Austausch Münster-Xi'an

Februar - Juli 2017, DaF-Tutoriat: Bentje Vetter

März 2017, Gastdozentur: Dr. Katharina König

  • Workshop "Sprachliche  Praktiken in der deutschen Hochschulkommunikation" in Kooperation mit Ass. Prof. Dr. ZHU Qiang
  • Planung von Datenerhebungen und Datenaufbereitung
  • Besprechung zur GIP und zum Curriculum der DeutschlehrerInnenausbildung
  • Auswahl und Vorbereitungen der StipendiatInnen auf einen Studienaufenthalt an der WWU

April 2017, Gastdozentur: Prof. Dr. Susanne Günthner

  • Unterzeichnung der Rahmenvereinbarungen der GIP
  • Präsentation des Germanistischen Instituts der WWU und Präsentation der GIP
  • Organisation der GIP und Planung gemeinsamer Forschungsprojekte
  • Workshop "Methoden zum empirischen Arbeiten im Bereich Interkulturelle Kommunikation/ Konstrastive Kulturanalyse!
  • Workshop "Transkription und Übersetzung chinesischer Gesprächs- und WeChat-Daten"
  • Workshop "Präsentation und Diskussion momentaner und anstehender Dissertationsprojekte; Datensitzung mit Beispielen aus den Promotionsprojekten"
  • Durchführung eines Vorbereitungsworkshops für die künftigen StipendiatInnen
  • Vortrag "Die kommunikative Konstruktion von Kultur: Chinesische und deutsche Anredepraktiken im Gebrauch"

Mai 2017, Gastdozentur: Heike Appel

  • Workshop "Nonverbale Kommunikation in der Interkulturellen Kommunikation"
  • Workshop "Deutsch sprechen"

September 2017 - Januar 2018, DaF-Tutoriat: Silvia Vogelsang

September 2017, Gastdozentur: Marcel Fladrich und Beate Weidner

  • Workshop "Datenerhebung, Transkription und Korpusaufbau im Bereich DaF"
  • Workshop "Empirische Analyse gesprochener Sprache im Bereich DaF"
  • Planung von Datenerhebung und Datensammlung
  • Besprechung zur GIP
  • Beratung bei Promotionsprojekten

November 2017, Gastdozentur: Xenia Multmeier

  • Kompaktseminar zur freien Überzeugungsrede
  • Workshop "DaF: Debattieren als Mittel zur Sprach- und Sprechförderung"

Februar - Juli 2018, DaF-Tutoriat: Fleur Grüninger

April 2018, Gastdozentur: Dr. Ortwin Lämke

  • Kompaktseminar "Gedichte verstehen und vortragen: Bekannte Gedichte aus der Geschichte der deutschen Lyrik vom 17. bis ins 21. Jahrhundert" für Studierende und DoktorandInnen
  • Workshop „Präsentationstechnicken im Seminarraum“ für Lehrende
  • Workshop „Vermittlung von Sprechfertigkeiten im DaF-Unterricht“ für Lehrende
  • Auswahl und Vorbereitung der StipendiatInnen auf einen Studienaufenthalt an der WWU

Juni 2018, Gastdozentur: Nathalie Bauer

  • Kompaktseminar zur "kontrastiven Untersuchung kommunikativer Praktiken in der Hochschule" für Masterstudierende
  • Ausrichtung der Forschungswerkstatt zu computervermittelten Interaktionspraktiken im Kontext der Hochschulkommunikation
  • gemeinsame Datensitzungen mit DozentInnen, DoktorandInnen uns Masterstudierenden

September 2018 - Januar 2019, DaF-Tutoriat: Matthias Fechner

September 2018, Gastdozentur: Albina Haas

  • Kompaktseminar zur kontrastive Analyse der Kommunikationsformen zwischen Dozierenden und Studierenden an deutschen und chinesischen Hochschulen am Beispiel ”Sprechstunde"
  • Workshop  "Wissenschaftliches Arbeiten in der Fremdsprache Deutsch: Referate vorbereiten, halten und diskutieren"
  • Planung und Besprechung zur GIP
  • Besuch der Xi'an Foreign Language- Mittelschule

September/ Oktober 2018, Gastdozentur: Prof. Dr. Susanne Günthner

  • Fortsetzung der Arbeit am gemeinsamen Forschungsprojekt „Hochschulkommunikation“
  • Durchführung einer Werkstatt mit Studierenden und DoktorandInnen
  • Besuch der Germanistischen Abteilung der Universität Lanzhou in Westchina
  • Leitung mehrerer Doktorandenkolloquien für Promovierende der Universitäten XISU, der technischen Universität Shanghai und der Universität Lanzhou
  • Strategische Planung der GIP-Vorhaben für die Jahre 2019 bis 2022

Oktober 2018, Gasdozentur: Dr. Jens Philipp Lanwer

  • Kompaktveranstaltung "Gesprochenes Alltagsdeutsch" für DoktorandInnen und Masterstudierende
  • Evaluation der konzeptuellen Angebote zur Optimierung der Lehrer- und Studienausbildung des Masterstudiengangs Deutsch als Fremdsprache

Dezember 2018, Gastdozentur: Juliane Schopf

  • Kompaktseminar für Masterstudierende zu den aktuellen Tendenzen in der Gesprochenen Sprache Forschung (GSF)
  • Beratung  von Masterstudierenden bezüglich der Planung eines Forschungsvorhabens im Bereich der GSF
  • Workshop für Lehrende zur zur Didaktisierung authentischer Daten im DaF-Unterricht

