
Lucas Cranach der Ältere: Die Zehn Gebote (Quelle: Wikipedia)
(A9) Der Dekalog als religiöser, ethischer und politischer Basis-Text
Sätze aus dem Dekalog (den Zehn Geboten) wie „Du sollst nicht töten“ oder „Du sollst nicht stehlen“ kennen viele. Sie sind allgemein verständlich, werden oft als allgemein gültig angesehen und sprechen Menschen in verschiedenen Kulturen und Religionen durch die Zeiten hin an.
Gegenwärtig gehört der Dekalog in zahlreichen Kulturen der Welt zum kollektiven Gedächtnis. Die Filmreihe „Dekalog“ des polnischen Regisseurs Krzysztof Kieślowski ist noch immer ein Klassiker, und im Rahmen der Ruhrtriennale gab es im Jahre 2010 eine Dramareihe zum Thema – um nur zwei von vielen Beispielen zu nennen.

Rembrandt: Moses mit den Gesetzestafeln
Foto: Wikipedia
Das Projekt „Der Dekalog als religiöser, ethischer und politischer Basis-Text“ untersucht die Rezeption des Dekalogs, und zwar die innerbiblische Rezeption sowie die Rezeption im frühen Judentum und im frühen Christentum. Deutlich ist, dass der Dekalog in der Hebräischen Bibel sowohl im Buch Exodus als auch im Buch Deuteronomium eine Schlüsselstellung hat. Er eröffnet jeweils ein Gesetzeskorpus. Der jüdische Philosoph Philo von Alexandrien übernimmt dieses Prinzip und präsentiert den Dekalog im 1. Jahrhundert n. Chr. als summa des ganzen jüdischen Gesetzes, und zwar als universales, für alle Menschen geltendes Gesetz.
Bei Philos Zeitgenossen Paulus ist eine Konzentration auf die sogenannte „zweite Tafel“, die sozialen Gebote, festzustellen. Der Apostel nimmt damit eine Tendenz der vorherrschenden jüdischen Dekalogrezeption auf. Bei späteren christlichen Schriftstellern findet sich eine Tendenz, den Dekalog zu „trinitarisieren“ und damit zu einem christlichen proprium zu machen.
Die Untersuchungen beziehen sich auf den Zeitraum bis zum dritten nachchristlichen Jahrhundert. Sie widmen sich
- 1. Universalisierungs- und Partikularisierungstendenzen in der Rezeption des Dekalogs sowie
- 2. der Rolle des Dekalogs in Abgrenzungs- und Integrationstendenzen zwischen Juden und Christen und
- 3. seiner Rolle in der Selbstdefinition beider Glaubensrichtungen im Verhältnis zu ihrem jeweiligen gesellschaftlichen, politischen und normativen Umfeld.
Ausführlichere Projektbeschreibung (pdf)
Leitung
Prof. Dr. Hermut LöhrNeutestamentliches Seminar
Ev.-Theol. Fakultät der WWU Münster
Universitätsstraße 13-17
Zimmer 210
D-48143 Münster
Tel.: +49 251 83-22528
Fax: +49 251 83-22576
Hermut.Loehr@uni-muenster.de
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
PD Dr. J. Cornelis de VosJohannisstraße 1
Zimmer 201
48143 Münster
Tel.: +49 251 83-23544
devos@uni-muenster.de
