Gastvortrag: „Listening to Early Audio Recordings Today: A Memory Studies Perspective on the First Soviet Collection of Writers’ Voices“
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Am Montag, den 22. Juni 202616.15 bis 18.30 Uhr, hält Dr. Valerij Zolotukhin (Ruhr-Universität Bochum) einen Gastvortrag zum Thema „Listening to Early Audio Recordings Today: A Memory Studies Perspective on the First Soviet Collection of Writers’ Voices. Der Vortrag findet von  im Philosophikum (Domplatz 23, 48143 Münster), Raum 201, statt.

Der Vortrag befasst sich mit dem Höreindruck früher literarischer Tonaufnahmen, wobei der Schwerpunkt insbesondere auf der Authentizität als zentralem Bestandteil liegt. Er untersucht Aufnahmen aus der ersten sowjetischen Sammlung von Schriftstellerstimmen, die zwischen 1920 und 1930 in Petrograd (später Leningrad) vom Institute for the Study of Artistic Speech angefertigt wurden. Eine Analyse der Art und Weise, wie Tonaufnahmen (darunter auch solche von Alexander Blok und Wladimir Majakowski) in den 1920er Jahren sowohl in die Forschung als auch in kreative Praktiken integriert wurden, ermöglicht es, eine sich ständig wandelnde Beziehung zwischen Technologie, Erinnerung und performativen Praktiken zu skizzieren.

Das individuelle Gedächtnis spielte bei der Rezeption dieser Aufnahmen eine immense Rolle. Zeitgenössische Hörgewohnheiten basierten oft auf früheren Erfahrungen, als Tonaufnahmen als materielle Hilfe dienten, um sich an die „Live“-Darbietung eines Dichters zu erinnern. Die Hörtechniken für literarische Aufnahmen werden jedoch nicht nur von den Mechanismen des individuellen Gedächtnisses geprägt, sondern auch von umfassenderen sozialen und kulturellen Rahmenbedingungen.

Von den 1920er Jahren bis heute wurden Aufnahmen aus derselben Sammlung in Radioprogramme integriert. Sie wurden zudem auf Schallplatten und später auf CDs veröffentlicht und dienten als Grundlage für Remixe und Neuinterpretationen – was heute dank KI-Technologien noch allgegenwärtiger ist. Die Perspektive der Erinnerungsforschung trägt dazu bei, die tiefgreifenden Veränderungen in der Art und Weise zu erklären, wie das akustische Kulturerbe gehört und verstanden wird.