Februar - Juli 2019, DaF-Tutoriat: Angeliki Sepidou und Alexander Kochsiek

März 2019, Gastdozentur: Xenia Multmeier

  • Kompaktseminar zu den Grundlagen der Rhetorik
  • Workshop "DaF: Feedback geben als Mittel zur Sprach- und Sprechförderung"
  • Rhetorik-Workshop für Studierenden und Dozierenden an der Universität Lanzhou

Mai 2019, Gastdozentur: Dr. Christian Fischer

  • Kompaktseminar zur Morphologie der deutschen Gegenwartssprache am Beispiel von Werbesprache
  • Beratungsgespräche zur Planung und Erstellung einer sprachwissenschaftlichen Arbeit

September 2019 - Februar 2020,  DaF-Tutoriat: Maja Schmedding

September 2019, Gastdozentur: Philipp Pabst

  • Ausrichtung mehrerer Kompaktseminare zur deutschen Nachkriegsliteratur
  • Unterstützung der Studierenden bei der Vorbereitung auf anstehende Deutschland-Aufenthalte

Oktober 2019, Gastdozentur: Prof. Dr. Susanne Günthner

  • Ausrichtung und Leitung der internationalen Tagung „Kontrastive Analysen der Hochschulkommunikation“ in Kooperation mit Ass. Prof. Dr. ZHU Qiang
  • Vorstellung der „Plattform Gesprochenes Deutsch für die Auslandsgermanistik“ zusammen mit Marcel Fladrich

Oktober 2019, Gastdozentur: Marcel Fladrich

  • Mitwirken an der internationalen Tagung „Kontrastive Analysen der Hochschulkommunikation“
  • Vorstellung der „Plattform Gesprochenes Deutsch für die Auslandsgermanistik“ zusammen mit Prof. Dr. Susanne Günthner
  • Workshop „Empirische Erforschung von Messengerkommunikation“

November 2019, Gastdozentur: Handan Budumlu

  • Kompaktseminar „Deutsch als Fremdsprache – Methoden der Sprachvermittlung“
  • Beratung von Forschungsvorhaben von Bachelor- und Masterstudierenden

Dezember 2019, Gastdozentur: Lothar Bunn

  • Durchführung von Unterrichtseinheiten zum wissenschaftlichen Schreiben für Masterstudierende der XISU
  • Ausrichten von Sprachunterricht in Kooperation mit Prof. WU an der XISU
  • Sprachunterricht und Lehrerfortbildung an der Universität Lanzhou

September - Dezember 2020,  Prof. Dr. Susanne Günthner

  • Virtuelle Vorlesung "Musterhaftigkeit in der Sprache: Von gramatischen Konstruktionen und sequenziellen Mustern über kommunikative Praktiken und Gattungen" für die Masterstudierenden der XISU

Dezember 2020, Dr. Jens Lanwer 

  • Virtuelles Blockseminar "Verben und ihr interaktiver Gebrauch: Einblicke am Beispiel der sprachlichen Interaktion beim Friseur" für die Masterstudierenden der XISU

  • Debattieren / frei sprechen und lehren auf Deutsch – Erfahrungsbericht aus mehreren Workshops für Studierende und Lehrende im Rahmen der Germanistischen Institutspartnerschaft Münster – Xi’an und einer Einladung an die Universität Lanzhou

    von Xenia Multmeier (Centrum für Rhetorik, Kommunikation und Theaterpraxis der WWU)

    Im April 2019 habe ich eine Woche an der Universität XISU (Xi’an International Studies University) und danach eine Woche an der Universität in Lanzhou unterrichtet. In Xi’an war ich bereits das zweite Mal und habe nach den Erfahrungen aus dem ersten Besuch im November 2017 mein Programm ausgerichtet. Ein Workshop an vier Nachmittagen zu jeweils vier Stunden bot den Studierenden die Bausteine für das möglichst unbefangene Halten einer freien Rede auf Deutsch. Es waren Master-Studierende. Dass genau das ein zentrales Bedürfnis beim Studium der deutschen Sprache ist, wurde auch bei diesem Durchgang bestätigt. In spielerischen kleinen Übungen wurden Schritt für Schritt die Grundlagen gelegt: Aufbau von Reden, Überzeugungsmittel Logos, Ethos, Pathos nach Aristoteles, sprachliche Ausgestaltung von
    Argumenten, aber auch Übungen zum sicheren Auftreten vor Publikum, Einsetzen von Blickkontakt etc. sowie Techniken, mit denen die Studierenden sich selbst feedbacken konnten. Sie konnten dies alles zusammenführen, indem sie gegen Ende des Workshops sowohl debattierten, wobei jede/r eine längere Sprechgelegenheit als RednerIn oder ModeratorIn hatte, als auch Einzelreden hielten. Diese waren aus meiner Sicht sehr gelungen, sogar witzig.

