Gastvortrag: „Listening to Early Audio Recordings Today: A Memory Studies Perspective on the First Soviet Collection of Writers’ Voices“
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Am 22. Juni 2026 hielt Dr. Valerij Zolotukhin (Ruhr-Universität Bochum) einen Gastvortrag zum Thema „Listening to Early Audio Recordings Today: A Memory Studies Perspective on the First Soviet Collection of Writers’ Voices

Der Vortrag befasste sich mit dem Höreindruck früher literarischer Tonaufnahmen, wobei der Schwerpunkt insbesondere auf der Authentizität lag. Untersucht wurden Aufnahmen aus der ersten sowjetischen Sammlung von Schriftstellerstimmen, die zwischen 1920 und 1930 in Petrograd (später Leningrad) vom Institute for the Study of Artistic Speech angefertigt wurden. Zolothukin analysierte die Art und Weise, wie Tonaufnahmen (unter anderem von Alexander Blok und Wladimir Majakowski) in den 1920er Jahren sowohl in die Forschung als auch in kreative Praktiken integriert wurden. Anhand der Aufnahmen skizzierte er die sich ständig wandelnde Beziehung zwischen Technologie, Erinnerung und performativen Praktiken. 

Das individuelle Gedächtnis spielte bei der Rezeption dieser Aufnahmen eine immense Rolle. Zeitgenössische Hörgewohnheiten basierten oft auf früheren Erfahrungen, als Tonaufnahmen als materielle Hilfe dienten, um sich an die „Live“-Darbietung eines Dichters zu erinnern. Die Hörtechniken für literarische Aufnahmen wurden jedoch nicht nur von den Mechanismen des individuellen Gedächtnisses geprägt, sondern auch von umfassenderen sozialen und kulturellen Rahmenbedingungen.

Von den 1920er Jahren bis heute wurden Aufnahmen aus der Sammlung in Radioprogramme integriert. Sie wurden zudem auf Schallplatten und später auf CDs veröffentlicht und dienten als Grundlage für Remixe und Neuinterpretationen – was heute dank KI-Technologien noch allgegenwärtiger ist. Die Perspektive der Gedächtnisforschung trägt dazu bei, die tiefgreifenden Veränderungen in der Art und Weise zu erklären, wie das akustische Kulturerbe gehört und verstanden wird.