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Ein internationales Netzwerk für die Koranforschung: Islamisch-Theologische Fakultät Münster und UIN Saizu (Indonesien) besiegeln Zusammenarbeit

Die Islamisch-Theologische Fakultät der Universität Münster und die Staatliche Islamische Universität UIN Saizu Purwokerto (Indonesien) vereinbaren eine langfristige Zusammenarbeit in der internationalen Koranforschung

Münster, 15. September 2026. Wenige Tage nach ihrer Gründung setzt die Islamisch-Theologische Fakultät der Universität Münster ein erstes deutliches Zeichen ihrer internationalen Ausrichtung: Am 14. September 2026 wurde in Münster ein Memorandum of Understanding (MoU) mit der Staatlichen Islamischen Universität UIN Saizu Purwokerto im indonesischen Purwokerto unterzeichnet. Ziel ist es, die Erforschung des Korans und seiner Auslegung gemeinsam weiterzuentwickeln – insbesondere die Weiterführung des Corpus Coranicum aus der Perspektive der muslimischen Welt.

Unterzeichnet wurde die Vereinbarung vom Gründungsdekan der Islamisch-Theologischen Fakultät und Co-Leiter des Projekts Corpus Coranicum Commentary, Prof. Mouhanad Khorchide, gemeinsam mit dem Koranwissenschaftler der UIN Saizu, Prof. Mohamad Nur Kholis Setiawan, einem der renommiertesten Koranforscher Indonesiens.

Warum diese Kooperation notwendig ist:

Indonesien ist das Land mit der größten muslimischen Bevölkerung der Welt und trägt eine jahrhundertealte, außerordentlich reiche Tradition der Koranauslegung in sich. Diese Tradition des Tafsir aus dem indonesischen und südostasiatischen Raum ist im internationalen wissenschaftlichen Diskurs bis heute deutlich unterrepräsentiert. Die moderne akademische Koranforschung ist über weite Strecken aus westlichen Perspektiven geprägt worden. Wer den Koran und seine Wirkungsgeschichte umfassend verstehen will, kann auf die Stimmen der muslimischen Welt selbst nicht verzichten.

Genau hier setzt die Zusammenarbeit an. Sie bringt den historisch-philologischen Ansatz des Corpus Coranicum Commentary mit der lebendigen Auslegungstradition Indonesiens zusammen und eröffnet einen echten wissenschaftlichen Dialog: hermeneutisch, historisch, literaturwissenschaftlich, philologisch und theologisch. Damit wird die internationale Koranforschung nicht nur um eine Perspektive erweitert. Sie wird plural, globaler und ihrem Gegenstand gerechter. Für die junge Islamisch-Theologische Fakultät ist dies zugleich Programm: Koranforschung soll nicht über die Muslime hinweg betrieben werden, sondern gemeinsam mit ihnen und ihren gelehrten Traditionen.

Ein Netzwerk, das Nachwuchs aufbaut

Die Vereinbarung ist bewusst mehr als ein akademischer Austausch. Beide Seiten wollen ein dauerhaftes internationales Forschungsnetzwerk aufbauen und die kommende Generation von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gezielt fördern. Indonesische Nachwuchskräfte und Postgraduierte sollen unmittelbar an der Forschung mitwirken und befähigt werden, eigenständig Studien und Publikationen von internationalem Rang vorzulegen.

„Diese Kooperation ist für uns weit mehr als ein Abkommen auf dem Papier", betont Prof. Mouhanad Khorchide. „Wir wollen ein dauerhaftes internationales Netzwerk aufbauen und eine neue Generation von Forscherinnen und Forschern ausbilden, die die Koranwissenschaft aus der muslimischen Welt heraus mitgestaltet."

Prof. Setiawan, der das Programm gemeinsam mit Prof. Khorchide maßgeblich gestalten wird, brachte diesen Anspruch auf den Punkt. Die große Idee sei „eine Auslegung des Corpus Coranicum aus der muslimischen Welt heraus". Für die Zukunft brauche es viele Nachwuchskräfte, die sich beteiligen und das Vorhaben weitertragen.

Was geplant ist:

Die Kooperation umfasst gemeinsame Forschungen zu Geschichte, Methodologie, Textforschung, Handschriften und den intellektuellen Netzwerken der Koranauslegung in Indonesien und Südostasien. Vorgesehen sind gemeinsame Publikationen, Übersetzungen und Bibliografien, der Austausch von Lehrenden und Forschenden sowie die Mobilität von Studierenden in Master- und Promotionsprogrammen. Hinzu kommen gemeinsame Konferenzen, Workshops und Forschungskolloquien sowie der Ausbau von Kompetenzen in den Digital Humanities, in der korpusbasierten Koranforschung und in der Handschriftenkunde.

So führt die Partnerschaft die akademischen Stärken Europas mit dem Reichtum der islamischen Wissenschaftstraditionen Indonesiens und Südostasiens zusammen – und stärkt zugleich den Beitrag muslimischer Forscherinnen und Forscher zur globalen Koranwissenschaft. Für die Islamisch-Theologische Fakultät in Münster ist die internationale Zusammenarbeit eine tragende Säule ihres Selbstverständnisses. Die Vereinbarung mit der UIN Saizu ist ein erster, sichtbarer Schritt auf diesem Weg.