    Foto beim Debattieren / frei sprechen und lehren auf Deutsch
    © XISU

    Im Feedback für mich am letzten Nachmittag äußerten die Studierenden: Sie mochten die spielerischen Methoden, fanden das ganze Seminar sehr strukturiert und ihrem Können und ihrem Lerntempo angemessen. Sie berichteten, dass sie ihre Angst verloren hätten, vor Publikum frei Deutsch zu sprechen und es wichtig fänden, nun mehr in den Kontakt gehen zu können. Sie schätzten es, dass im Unterricht sehr viel gesprochen wurde, dass jeder beachtet wurde und dass sie Feedback zu ihrer persönlichen Wirkung bekommen hatten. Sie fühlten sich insgesamt ermutigt.

    Foto des Workshops
    © XISU

    An der Universität Lanzhou habe ich je zwei Nachmittage mit Workshops für Studierende und für Lehrende angeboten. Die Studierenden in Lanzhou können Deutsch nur bis zum Bachelor studieren. Ihre Deutsch-Kenntnisse sind dementsprechend noch nicht so ausgebildet wie die der Studierenden aus Xi’an. Das Niveau des 3. Jahrgangs, der bei mir war, würde ich auf B1 bis B2 einschätzen. Dementsprechend bin ich noch kleinschrittiger vorgegangen. Die Ansprüche an die Reden, die gehalten werden sollten, waren: die Struktur einzuhalten, in kurzen, einfachen Sätzen eine Argumentation zu formulieren, dabei einige Redemittel zu benutzen, sich so weit wie möglich von den Notizen hin zum Blickkontakt zu lösen und sich in klarer, ruhiger Sprechweise an das Publikum zu adressieren. Das ist allen gut gelungen. Besonders interessant war es für mich, die Lehrenden zu unterrichten. Die Inhalte an den beiden Nachmittagen waren:

    1. Debattieren in Sprachlerngruppen: wie kann man mit Übungen und Redemitteln Studierende möglichst intensiv ins Miteinandersprechen bringen?
    2. Übungen zur freien Rede, Sprachpraxis: Texte sprechen, Sprachpraxis: Texte schreiben

    Beide Workshops waren als „Train-thetrainer“-Seminar angelegt, d.h., die Teilnehmenden haben alle Übungen selbst durchlaufen. Nach dem ersten Workshop, den die sieben Lehrenden äußerst eifrig absolvierten, waren sie angeregt, aber auch angestrengt. Für mich war die Rückmeldung interessant, dass sie das Abwägen von Pro und Contra, also das ständige Denken aus zwei Perspektiven, als ungewohnt und daher anstrengend empfanden.

    Foto des Workshops
    © XISU

    Der zweite Workshop war etwas spielerischer angelegt: Viele kleine, auch lustige Spiele machten den Teilnehmenden großen Spaß, an dem gesamten Nachmittag wurde sehr viel gelacht. Ich empfand die Lehrenden als sehr offen (sogar mutig) und kreativ. Im Abschlussfeedback für mich wurde geäußert: Die lockere, aber trotzdem infodichte Lernatmosphäre haben alle als hilfreich und bereichernd empfunden. Die Spiele wurden als interessant, lustig und sinnvoll eingeschätzt. Die Methode, Feedback zu geben, fanden sie nützlich für den Unterricht und sehen sie als ein „Muss“ in der Zukunft. Sie sahen gute Möglichkeiten, dass die Studierenden sich selbst verbessern können. Besonders gefreut hat mich die Rückmeldung, dass die Workshops sie auch (als Lehrende!) ermutigt hätten, deutsch zu sprechen. Der Hintergrund dieser Äußerung ist, dass die wenigsten nach Deutschland kommen können und so wenig Gelegenheit haben, idiomatisch Deutsch zu lernen. Insgesamt kann ich also ein sehr positives Fazit ziehen. Der Austausch von Chinesen und Deutschen ist eine sinnvolle, für beide Seiten gewinnbringende Sache.

  • Erfahrungsbericht zum Aufenthalt an der XISU (Xi’an International Studies University) im Rahmen der Germanistischen Institutspartnerschaft Münster – Xi’an (08.-16.12.2018)

    von Juliane Schopf (Germanistisches Institut der WWU Münster, Abteilung Sprachwissenschaft)

    Nachdem ich im Dezember 2017 zum ersten Mal über die Germanistische Institutspartnerschaft zwischen der WWU Münster und der XISU nach Xi’an reisen durfte und dies für mich eine unvergessliche und bereichernde Erfahrung war, freute ich mich sehr, dass ich – genau ein Jahr später – erneut meinen Koffer für einen Aufenthalt an der Deutschabteilung an der Universität Xi’an packen konnte.

    Neben einem Workshop/Kompaktseminar zum Thema „Gesprochene Deutsche Alltagssprache im DaF-Unterricht“ bot ich während meines einwöchigen Aufenthaltes auch eine Sprechstunde für Studierende und Promovierende an und besprach mich mit Lehrenden des Germanistischen Instituts, beispielsweise bezüglich des Besuchs von Prof. Chen Wu im Juni 2019 in Münster oder etwaigen gemeinsamen Publikationen.

    Nach der Ankunft in Xi’an wurde ich von der studentischen Hilfskraft Yunyuyan Cao abgeholt und zu meiner Unterkunft für die nächsten Tage, dem „Expert Building“ auf dem alten Campus, begleitet. Da ich im vergangenen Jahr in einem Hotel untergebracht war, durfte ich die Campusatmosphäre dieses Mal auch morgens und abends erleben und konnte in der Uni-Mensa zahlreiche Köstlichkeiten probieren.

