Was du mir sagst, das vergesse ich. Was du mir zeigst, daran erinnere ich mich. Was du mich tun lässt, das verstehe ich.
Konfuzius

Horst Siebert schreibt: „Der Mensch ist ein „homo discenc“, ein lernendes Wesen. Menschen lernen, solange sie leben. Leben ist untrennbar mit Lernen verbunden.“

Was ist Lernen?

Diese Frage lässt sich nicht einfach beantworten, weil es keine allgemein anerkannte Definition für Lernen gibt. Neurowissenschaftlich betrachtet ist Lernen eine Verknüpfung von neuronalen Netzen, behavioristisch – Reaktion auf Reize und Verstärkung, kognitionspsychologisch – Problemlösung mit Hilfe bewährter Handlungsschemata und Entwicklung neuer Schemata für neue Situationen und konstruktivistisch – Erklärung für veränderte Wirklichkeitskonstrukte usw.

Ein Versuch einer Definition: Lernen bedeutet eine stabile Veränderung des Verhaltens oder einen Neuerwerb von Verhaltensmustern mit kognitiven, sozialen und affektiven Wissenselementen aufgrund von individuellen Erfahrungen in bzw. mit der Umwelt. Kurz gesagt: Es ist ein langfristiger Zuwachs von Wissen und Können.

  • Wie lernen Erwachsene?

    © Spiegel Spezial 2003

    Es gibt keine zwei Menschen, die in einem Vortrag, Seminar oder Training dasselbe auf dieselbe Weise lernen. Was Erwachsene lernen und wie sie lernen, hängt von ihrer Lerngeschichte, ihren Lerngewohnheiten, ihren psycho-sozialen Vorstrukturen, ihren kognitiven und emotionalen Mustern, ihren bewährten Problemlösungsstrategin ab. Sie wollen ihre Erfahrungen einbringen.

    Erwachsene "saugen" nicht alles wie Kinder auf. Mitlerweile hat die Gehirnforschung drei „Detektoren“ des Lernens im Erwachsenenalter ermittelt:
      - Neuigkeitsdetektor
      - Anschlussdetektor
      - Relevanzdetektor

    Zum Beispiel hören Erwachsene in einem Vortrag nicht alles, was der Redner sagt, aus guten Grund, denn eine solche Informationsfülle würde sie überfordern und überlasten. Sie hören, was sie verstehen können, was in deren Schemata passt, was anschlussfähig ist, was ihnen brauchbar und „bemerkenswert“ erscheint.

    Zum Schluss:

    • Unser Denkorgan ist nie zu alt, um dazuzulernen. Mit dem Alter sinkt nicht die Fähigkeit zu lernen, sondern die Bereitschaft.
    • Jeder Mensch ist lernfähig, die Lernfähigkeit kann geübt und verbessert werden.
  • Nachhaltiges Lernen oder Anwendung des Gelernten

    Es ist bekannt, dass nur 7-10 % der Inhalte aus Bildungsveranstaltungen tatsächlich in der Praxis/im Arbeitsalltag ankommen bzw. umgesetzt werden. Woran liegt es?

    Die Antwort ist darauf zurückzuführen, WIE Erwachsene lernen. Gelernt wird dann „nachhaltig“, wenn man das Gelernte hier und heute braucht, wenn es lebensdienlich ist, wenn es handlungsrelevant ist. Die Elemente der Nachhaltigkeit des Lernens:

    • Bedeutsamkeit des Themas
    • Praxisrelevanz
    • Anschlussfähigkeit
    • Flow-Gefühl
    • Vielfalt der Lernwege
    • Angenehme Lernatmosphäre
    • Metakognitive Reflexion

    Darüber hinaus gilt es Behaltenspotenziale zu berücksichtigen. Die bekannte Formel dafür lautet, wir behalten:

    •  20 % dessen, was wir hören,
    •  50 % dessen, was wir hören und sehen,
    •  70 % dessen, was wir hören, sehen und wiederholen,
    •  90 % dessen, was wir hören, sehen, sagen und selbst tun.
  • Empfehlungen für ein gelungenes Lernen

    Das Wort "Lernen" geht auf die gotische Bezeichnung für "ich weiß" (lais) und das indogermanische Wort für "gehen" (lis) zurück (Wasserzieher, 1974). Die Herkunft des Wortes deutet darauf hin, dass Lernen ein Prozess ist. Zum Lernprozess gehören:
    - Planung
    - Erweiterung von Wissen und Können durch Aufnehmen, Bearbeiten und Speichern
    - Anwendung vom neuen Wissen und Können

    Vor der Veranstaltung: Planen Sie, was Sie lernen wollen
    Für Erwachsene gilt: Relevante Lernziele müssen selber entdeckt werden.

