Lehrbeauftragtentreffen 2026

Das Lehrbeauftragtentreffen am 28.04.2026 begann mit einem Sektempfang, bei dem sich die rund siebzig Gäste bereits zu Beginn in lockerer Atmosphäre austauschten. Gegen 19:30 Uhr eröffnete der Dekan Prof. Dr. Mark Deiters offiziell den Abend und begrüßte die Anwesenden. In seinem Grußwort erinnerte er an die langjährige Tradition der Veranstaltung, die dem Dank an die Lehrbeauftragten sowie dem Austausch zwischen Wissenschaft, Lehre und juristischer Praxis dient. Zwar ließ sich der genaue Ursprung dieser Tradition selbst mithilfe Künstlicher Intelligenz nicht eindeutig bestimmen, sicher sei jedoch, dass entsprechende Treffen bereits seit vielen Jahren fester Bestandteil des Fakultätslebens seien und über die Grenzen Münsters hinaus als Vorbild wahrgenommen würden.

Im Mittelpunkt seiner Ausführungen stand die Bedeutung der Lehrbeauftragten für die rechtswissenschaftliche Fakultät. Trotz aktueller Herausforderungen – darunter der Wegfall von Professuren und finanzielle Kürzungen – bleibe die Fakultät weiterhin eine der größten und einflussreichsten juristischen Fakultäten Deutschlands. Besonders hob der Dekan hervor, dass die Studierendenzahlen bislang stabil geblieben seien und die Lehre weiterhin einen hervorragenden Ruf genieße. Als Beispiel nannte er das universitäre Repetitorium, das die enge Zusammenarbeit zwischen hauptamtlichen Hochschullehrenden und Lehrbeauftragten besonders sichtbar mache. Die konstant guten Examensleistungen der Studierenden unterstrichen diese Qualität zusätzlich. Auch das breite Angebot an Schwerpunktbereichen sowie die enge Verbindung von Wissenschaft und Praxis seien wesentliche Gründe für die Attraktivität des Studienstandorts. Gerade hierfür seien Praktikerinnen und Praktiker als Lehrbeauftragte unverzichtbar. Darüber hinaus verwies Prof. Dr. Deiters auf die zunehmende Bedeutung berufsbegleitender Studienangebote und des lebenslangen Lernens, an denen zahlreiche Lehrbeauftragte beteiligt seien. Für dieses Engagement sprach er allen Beteiligten seinen ausdrücklichen Dank aus.
Anschließend berichtete der Dekan von aktuellen Erfolgen der Fakultät. Erwähnt wurden unter anderem der Sieg eines studentischen Teams beim Willem C. Vis International Commercial Arbitration Moot in Wien sowie erfolgreiche Forschungsprojekte im Bereich „Künstliche Intelligenz und Recht“, die für die kommenden Jahre mit erheblichen Fördermitteln ausgestattet wurden. Zum Abschluss seiner Rede kehrte Prof. Dr. Deiters zu seiner Ausgangsfrage zurück und fasste die Aufgabe universitärer Lehre prägnant als „Vermessung der Welt und Bericht darüber“ zusammen.

Vor der anschließenden Dinner Speech wurde Dr. Christian Schütte die Honorarprofessur im Bereich Regulierungsrecht und öffentliches Wirtschaftsrecht verliehen. Die Urkunde wurde durch den Dekan verlesen, bevor Dr. Schütte der Fakultät für die Auszeichnung dankte und anschließend den Festvortrag des Abends hielt. Unter dem Titel „Lehren aus der Energiekrise 2022?“ widmete sich seine Rede den energiepolitischen, rechtlichen und geopolitischen Entwicklungen seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine im Februar 2022. Ausgangspunkt seiner Betrachtung war die Feststellung, dass Deutschland von den Entwicklungen weitgehend unvorbereitet getroffen worden sei. Die starke Abhängigkeit von russischen Gasimporten habe sich innerhalb kurzer Zeit als erhebliche strukturelle Schwäche erwiesen und zu einer Gas- und Stromkrise geführt.

Im weiteren Verlauf zeichnete Dr. Schütte die politischen und regulatorischen Reaktionen auf die Krise nach. Dazu gehörten unter anderem die Einrichtung von Krisenstäben, Maßnahmen zur Stabilisierung zentraler Energieunternehmen sowie umfangreiche gesetzgeberische Aktivitäten auf nationaler und europäischer Ebene. Ein Schwerpunkt lag dabei auf der Neuausrichtung der Energieversorgung. Die Abhängigkeit von russischem Gas sei schrittweise reduziert und durch breiter aufgestellte Importstrukturen ersetzt worden. Gleichzeitig habe die Krise zu einer deutlichen Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren geführt – etwa beim Ausbau eigener LNG-Terminals. Mit dem sogenannten „Deutschland-Tempo“ seien rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen worden, die Infrastrukturprojekte in ungewöhnlich kurzer Zeit ermöglichten.
Darüber hinaus ging Dr. Schütte auf den beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien ein. Sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene seien rechtliche Vorgaben angepasst worden, um den Ausbau erneuerbarer Energien stärker zu fördern und zugleich mit bestehenden umweltrechtlichen Anforderungen in Einklang zu bringen. Zugleich machte er deutlich, dass neue Herausforderungen entstanden seien. Zwar habe Deutschland seine Abhängigkeit von russischem Gas überwunden, gleichzeitig entstünden jedoch neue wirtschaftliche und geopolitische Abhängigkeiten gegenüber anderen Staaten und Importregionen. Langfristig könne daher nur eine stärkere Energieunabhängigkeit zu mehr Stabilität führen. Als zentrale Faktoren nannte Dr. Schütte die weitere Elektrifizierung zentraler Wirtschaftsbereiche, den Ausbau erneuerbarer Energien, technologieoffene Lösungen wie Wasserstoff, Biogas und Fernwärme sowie die zunehmende Bedeutung von Energieeffizienz. Ebenso betonte er die Notwendigkeit eines leistungsfähigen Netzausbaus, moderner Speichertechnologien sowie umfassender Sicherheits- und IT-Schutzmaßnahmen gegen Sabotage und Cyberangriffe.
In seinem Fazit hielt Dr. Schütte fest, dass aus der Energiekrise zwar wichtige Lehren gezogen worden seien, deren Umsetzung jedoch weiterhin erhebliche politische, wirtschaftliche und rechtliche Herausforderungen mit sich bringe. Die Veranstaltung endete anschließend mit weiteren Gesprächen und persönlichem Austausch zwischen den Gästen aus Wissenschaft und Praxis.