    Foto des Tors zum alten Campus in Xi'an
    Tor zum alten Campus in Xi'an
    © Uni MS Juliane Schopf

    Am nächsten Morgen ging es mit dem Bus zum neuen Campus, wo ich in einem Büro der Deutschabteilung von Prof. Dr. Shisheng Zhang und Ass. Prof. Dr. Qiang Zhu mit Tee begrüßt wurde. Nachdem auch kleine Gastgeschenke ausgetauscht wurden, richtete ich im neu konzipierten GIP-Büro meinen Arbeitsplatz für die Woche ein und traf die letzten Vorbereitungen für den Workshop, welcher jeweils von 14 bis 18 Uhr stattfand und von Masterstudierenden des ersten und zweiten Jahres besucht wurde.

    Ich war überrascht, wie präsent den Studierenden die Inhalte des Seminars von Dr. Jens Lanwer, der zwei Monate zuvor im Rahmen der GIP in Xi’an war, noch sind und ich fast nahtlos auf das bereits vorhandene Wissen aufbauen konnte. Der Workshop beleuchtete praxis- und erfahrungsnah u.a. die Prosodie der gesprochenen deutschen Alltagssprache und anschließend die Möglichkeiten der Vermittlung dieser im DaF-Unterricht. Da mich einige Studierende bereits aus dem Vorjahr kannten, war die Atmosphäre schnell vertraut, was sich sehr positiv auf die Bereitschaft zur Mitarbeit auswirkte. Beispielsweise erklärten sich zahlreiche Freiwillige bereit, ein Telefongespräch auf Deutsch zu simulieren und die typische prosodische Gestaltung am Ende eines Telefonats zwischen deutschen MuttersprachlerInnen, welche vorher anhand von authentischen Audiobeispielen erarbeitet wurde, zu berücksichtigen.

    Foto vor dem Workshop mit Masterstudierenden
    Vor dem Workshop mit Masterstudierenden
    © Uni MS Juliane Schopf

    Vor oder nach den Lehrveranstaltungen fanden zudem Besprechungen bezüglich der GIP und der Planung von anstehenden Terminen statt. So tauschten DaF-Professorin Chen Wu und ich uns über mögliche Inhalte für ein geplantes Co-Teaching während ihres Besuchs in Münster im Sommer 2019 aus und legten einige Programmpunkte für ihren Aufenthalt genauer fest. Auch der Austausch über den Einsatz der „Plattform Gesprochenes Deutsch“ in China brachte beiden Seiten Gewinn, da ein technisches und inhaltliches Feedback seitens der Zielgruppe, nämlich DaF-Lehrenden und -Lernenden, weitere Anpassungen und Optimierungen der Datenbank ermöglichen. Dass die „Plattform Gesprochenes Deutsch“ gerade auch den Studierenden als Ressource zur Bearbeitung von Fragestellungen im Bereich „Gesprochenes Deutsch im DaF-Unterricht“ dient, wurde daran ersichtlich, dass mehrere Studierende in der Sprechstunde äußerten, dass sie die Gespräche auf der Plattform als Grundlage für ihre Analysen im Rahmen ihrer Abschlussarbeiten nutzen.

    Leider ist die Zeit in Xi’an viel zu schnell vergangen und ich musste meinen Koffer schon für den Rückflug packen. Ein letztes gemeinsames Abendessen mit Frau Wu, der Ortslektorin Birte Oertgen, dem Praktikanten Matthias Fechner sowie Studentin Chen Yidan gestaltete den Abschied jedoch sehr schön. Überaus dankbar für die zahlreichen Erfahrungen, Gespräche und neuen Perspektiven sowie die (erneut) erfahrene Gastfreundschaft, reiste ich am 16. Dezember 2018 über Peking und Amsterdam zurück nach Münster.

  • Gastdozentur an der XISU

    von Dr. Jens Philipp Lanwer (Germanistisches Institut der WWU Münster, Abteilung Sprachwissenschaft)

    Im Rahmen der Germanistischen Institutspartnerschaft (GIP) zwischen der WWU Münster und der XISU in Xi’an (China) durfte ich das chinesische Partnerinstitut vom 20. bis zum 25.10.2018 besuchen . Am dortigen Germanistischen Institut habe ich (1) eine viertägige Blockveranstaltung abgehalten, (2) den fachlichen Austausch mit den chinesischen KollegInnen gesucht sowie (3) Planungsgespräche bezüglich der GIP geführt. Außerdem habe ich durch das kulturelle Rahmenprogramm die Gelegenheit bekommen, Land und Leute kennenzulernen.

