Gastvortrag: „Hildesheim Encyclopedia of Philosophical Sources (HePS)“
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Am Montag, den 4. Mai 2026, 16.15 bis 18.30 Uhr, halten Prof. Dr. Rolf Elberfeld und Dr. Leon Krings (Universität Hildesheim) einen Gastvortrag zum Thema Hildesheim Encyclopedia of Philosophical Sources (HePS): An open-access digital infrastructure for the documentation, interconnection, and visualization of philosophical sources and traditions from around the world (Ort: Raum 201, Philosophikum, Domplatz 23, 48143 Münster):

Das zentrale Ziel der Hildesheim Encyclopedia of Philosophical Sources (HePS) ist die Schaffung einer frei zugänglichen, mehrsprachigen Datenbank und einer dazugehörigen Plattform, die darauf ausgelegt ist, den Reichtum und die Vielfalt der Denkweisen weltweit abzubilden. Anstatt einen feststehenden Kanon zu präsentieren, bietet HePS einen dynamisch wachsenden Wissensgraphen, der Quellen, Denker:innen, Traditionen, Praktiken, Konzepte, Orte und Institutionen zusammenführt – zusammen mit den historischen, systematischen und kulturellen Beziehungen, die sie miteinander verbinden.

Das Projekt wird dazu beitragen, marginalisierte und unterrepräsentierte Traditionen sichtbar zu machen – von afrikanischen und lateinamerikanischen Philosophien bis hin zu indigenen Wissenssystemen weltweit, Philosophinnen, mündlichen Überlieferungen und verkörperten Praktiken wie Meditation. Damit stellt HePS den seit langem bestehenden Eurozentrismus herkömmlicher Referenzwerke in Frage und trägt zur Dekolonialisierung des Wissens bei.

HePS basiert auf den Prinzipien der offenen Wissenschaft und der freien Verfügbarkeit von Wissen: Alle Daten sind frei zugänglich, stehen unter einer offenen Lizenz und sind mit anderen öffentlichen Wissensdatenbanken verknüpft. Dadurch wird sichergestellt, dass die Enzyklopädie kein isoliertes Archiv ist, sondern Teil eines größeren, kollaborativen Ökosystems.

Im Kern fördert HePS den interkulturellen und polylogischen Dialog. Indem die Plattform den Leser*innen ermöglicht, Ideen aus Traditionen jenseits ihrer eigenen zu begegnen, schafft sie einen offenen Raum der Vernetzung, in dem vielfältige Ansätze koexistieren, sich überschneiden und manchmal auseinandergehen können, wodurch unser kollektives Verständnis davon erweitert wird, was es bedeutet, in einer globalisierten und polyzentrischen Welt zu philosophieren.

Prof. Dr. Rolf Elberfeld ist Professor für Philosophie an der Universität Hildesheim und Sprecher der Kolleg-Forschungsgruppe „Philosophieren in einer globalisierten Welt“. In der Kulturphilosophie verbindet er phänomenologische Ansätze mit einer breiten interkulturellen Perspektive. Ein Schwerpunkt seiner Forschung gilt der Geschichte der Philosophie in globaler Perspektive. Im Rahmen des Reinhart-Koselleck-Projekts „Geschichten der Philosophie in globaler Perspektive“ (2019–2024) hat er u. a. eine multilinguale Datenbank zu „Geschichten der Philosophie in globaler Perspektive“ aufgebaut und online publiziert.

Dr. Leon Krings ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Kolleg-Forschungsgruppe „Philosophieren in einer globalisierten Welt“ an der Universität Hildesheim und Projektkoordinator der Hildesheim Encyclopedia of Philosophical Sources. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der buddhistischen Philosophie, insbesondere der japanischen Philosophie des 20. Jahrhunderts, in der Phänomenologie der Leiblichkeit sowie der interkulturellen Philosophie und Philosophiegeschichte. Er ist Gründungsmitglied und Vorstand des European Network of Japanese Philosophy und seit 2019 Herausgeber und Chefredakteur des European Journal of Japanese Philosophy.