
Schüler:innen-Akademie nimmt Christfluencer kritisch unter die Lupe
Wie prägen Christfluencer auf Instagram, TikTok oder YouTube den Blick junger Menschen auf Religion? Mit dieser Frage haben sich Schüler:innen unterschiedlicher Schulen im Bistum Münster der Jahrgangsstufe Q1 drei Tage lang beschäftigt. Die Schüler:innen-Akademie ist ein neues Format, das den bisherigen Facharbeitswettbewerb Religion ablöst und besonders engagierte Jugendliche aus dem katholischen und evangelischen Religionsunterricht zusammenbringt.
Aus der Katholisch-Theologischen Fakultät gestalteten Alissa Geissler vom Institut für Religionspädagogik und Pastoraltheologie sowie Julia Pape und Franziska Kolodziej vom Institut für Biblische Exegese und Theologie (IBET) die Akademie in der katholischen Akademie Franz Hitze Haus in Münster mit.
Zum Abschluss präsentierten die 16 Teilnehmenden, die aus Bottrop-Kirchhellen, Dortmund, Kamen, Marl, Münster, Ostbevern und Reken kommen, ihre Ergebnisse vor Eltern, Lehrkräften sowie Vertreterinnen und Vertretern aus Kirche, Hochschule und Schule. Akademiedirektor Dr. Johannes Sabel unterstrich die Aktualität des Themas: Religion gerate weltweit zunehmend unter Druck und werde in sozialen Medien häufig aus dem Zusammenhang gerissen oder gezielt instrumentalisiert. „Sensibel und urteilsstark zu erkennen, aus welchen Kontexten Inhalte herausgerissen und manipulativ geframed werden, ist eine hohe Zukunftskompetenz“, gab er den Jugendlichen mit auf den Weg.
Auch Judith Henke-Imgrund, Leiterin des Fachbereichs Schule, Hochschule, Bildung im Bischöflichen Generalvikariat Münster, begrüßte das neue Veranstaltungsformat. Angesichts der täglichen Informationsflut in sozialen Medien brauche es mehr denn je eine kritische Haltung. Sie freue sich, dass sich die Jugendlichen mit diesem hochaktuellen Thema auseinandergesetzt hätten.
Authentische Glaubenszeugnisse von manipulativen Botschaften unterscheiden
Gemeinsam mit der Christfluencerin Celine Edinger hatten die Schüler zunächst diskutiert, was Christfluencer ausmacht und wie sich authentische Glaubenszeugnisse von manipulativen Botschaften unterscheiden lassen. Anschließend analysierten sie mit zwei Theologinnen den Umgang von Influencern mit biblischen Texten. „Dabei ist deutlich geworden, dass Bibelstellen unterschiedlich übersetzt und ausgelegt werden können und eine Interpretation immer den jeweiligen Zusammenhang berücksichtigen muss“, fassten die Schüler zusammen. Die Religionswissenschaftlerin Anna Kira Hippert erklärte schließlich, wie Inhalte in sozialen Medien Aufmerksamkeit erzeugen und welche Wirkung Bilder, Musik und Sprache in kurzen Videos entfalten.

Wie diese Erkenntnisse praktisch anwendbar sind, zeigte die Abschlussveranstaltung. Gemeinsam mit dem Publikum analysierten die Jugendlichen Beispiele von Christfluencern. Mit roten und grünen Karten stimmten die Gäste darüber ab, ob sie die Beiträge eher als inspirierend oder als manipulativ empfanden. Anschließend wurde diskutiert, wie Bildsprache, Musik und ausgewählte Bibelzitate die Wirkung der Botschaften beeinflussen. Auch Aussagen wie „Christfluencer werden die Welt verändern“ oder „Christfluencer sorgen für ein besseres Religionsverständnis bei Jugendlichen“ wurden kontrovers eingeordnet.
Für die Teilnehmenden war gerade die Verbindung aus Wissenschaft und Praxis ein besonderer Gewinn. „Ich hatte erst Sorge, dass es sehr theoretisch wird. Aber wir hatten viele praktische Bezüge und gleichzeitig wissenschaftliche Perspektiven“, sagte Justine Jäger von der Loburg in Ostbevern. Wichtig sei ihr geworden, Inhalte in sozialen Medien kritisch zu hinterfragen und Bibelstellen immer im Zusammenhang zu betrachten.
Auch der intensive Austausch mit Gleichaltrigen habe die Akademie besonders gemacht, findet Thea Kötting, die das Gymnasium der Mariannhiller Missionare in Maria Veen besucht. Anders als im Schulunterricht sei genügend Zeit gewesen, sich einem Thema wirklich zu widmen.
Die Fachakademie wurde in Kooperation veranstaltet vom Bischöflichen Generalvikariat Münster, der Evangelischen Kirche von Westfalen, der Akademie Franz Hitze Haus und den Katholisch-Theologischen und Evangelisch-Theologischen Fakultäten der Universität Münster in Zusammenarbeit mit der Bezirksregierung Münster und von der Stiftung zur Ausbildung katholischer Geistlicher im Bistum Münster gefördert.
Text: Ann-Christin Ladermann
