(D8) Bilder der Wunde / Die Wunde als Bild. Passionsimaginationen im vormodernen Christentum und in der bildenden Kunst der Moderne

Gegenstand des Projektes sind eine Ausstellung und ein interdisziplinäres Symposium, die der Darstellung des Erleidens physischer Gewalt als Thema vormoderner christlicher Religiosität (Bilder der Wunde) und als Bildkonzept in der Kunst der Moderne (Wunde als Bild) gewidmet sind. Die Beiträge des Symposiums stellen die Exponate der Ausstellung in ihrem je spezifischen Kontrast zwischen mittelalterlicher bzw. frühneuzeitlicher Passionsimagination und autonomer Kunst der Moderne gegenüber. Ziel ist die kunsttheoretische wie religionsgeschichtliche Ergründung von Transformationen vormoderner Passionsfrömmigkeit durch künstlerische Bildkonzepte der Moderne und deren Auseinandersetzung mit Realität und Metaphorik der Wunde. Die Befunde sind in die Entwicklung eines auch einer breiteren Öffentlichkeit zu erschließenden kritischen Konzeptes der Medialität von Gewalt und Leid einzubringen.

Die christliche Religion hat in Konkurrenz zu machtpolitischen Symbolsystemen Deutungsmodelle für das Erleiden von Gewalt hervorgebracht und dazu auf ikonographischer Ebene (z. B. Kruzifixus) wie auch durch die Ausbildung eigener Bildformen (z. B. Pietà, Schmerzensmann) für den europäischen Kulturraum prägende Imaginationen entwickelt. Ihre differenzierten, nichtsprachlichen Ausdrucksweisen von Leid und Schmerz forcieren die Expression, intensivieren das Bildereignis zur körperlichen Präsenzerfahrung, evozieren das Mitleiden und reflektieren die Grenzen des Darstellbaren im Medium des Bildes. Im Spektrum der zunehmend autonom und selbstreflexiv sich verstehenden Kunst des späten 19. und des 20. Jhs. finden jenseits der Krise des religiösen Bildes mittelalterliche und frühneuzeitliche Imaginationen der Passion große Aufmerksamkeit; die Wunde wird der Moderne zu einem Bestimmungsgrund künstlerischer Arbeit wie des Bildes selbst. Das Projekt folgt zentralen bildtheoretischen Kategorien dieser Transformationen christlicher Passionsimagination: der Expression des Existentiellen, dem Wechselspiel von Repräsentation und Präsenz, von Bild und Betrachter, dem Zusammenhang von Körper und Bild. Erwartet werden kunst- und religionsgeschichtliche Aufschlüsse, die für die Diskussion des Säkularisierungstheorems sowie für die Kritik medialer Darstellung von Gewalt in der Gegenwart von Bedeutung sind. Der auf direkte Erfahrung zielende Anspruch der Bildwerke begründet die thematische Auseinandersetzung im Zusammenhang einer Ausstellung, die in Kooperation mit dem Westfälischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte durchgeführt werden soll.


Leitung

Prof. Dr. theol. Reinhard Hoeps Arbeitsstelle für christliche Bildtheorie

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

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