Forschungsschwerpunkte

In ihrer wissenschaftlichen und didaktischen Forschung beschäftigen sich die Projektbeteiligten mit den Merkmalen und Effekten von Mehrsprachigkeit in Metropolregionen, die durch historische oder aktuelle Industrialisierungsprozesse sehr schnell gewachsen sind bzw. immer noch wachsen. Diese Ballungsräume zeichnen sich durch eine hohe Dynamik und Diversität aus, auch in sprachlicher Hinsicht. Mit dem Ruhrgebiet und der Hafenstadt Genua werden zwei Regionen untersucht, die einst zu den Zentren der Kohle- und Stahlindustrie in Europa zählten, die sich jedoch heute längst in der Phase des Strukturwandels befinden. Die sehr junge und extrem schnell wachsende Stadt Shenzhen durchläuft seit wenigen Jahrzehnten eine rasante High-Tech-Industrialisierung und damit ganz ähnliche Entwicklungen wirtschaftlichen und demografischen Wachstums wie das Ruhrgebiet und Genua in der Phase der Industrialisierung im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts.  

Alle drei Metropolregionen haben eines gemein­sam: Durch starke Binnenmigration in die urbanen Zentren entstand bzw. entsteht eine sehr dynamische Situation gesellschaftlicher Mehrsprachigkeit, die biografische Brüche, Aushandlungsprozesse von Zugehörigkeit und Ausgeschlossensein, Veränderungen gesellschaftlicher Wertevorstellungen und auch sprachen­politische Maßnahmen auslöst sowie spiegelt.

Das Projekt blickt aus sprach-, literatur-, kultur- und medienwissenschaftlicher Perspektive auf diese Prozesse: auf deren Ergebnisse in Europa und auf die sich gerade vollziehende Entwicklung in Shenzhen. Schwerpunkte der vergleichenden Betrachtung der drei Regionen sind unter anderem: Sprachbiografien und individuelle sprachliche Repertoires, Sprachwandel, urbane Sprachlandschaften (Linguistic Landscapes) sowie Mehrsprachigkeit in literarischer und künstlerischer Produktion.

Hieraus erwachsen didaktische Forschung und konkrete Lehrprojekte, die Elemente wie Forschendes Lernen und internationales Co-Teaching enthalten (bislang z.B. Lehrveranstaltungen mit gemeinsamen Seminargruppen aus Genua und Dortmund sowie aus Genua und Shenzhen). Ein Ziel des Projekts ist die Entwicklung von digitalen Lehr-/Lernmaterialien für Deutsch als Fremdsprache zu den Themen Sprache und Urbanität, individuelle und gesellschaftliche Mehrsprachigkeit, Industriekultur, Mehrsprachigkeit in der Literatur, Sprache(n) und Identität, Sichtbarkeit von Sprachen, Sprachenlernen u.a. Die didaktischen Konzepte werden regelmäßig in universitären Lehrveranstaltungen umgesetzt und erprobt.

Zu den Aktivitäten des Projekts gehörte u.a. eine Sommerakademie an der TU Dortmund im Juli 2025, an der 20 Studierende aus Genua und Shenzhen sowie Lehrende aus Genua, Shenzhen, Dortmund und Münster teilgenommen haben.

Die auch finanziell geförderte Personenmobilität ermöglicht es Studierenden aller beteiligten Universitäten, an einem der Partnerinstitute Studien-, Forschungs- und Lehrerfahrung zu sammeln.