für seine Leistung wurde er im Rahmen der IfK-Absolventenverabschiedung am 20. Juli 2018 geehrt.

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