Wahrheit und Verantwortung angesichts des russischen Angriffskrieges

Am 11. und 12. Februar 2026 fand das dritte Friedenssymposium im Vorfeld der Münchner Sicherheitskonferenz statt. Das Symposium wird von der Ukrainischen Katholischen Universität in Lwiw, dem Lehrstuhl für Sozialethik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München und der amerikanischen University of Notre Dame durchgeführt und stand in diesem Jahr unter dem Titel „Russia’s Hybrid War and Dissolution of Truth: Reclaiming Foundations of Security and Just Peace.“
Als eine der Podiumsteilnehmer:innen war Prof. Dr. Regina Elsner zum öffentlichen Abends in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität eingeladen. Die Keynote-Vorträge hielten der Historiker und Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels 2025, Prof. Dr. Karl Schlögel, und der ukrainische Journalist und Menschenrechtsaktivist Maxym Butkevych, der von 2022 bis 2024 über zwei Jahre in russischer Kriegsgefangenschaft war. Auf dem anschließenden Podium diskutierten beide gemeinsam mit Prof. Dr. Katrin Boeckh (Universität Regensburg), Dr. Franziska Davies (Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam), Prof. Dr. Regina Elsner, Kardinal Reinhard Marx und dem polnischen Botschafter Jan Tombinski über die Verantwortung der Wissenschaft und der Kirchen angesichts der strategischen Desinformation Russlands über den von ihm geführten Angriffskrieg.

Die Herausforderung, die Wahrheit der Opfer des Krieges auch gegen die gezielte Verunsicherung über Ursachen und Methoden des Krieges immer wieder in den Mittelpunkt zu stellen, prägte auch die weiteren Panels der Konferenz. Aus historischer wie auch aus theologischer – ökumenischer und sozialethischer – Sicht wurde wiederholt auf die ausstehende Aufarbeitung der Verstrickung deutscher Akteure in die russische Geschichtskonstruktion angemahnt. Kirchen müssen neben dem Beitrag der Friedensethik zur Formulierung moralischer Leitideen in der Sicherheitspolitik immer auch ihre eigene Glaubwürdigkeit prüfen. So mahnte der Osteuropawissenschaftler Sean Griffin (Notre Dame), dass das Label „Häresie“ für die Kriegsunterstützung des russischen Patriarchen zu schnell davon ablenken würde, wie kirchliche Macht und Sakralisierung auch jenseits dieses Krieges zum Aufbau des repressiven Systems in Russland beigetragen haben.
Die Diskussion der internationalen Teilnehmenden machte auch deutlich, dass es große Unterschiede in der Wahrnehmung der Realitäten des Krieges zwischen den europäischen Ländern gibt. Regina Elsner betonte in diesem Zusammenhang, wie wichtig der Austausch von Studierenden und Freiwilligen in Europa ist, da nur in der persönlichen Begegnung die aktuelle Bedrohung für Europa, aber auch der Sinn für einen gerechten Frieden erfahrbar werden.