    (1) Blockveranstaltung
    Von Montag, den 22.10., bis Donnerstag, den 25.10., habe ich jeweils nachmittags einen vierstündigen Kurs zu dem Thema „Gesprochenes Alltagsdeutsch“ für die dortigen MasterstudentInnen angeboten. Gegenstand des Seminars waren sprachliche Strukturen des gesprochenen Alltagsdeutsch, die kaum oder gar nicht im DaF-Unterricht behandelt werden. Thematisiert wurden Strukturen in folgende vier Bereichen:

    I. Syntax (Tag 1)
    II. Gesprächspartikeln (Tag 2)
    III. Wortphonologie (Tag3)
    IV. Intonation (Tag 4)

    Für jeden Seminartag habe ich auf die Zielgruppe zugeschnittene Kursmaterialien (Hörbeispiele, Transkripte, Infotexte, Übungsaufgaben usw.) ausgearbeitet. Die Materialien habe ich jeweils im Anschluss an die Lehrveranstaltung nach einer Reflexion des Unterrichtsverlaufs korrigiert, angereichert und präzisiert. Nach einer finalen Überarbeitung werde ich diese den Lehrenden der XISU bereitstellen. An der Veranstaltung haben insgesamt gut 25 Studierende mit ganz unterschiedlichen Sprachkenntnissen und -fähigkeiten teilgenommen. Der Unterricht konnte aber stets ohne große Verständigungsschwierigkeiten abgehalten werden. Die Studierenden waren interessiert, engagiert und haben mit großem Eifer die für das Seminar entwickelten Übungsaufgaben bearbeitet. Diese haben sich durchweg als niveau-adäquat und zielführend erwiesen. Ein großer Gewinn war, dass Prof. Chen Wu aus der dortigen Sprachdidaktik an drei der insgesamt vier Seminartage an der Veranstaltung teilgenommen hat. Ich habe mich mit Frau Wu immer wieder in Bezug auf Probleme und mögliche methodische Ansätze bezüglich der Vermittlung von gesprochenem Alltagsdeutsch im Fremdsprachenunterricht ausgetauscht. Die Lehrveranstaltung hat es mir ermöglicht, einen facettenreichen Einblick in die Situation der Sprachvermittlung in der Auslandsgermanistik zu erlangen.

    Gruppenfoto mit den KursteilnehmerInnen
    Gruppenfoto mit den KursteilnehmerInnen
    © Jens Philipp Lanwer Uni MS

    (2) Wissenschaftlicher Austausch
    Außerhalb der Lehrzeiten habe ich verschiedentlich den Austausch mit den FachkollegInnen gesucht. Am Mittwoch, den 24.10., habe ich mich am Vormittag mit Herrn Ass. Prof. Dr. Qiang Zhu über seine aktuelle Forschungsarbeit zum Thema Selbstreferenz gesprochen. Wir haben vor allem über Aspekte der syntaktischen Beschreibung und theoretischen Modellierung diskutiert. Am Donnerstag, den 25.10., habe ich mit der Doktorandin Shuting Tan in einer Datensitzung Zustimmungshandlungen in Gruppen-Chats zwischen Lehrenden und Studierenden der XISU angeschaut und analysiert. Außerdem habe ich Herrn Prof. Dr. Renbai Wen getroffen, der mir von seiner Arbeit an der Übersetzung von Schriften des deutschen Sprachenwissenschaftlers und Sinologen Georg von der Gabelentz berichtet hat.

    (3) Planungsgespräche
    In diversen Planungsgesprächen habe ich mit Herrn Zhu über Möglichkeiten zur Durchführung eines Sprachtandems via Skype, über die Betreuung der chinesischen Gaststudierenden an der WWU und die anstehende Auswahl der Studierenden für das Studienjahr 2019/2020 gesprochen.

  • Besuch der Deutschen Fakultät der Lanzhou Universität in Lanzhou/China

    von Susanne Günthner (Germanistisches Institut der WWU Münster, Abteilung Sprachwissenschaft)

    Die im Jahr 1909 gegründete Lanzhou Universität 兰州大学 in der Provinz Gansu in China gehört zu den chinesischen Exzellenzuniversitäten und zählt vor allem wegen ihrer Reputation in den Naturwissenschaften (Chemie, Physik, Geographie, Ökologie) zu den Schlüsseluniversitäten Chinas. 25000 Studierende (sowohl BA- als auch Master- und Ph.D.-StudentInnen) besuchen diese im Nordwesten Chinas gelegene Universität, wobei ein nicht unerheblicher Teil der internationalen Studierenden aus den zentralasiatischen Ländern (Usbekistan, Kasachstan etc.) kommt.

    Die am Gelben Fluss auf 1550 m gelegene Stadt Lanzhou mit ihren ca. 3.600 000 EinwohnerInnen ist die Hauptstadt der Provinz Gansu, einer sehr trockenen Gegend, die an das Tibetische Hochland, das Lössplateau und die Provinzen Xianjiang, Ningxia, Shaanxi, Innere Mongolei, Qinghai und Sichuan grenzt. Sowohl die Wüste Gobi (mit der Oasenstadt Dunhuang 敦煌市) als auch wichtige buddhistische bzw. tibetische und daoistische Klöster sind in dieser trockenen und bergigen Provinz beheimatet. Als wichtiger Umschlageort der alten Seidenstraße hat Lanzhou eine lange und aufregende Geschichte.

    Foto der Deutschen Fakultät der Lanzhou Universität in Lanzhou/China
    © Uni MS Susanne Günthner

    In dieser sehr abgelegenen Gegend Chinas, die einstmals ein wichtiges Handelszentrum der Alten Seidenstraße war, befindet sich die westlichste Deutschabteilung Chinas – ein einsamer Posten der Germanistik am Rande des Tibetischen Hochlands, der Wüste und des Zentralasiatischen Lössplateau. Doch das Engagement und Interesse der dortigen Deutsch-DozentInnen und -Studierenden ist beeindruckend.

