| Institut für Erziehungswissenschaft
Institut für Erziehungswissenschaft

Das IfE trauert um Bernd Zymek

© Tyler Larkin

Prof. em. Dr. Bernd Zymek ist am 5. August 2026 im Alter von 82 Jahren verstorben. Mit ihm verliert das IfE einen national und international geschätzten Bildungshistoriker und Erziehungswissenschaftler, der an den Universitäten Bochum und Münster über lange Jahrzehnte gelehrt und geforscht hat und die sozialhistorische Bildungsforschung entscheidend mitgestaltet hat. Nach dem Studium der Geschichte, Germanistik und Erziehungswissenschaft in Würzburg und Bochum, das er 1969 mit dem Staatsexamen abschloss, hat er bereits mit der Promotion (1974) einen eigenständigen wissenschaftlichen Weg eingeschlagen. Seine Dissertation „Das Ausland als Argument in der pädagogischen Reformdiskussion“ (1975) hat lange im Diskurs nachgewirkt. 1981 hat er sich dann im Rahmen des von der DFG geförderten Verbundprojekts „Qualifikationskrisen und Struktur-wandel des Bildungssystems“ an der Ruhr-Universität Bochum mit einer Arbeit zum Strukturwandel im höheren Schulsystem Preußens habilitiert. Das in diesem Kontext – nicht zuletzt von Detlef K. Müller – vorangetriebene Forschungsprogramm einer „Sozialgeschichte der Bildung“ blieb für ihn maßgeblich. Es war zugleich Ausdruck und Motor des disziplingeschichtlichen Wandels von der alten historischen Pädagogik zur historischen Bildungsforschung, der von Bernd Zymek entscheidend mitgeprägt wurde. 1997 folgte er einem Ruf nach Münster auf eine Professur für Allgemeine und Historische Erziehungswissenschaft, die er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2009 innehatte. Seine Antrittsvorlesung zeigt einen Schwerpunkt seiner späteren Arbeiten, nämlich eine bildungshistorisch kontextualisierende kritische Auseinandersetzung mit bildungspolitischen Reformagenden. Die politischen, sozialen und weltanschaulichen Konflikte um Reformprogramme und -prozesse im Bildungssystem werden dabei in ihrer Verflochtenheit mit sozialen Strukturen und mentalen Traditionen beleuchtet. Statt selbst Teil einer Reformagenda zu werden, trägt eine so ausgerichtete historische Bildungsforschung zu analytisch-kritischer Distanz bei. Historische Kontextualisierung kann so die in Bildungsforschung und Bildungspolitik oftmals reklamierten universalistischen Ansprüche irritieren und Reformambitionen zu einem neuen Realismus verhelfen. Bernd Zymek war auf Tagungen und Konferenzen ein gefragter Referent und Diskutant. In Erinnerung bleiben uns nicht nur seine wissenschaftlichen Beiträge, sondern auch sein wissenschaftliches Ethos, das auf seine Weise sachlichen Ernst mit Leidenschaft und Temperament verband.