Fellow
Käte Hamburger Kolleg "Einheit und Vielfalt im Recht"andrea.kretschmann@leuphana.de
Andrea Kretschmann ist von Oktober 2026 bis September 2027 Fellow des Kollegs.
Andrea Kretschmann ist von Oktober 2026 bis September 2027 Fellow des Kollegs.
Andrea Kretschmann is Professor of Cultural Sociology at the School of Cultural Studies at Leuphana University and an Associate Researcher at the French-German research institute Centre Marc Bloch in Berlin. Her work lies at the intersection of cultural sociology, political sociology, socio-legal studies, and criminology. She is particularly interested in the cultural dimensions of law, politics, and social control, which she explores through qualitative empirical and theoretical research. Her research examines transformations in criminal justice and crime policy, as well as policing, with her more recent work focusing on police deviance and the policing of protest. Further research interests include law in everyday life; legal compliance; law, right-wing extremism, and conspiracy theories; and sociological theories of law. Her academic career has included visiting professorships, research positions, and research stays at institutions across Europe and the United States, including the École des hautes études en sciences sociales (EHESS) in Paris, the International Research Center for Cultural Studies (IFK) at the University of Arts Linz in Vienna, the Centre de recherches sociologiques sur le droit et les institutions pénales (CESDIP) in Versailles, Johns Hopkins University in Baltimore, and the Institute for the Sociology of Law & Crime in Vienna.
Recht im Verschwörungsdenken
Am Beispiel der Reichsbürger:innen in Deutschland untersucht das Projekt den für den verschwörungsideologischen Souveränismus konstitutiven Rechtsbezug und fragt nach dessen Bedingungen, Formen und gesellschaftlichen Effekten. Im Zentrum steht die Frage, welche Bedeutung Recht, auch selbst geschöpftes, für die politische und soziale Selbstpositionierung der Akteure gewinnt und wie es als Ressource zur Legitimation und Durchsetzung eigener Geltungsansprüche eingesetzt wird. Besonderes Augenmerk gilt dabei der symbolischen, autorisierenden und offizialisierenden Qualität der eigenen Rechtsgehalte. Auf Grundlage von ethnographischen Beobachtungen, Interviews, Artefakten und einer Onlineethnografie analysiert das Projekt unterschiedliche Praktiken des Rechtsgebrauchs und deren subjektive Sinngebungen. Der verschwörungsideologische Souveränismus wird dabei im Kontext zunehmender rechtlicher Vielfalt und Politisierung des Rechts als spezifische Form eines „rechten Rechtsgebrauchs“ untersucht. Die Aneignung und Popularisierung des Rechts – etwa als Schlagwort, als Meme oder politisches Symbol – verweist auf Prozesse seiner Kulturalisierung und auf veränderte Formen gesellschaftlicher Rechtsaneignung. Das Projekt leistet damit einen Beitrag zur Rechtssoziologie und interdisziplinären Rechtsforschung, aber auch zur Kultursoziologie.
Fuchs, Walter, und Andrea Kretschmann. 2019. „Gegengründungen: Antidemokratische Staatsverweigerung“. Zeitschrift für Rechtssoziologie 39 (2): 227–52.
Kretschmann, Andrea/Rowitz, Lara (2025): Wissen(schaft)sskepsis: Aufklärung im verschwörungsideologischen Souveränismus, in: Österreichische Zeitschrift für Soziologie 50 (1).
Hundertmark, Ben/Kretschmann, Andrea/Rowitz, Lara (2026): Verschwörungsideologischer Souveränismus und die legitimierende Ordnung des Rechts: Systematisierung eines internationalen Phänomens, in: Behemoth 19(1), 88–107.
Kretschmann, Andrea/ Rowitz, Lara (2026): „Frieden, Freiheit, Souveränität‘: Symbolische Herrschaft im verschwörungsideologischen Souveränismus am Beispiel der ‚Reichsbürger:innen‘, in: Arslan, Emre/Bozay, Kemal (Hrsg.): Symbolische Ordnung und Rassismuskritik, Wiesbaden: Springer VS, 313–325. https://doi.org/10.1007/978-3-658-48146-9_15.
Hundertmark, Ben/Kretschmann, Andrea (2026): Verschwörungsideologische Kämpfe um Recht – Das Beispiel sogenannter ‚Reichsbürger:innen‘, in: Prokla. 537-554.
Kretschmann, Andrea (im Erscheinen): Conspiracy Law, in: Håkan Hydén et al. (Hrsg.): Encyclopedia Sociology of Law, Cheltenham: Elgar Publishing.