

Am 6. Juli 2026 hält Johannes Müller-Salo einen Gastvortrag zum Thema „Braucht es eine Zugangsbefähigung für kulturelle Güter?“ Der Vortrag findet von 16.15 bis 18.30 Uhr im Philosophikum (Domplatz 23, 48143 Münster), Raum 201, statt.
Der Vortrag geht der Frage nach, wie sich die Forderung nach gesellschaftlich gesicherter Zugänglichkeit kultureller Güter gerechtigkeitstheoretisch begründen lässt. Dabei wird in einem ersten, grundsätzlich angelegten Teil auf Argumente des capabilities approach zurückgegriffen. Aus dieser theoretischen Perspektive herrscht Gerechtigkeit dort, wo allen Mitgliedern einer Gesellschaft die für ein gelingendes Leben notwendigen Grundbefähigungen gesichert werden. „Gelingendes Leben“ wird hierbei im Anschluss an Martha Nussbaum als narrativ zu erschließendes, multidimensionales Konzept verstanden. Insofern für die Verwirklichung zentraler Dimensionen des gelingenden Lebens kulturelle Güter entscheidend sind, ist die öffentliche Sicherung ihrer Zugänglichkeit ein Gebot der Gerechtigkeit. In einem zweiten Teil wird die grundsätzliche Argumentation auf den digitalen Raum bezogen. Dabei geht es Müller-Salo primär darum, das Potential des capabilities approach herauszuarbeiten, der eine umfassende Bewertung von Digitalisierungsstrategien sowohl mit Blick auf die einzelne Person, als auch etwa in Hinsicht auf Kulturinstitutionen ermöglicht. Für die einzelne Person ist zu fragen, wie die Entwicklung und kontinuierliche Pflege digitaler Fähigkeiten gesellschaftlich gefördert werden kann und muss, um die individuellen Voraussetzungen digitalen Kulturgutzugangs abzusichern. Auf institutioneller Ebene muss untersucht werden, wie sich die bloße digitale Verfügbarkeit von kulturellen Gütern qualitativ von einem genuin befähigenden Zugang unterscheidet, den Institutionen sicherzustellen haben. Dazu wird ein aktuelles Beispiel, die digitale Bereitstellung der Mitgliederkartei der NSDAP, näher betrachtet.
Dr. Johannes Müller-Salo vertritt eine Professur für Philosophie am Philosophischen Seminar der Universität Münster und forscht zu Fragen der politischen Philosophie, der normativen und angewandten Ethik sowie der philosophischen Ästhetik. Aktuell befasst er sich unter anderem mit den Themen Alltag, Stadt, Digitalisierung und Klima. Seine Habilitationsschrift zum Thema Vita urbana. Vom gelingenden Alltag in der Stadt hat er 2026 an der Leibniz Universität Hannover eingereicht.