    Foto vom Gelben Fluss und der Stadt Lanzhou
    ein Blick auf den Gelben Fluss und die Stadt Lanzhou
    © Uni MS Susanne Günthner

    2007 wurde die Deutschabteilung der Lanzhou Universität gegründet, die zusammen mit den Abteilungen für Englisch, Russisch, Japanisch und Französisch die Fakultät für Fremdsprachen („School of Foreign Languages and Literature“) bildet. Aktuell sind 80 Studierende in der Deutschabteilung mit dem Hauptfach Deutsch eingeschrieben. Sie kommen aus unterschiedlichen chinesischen Provinzen: Gansu, Sichuan, Shaanxi, Innere Mongolei, aber auch aus den entfernten Provinzen im Osten Chinas wie Shandong, Jiangsu und Beijing. Bislang gibt es nur einen BA-Studiengang Deutsch, doch hofft man sehr, in den nächsten Jahren einen Masterstudiengang anbieten zu können.

    Foto von Deutschstudierenden der Universität Lanzhou
    Deutschstudierende der Universität Lanzhou
    © Uni MS Susanne Günthner

    Das Studium im BA-Studiengang Deutsch setzt sich zusammen aus der Grundstufe, in der primär die deutsche Sprache vermittelt wird und dem Hauptstudium, in dem neben Deutschkenntnissen (mündlich wie schriftlich) auch sprach- und literaturwissenschaftliche Grundlagen, Deutschlandkunde sowie Dolmetschen und Übersetzen (Deutsch-Chinesisch) vermittelt werden. So werden im Hauptstudium u.a. Kurse zu ausgewählten Texten der deutschen Literatur, zur Lexikologie des Deutschen, zu Deutsch für den Tourismus, zur deutschen Mediensprache (u.a. Pressetexte), Einführung in die Sprachwissenschaft des Deutschen sowie Semi-nare zu deutschen Filmen angeboten. Großer Bedarf besteht im Bereich Fachsprache (Wirtschaftsdeutsch).

    Foto des gelben Flusses
    © Uni MS Susanne Günthner

    Obgleich in Lanzhou ein starkes Interesse am Aufbau eines Masterstudiengangs in der Germanistik besteht, kann die Deutschabteilung diesem Bedarf nicht nachkommen, da ihr promovierte GermanistInnen fehlen. Die dort lehrenden jungen DozentInnen suchen folglich nach Möglichkeiten der Promotion, denn nur mit der Promotion (und entsprechenden Publikationen) können sie zu ProfessorInnen befördert werden, was wiederum die Voraussetzung für die Einrichtung von Masterstudiengängen ist. In China haben nur wenige (meist im Osten Chinas gelegene) Universitäten das Promotionsrecht im Bereich Germanistik, was die Anzahl der Promotionsplätze sehr einschränkt. Folglich besteht großes Interesse junger GermanistikdozentInnen an einer Promotion an deutschen Universitäten. Hinzu kommt, dass es gerade für die im Westen bzw. in Zentralchina gelegenen Universitäten schwierig ist, promovierte GermanistInnen anderer chinesische Universitäten abzuwerben. Letztere wollen oftmals nicht in die entlegenen Provinzen überwechseln, zumal sie an den Universitäten in Shanghai, Beijing, Nanjing, Guangzhou gute Arbeitsmöglichkeiten haben.

    Während meines dreitägigen Aufenthalts im September 2018 wurde ich u.a. gebeten, das Germanistische Institut der WWU mit seinen Studiengängen, seinen Forschungsschwerpunkten und seinen Promotionskollegs vorzustellen.

    Foto des Workshops
    © Uni MS Susanne Günthner

    Die Studierenden waren sehr an den Münsteraner Masterstudiengängen im Bereich Germanistik aber auch in der Betriebs- und Volkswirtschaft interessiert und fragten immer wieder nach den Möglichkeiten, ihr Studium an der WWU Münster fortzusetzen. Darüber hinaus stellte ich unsere vom DAAD finanzierte Germanistische Institutspartnerschaft (GIP) zwischen der WWU und der Xian International Studies University (XISU) vor, zumal die Universität in Lanzhou eine Provinznachbar-Universität unserer Partneruni in Xi‘an ist und die Lanzhouer GermanistInnen zukünftig an den von Münsteraner GastdozentInnen angebotenen Kompaktseminaren und Fortbildungen teilnehmen können. Ferner bot der Dekan der Fakultät für Fremdsprachen den KollegInnen des Germanistischen Instituts der WWU an, einen Gastaufenthalt der Lanzhou Universität zu absolvieren.

    Neben meinen Vorträgen äußerte ich den Wunsch, die Deutschstudierende der Lanzhou Universität zum Gespräch zu treffen. Dies erwies sich als sehr erfreulich und anregend, da die StudentInnen (ca. 85% Prozent sind Frauen) teilweise sehr gut Deutsch sprechen, dezidierte Fragen zum Studium und zur Lebenssituation in Deutschland stellten und sich auch als sehr aktiv in Bezug auf ihre Interessen eines Deutschlandaufenthalts zeigten. Lustig waren die unterschiedlichen Arten, mich anzusprechen, die von „Frau Lehrerin Susanne“, über „Frau Professorin Dr. Susanne“ bis zu „Günthner…Du“ reichten.