    Als Lernende werden Sie mit Motivation bei jeder Veranstaltung dabei sein und dementsprechend die Inhalte gut behalten, wenn Sie den Sinn bzw. die Lernziele selbst setzen und die eigenen Lernwege kennen. Stellen Sie sich folgende Fragen:

    - Wie stark ist meine Motivation? (Motivationsklärung)
    - Was interessiert mich besonders? (Orientierung an eigenen Fragestellungen)
    - Was will ich nach der Veranstaltung wissen und können?
    - Was weiß ich bereits zum Thema? Was gelingt mir bereits gut?
    - Wie lerne ich am besten? Welche Lehr- und Lernformate sind bei der Veranstaltung geplant?

    Sorgen Sie durch eine gute Planung dafür, dass Sie sich bei der Veranstaltung wohl fühlen.

    Während der Veranstaltung: Bearbeiten Sie neue Inhalte und Informationen
    Während der Veranstaltung empfehlen wir Ihnen ein Lerntagebuch zu führen. Mit diesem Hilfe-Tool stellen Sie sicher, auf eigene Art und Weise neue Inhalte aufzunehmen und zu verarbeiten.

    Das Lerntagebuch ermuntert Sie bereits während der Veranstaltung mit der Planung der Umsetzung des Gelernten zu beginnen. Die bekannte 72-Stunden-Regel besagt: Alles, was Sie sich vornehmen, müssen Sie auch innerhalb von 72 Stunden beginnen, sonst sinkt die Chance, dass Sie das Vorhaben jemals umsetzen, auf ein Prozent.

    Hier finden Sie eine Vorlage für ein Lerntagebuch, das beliebig erweiterbar ist.

    Nach der Veranstaltung: Sorgen Sie für die Anwendung
    Bilden Sie einen Tandem oder eine kleine Gruppe mit den Teilnehmenden aus der gleichen Veranstaltung und unterstützen Sie sich gegenseitig bei der Umsetzung des Gelernten – vereinbaren Sie ein Treffen und ein Gespräch darüber, was Sie sich vornehmen. In dem Gespräch sprechen Sie von Ihren Erfolgen und Misserfolgen, also was Ihnen gelungen ist, was Ihnen nicht gelungen ist und woran es lag. Nur so können Sie nachhaltig lernen!

    Darüber hinaus empfehlen wir Ihnen ein Nachbereitungsgespräch zum Seminar/Training mit Ihrer Führungskraft zu vereinbaren, um Schritte der Umsetzung des Gelernten im Arbeitsalltag zu besprechen – Ihre Führungskraft ist Ihr*e Personalentwickler*in vor Ort. Sprechen Sie offen über eine mögliche Unterstützung, wenn Sie diese benötigen. Vereinbaren Sie einen Termin zur Rückmeldung über Ihre Lernfortschritte.

© athree23/pixabay

Lerneffekt

Wir lernen am leichtesten, wenn wir anders nicht weiterkommen. Diese Geschichte erzählt davon, wie das konkret aussehen kann.

Am ersten Tag geht jemand eine Straße entlang. Plötzlich stürzt er in ein Loch, das sich unerwartet vor ihm auftut. Dieser Sturz ist wie ein Sterben und verzweifelt ruft er nach Hilfe. Tatsächlich kommt jemand und hilft ihm heraus.

Am zweiten Tag geht die Person die gleiche Straße entlang und wieder stürzt sie in das Loch. Sie empfindet Angst, aber sie findet einen Weg, sich selbst aus dem Loch zu befreien.

Am dritten Tag geht dieser Jemand wieder die Straße entlang und stürzt erneut in das Loch – aus reiner Gewohnheit. Er ärgert sich über sich selbst und befreit sich durch die bekannte Möglichkeit.

Am vierten Tag geht die Person die gleiche Straße entlang, wechselt aber vor dem Loch die Seite.

Am fünften Tag wählt sie eine andere Straße.

(nach Nossrat Peseschkian)