    Auf meine Fragen hin, weshalb die Studierenden gerade Deutsch bzw. Germanistik studierten, erhielt ich die unterschiedlichsten Antworten. Ein Student führte aus, dass er Musiker ist und seine „große Liebe ist Bach und die klassische Musik in Deutschland“. Er wünscht sich „von Herzen, in Deutschland zu studieren und dort mit anderen StudentInnen, die sich ebenso für Bach interessieren, in Kontakt zu kommen“. Eine Studentin teilte mit, dass sie vor allem „viel Geld verdienen möchte und deshalb in Deutschland Betriebswirtschaft studieren“ möchte, aber sie befürchtet, dass ihre Deutschkenntnisse – selbst nach vier Jahren intensivem Deutschstudium – noch immer nicht ausreichen. Eine andere Studentin antwortete, dass sie primär am Kulturaustausch interessiert sei und deshalb intensiv das Gebiet der Interkulturellen Kommunikation zwischen China und Deutschland studieren möchte. Wieder eine andere Studentin ist begeistert von der deutschen Literatur – vor allem der Romantik – und wünscht sich in Deutschland im Masterstudium mehr über die deutsche Romantik und insbesondere über „die deutschen Märchen“ zu lernen. Einige Studierende wollen Dolmetscherinnen oder Übersetzerinnen werden, andere wiederum fragten, ob die WWU auch einen Studiengang „Tourismus und Interkulturalität“ anbiete, da sie im Bereich des praktischen Kulturaustausches und des Tourismus arbeiten wollen. Mehrere betonten, dass sie sich bewusst für Deutsch (und nicht etwa Englisch) entschieden haben, da Englisch extrem beliebt und folglich die Konkurrenz um einen guten Arbeitsplatz groß sei. Deutsch dagegen gelte als „sehr schwierige Sprache“; folglich erhoffen sie sich bessere Arbeitsmöglichkeiten mit einem Abschluss im Fach Deutsch, da nur wenige ChinesInnen gut Deutsch sprechen.

    Gruppenfoto
    © Uni MS Susanne Günthner

    Während viele der Deutschstudierenden ein Masterstudium im Bereich deutsche Kultur, deutsche Sprachwissenschaft sowie Übersetzen und Dolmetschen anvisieren, möchten andere ihren BA in Deutsch dazu einsetzen, ein Studium der BWL oder VWL an einer deutschsprachigen Universität zu absolvieren, bzw. in den Bereich Tourismusmanagement zu wechseln.

    Sehr interessiert zeigten sich die StudentInnen am Studentenleben in Münster, und ich wurde mehrfach gefragt, was es bedeute, dass Münster keine Campusuniversität sei, sondern die WWU quasi über die ganze Stadt verteilt sei. Auch Themen wie „die angespannte Wohnungssituation“ in Deutschland, die Angst der „Deutschen vor Ausländern“ und die Schwierigkeit, mit „deutschen Studenten in Kontakt zu kommen“ wurden aufgebracht. Dass jede/r deutsche Student/in ein eigenes Zimmer hat (statt sich zu sechst oder viert ein Wohnheimzimmer zu teilen) stieß sowohl auf Begeisterung als auch auf Skepsis, zumal man dann ja „gerade im ersten Studienjahr vielleicht sehr einsam“ sei.

    Dass unsere WWU-Germanistikstudierende eigene studentische Tagungen organisieren, dass es eine Fachschaft gibt, die in universitären Gremien beteiligt ist, dass die Münsteraner Studierende teilweise bereits kleine Forschungsprojekte durchführen (u.a. mit authentischen Gesprächs- und Mediendaten), eigene Aufsätze in studentischen Sammelbänden veröffentlichen – all dies traf auf großes Interesse sowohl von Seiten der Studierenden als auch der DozentInnen.
    Allein wegen dieser engagierten und wissbegierigen Studierenden lohnt sich m.E. ein Aufenthalt in dieser abgelegenen aber extrem spannenden Gegend, in der unterschiedlichste ethnische Gruppen im Alltagsleben aufeinander treffen (von Han-ChinesInnen und moslemischen Hui über TibeterInnen und MongolInnen bis zu UigurInnen) mit unterschiedlichsten Religionen, Lebens- und Essenstraditionen sowie einer Vielzahl an Sprachen.

  • Bericht von dem Lehr- und Koordinationsaufenthalt an der Fakultät für Deutsch der Xi’an International Studies University (XISU) im Rahmen der GIP Münster-Xi’an

    von Albina Haas

    In der Zeit vom 14. September bis zum 20. September 2018 war ich als Gastdozentin und GIP-Koordinatorin an der Fakultät für Deutsch der XISU tätig. Neben meiner Unterrichtstätigkeit mit zwei Lehrveranstaltungen für die chinesischen Masterstudierenden im Bereich „Interkulturelle Hochschulkommunikation“ sowie „Wissenschaftliches Arbeiten in der Fremdsprache Deutsch“, gehörte auch die Planung und Umsetzung unterschiedlicher GIP-Koordinations- und Netzwerkaufgaben zum Ziel meines Aufenthalts in Xi’an. Vor Ort in Xi’an wurde ich insbesondere von den KollegInnen der Fakultät für Deutsch Prof. Dr. Shisheng Zhang, Prof. Chen Wu und Ass. Prof. Dr. Qiang Zhu sowie dem Vize-Rektor für Internationales der XISU Yaowu Wu unterstützt.


    Gruppenfoto
    © XISU

    Erteilte Lehrveranstaltungen:

    1. Kompaktseminar: „Hochschulkommunikation interkulturell: Kontrastive Analyse der Kommunikationsformen zwischen Dozierenden und Studierenden an den deutschen und chinesischen Schulen“

    In diesem Seminar bekamen die Teilnehmerinnen am Beispiel ”Sprechstunde" einen Einblick in die Funktionen, Rollen, Erwartungen und Umgangsweisen dieser an den deutschen Hochschulen verbreiteten Kommunikationsform. Durch Abspielen von authentischen Sprechstunden-Gesprächen aus der Datenbank “Gesprochenes Deutsch für die Auslandsgermanistik” konnten die chinesischen Studierenden die kommunikativen Spezifika dieser Gattung erarbeiten und analysieren. Im nächsten Schritt wurden die Analyseergebnisse kontrastiv mit den an einer chinesischen Hochschule typischen Kommunikationsformen verglichen; die kulturell bedingten Gemeinsamkeiten und Unterschiede wurden in Gruppenarbeiten erarbeitet und abschließend im Seminarplenum vorgestellt. Im Unterschied zur organisierten, strukturierten, individualisierten und auf den gegenseitig kooperativen Erwartungen basierenden Sprechstunde verläuft die Kommunikation zwischen chinesischen Studierenden und Dozierenden unvermittelt und wenig strukturiert.

    Die Besprechung der für das Studium relevanten Inhalte kann unterminiert z.B. im Lehrerzimmer, auf dem Flur, beim gemeinsamen Mittagessen oder nach den Seminaren erfolgen. Chinesische Dozierenden werden mit ‘Laoschi‘ (lăoshī) angesprochen, das sich mit „LehrerIn“ oder „MeisterIn“ übersetzten lässt und den Status eines Lehrenden respektvoll zum Ausdruck bringt. Zudem suchen die Studierenden das Gespräch hauptsächlich in kleinen Gruppen auf, denn die Kommilitoninnen haben die gleichen Fragen oder Probleme und können somit gemeinsam vom Gespräch profitieren. Untypisch in diesem Zusammenhang erscheint die Vorbereitung auf das Gespräch (z.B. Themenerarbeitung für eine Prüfung, Vorrecherche der Fachliteratur o.ä.). Neben den fachlichen Aspekten berät der/die chinesische Dozierende bei Fragen der Berufsplanung und -Entwicklung. Ähnlich wie in einer Sprechstunde werden auch in China die Rollen zwischen Studierenden und Dozierenden durch bestimmte Anredeformen und -Pronomen sowie Distanz kommunikativ markiert.

    Im Kompaktseminar wurden die Rollen von Gastdozentin und Studierenden bewusst getauscht. Chinesische TeilnehmerInnen übernahmen die aktive Experten-Rolle bei der Analyse der chinesischen Hochschulkommunikationskultur; die Gastdozentin aus Deutschland versetzte sich in die passive Rolle der ‘Kulturversteherin‘. Dadurch wurde die Moderations- und kulturkontrastive Analysekompetenz bei den chinesischen Studierenden gefördert und sie konnten selbstsicher die kulturell vertrauten Prozesse beschreiben. Das linguistische Interesse verstärkte bei den TeilnehmerInnen noch mehr das Gefühl der Wertschätzung der chinesischen Hochschulkultur.

    Foto vom Workshop
    © XISU

    2. Workshop: "Wissenschaftliches Arbeiten in der Fremdsprache Deutsch: Referate vorbereiten, halten und diskutieren“

    In diesem Workshop wurde grundlegend der Frage nachgegangen, was es bedeutet, wissenschaftlich zu arbeiten. Die TeilnehmerInnen haben Einblick in den Prozess des wissenschaftlichen Arbeitens und den damit verbundenen Prinzipien und Merkmalen bekommen. Am Beispiel der Wissensvermittlungsform "Referat" wurden die Prozessschritte - von der Erstellung (Referatsstruktur) über die Präsentation (Vortragen und Referieren) bis zum Feedback (Reflexion) - näher erläutert und skizziert. Als Praxisbeispiel haben die ehemaligen GIP-Stipendiatinnen Mingyue Shi und Sijia Liu ein Referat über das Studium in Münster gehalten. In diesem Zusammenhang übten die chinesischen Masterstudierenden als weiteren wichtigen Lernschritt, ihren vortragenden Kommilitoninnen ein sachliches und konstruktives Feedback zu geben. Für manche war dies eine Herausforderung.

  • Kommunikative Praktiken im Rahmen der Hochschule: Ein Erfahrungsbericht zu einem Workshop im Rahmen der GIP Münster-Xi'an

    von Nathalie Bauer (Germanistisches Institut der WWU Münster, Abteilung Sprachwissenschaft)

    Im Rahmen der Germanistischen Institutspartnerschaft der Xi’an International Studies University und der WWU Münster hatte ich im Juni 2018 die Möglichkeit, nach China zu reisen und dort ein Kompaktseminar zum Rahmenthema der GIP – der kontrastiven Untersuchung kommunikativer Praktiken in der Hochschule – anzubieten. Mit den Masterstudierenden der germanistischen Fakultät der XISU, die an dem insgesamt 20-stündigen Kompaktseminar teilgenommen haben, konnten dabei nicht nur verschiedene Untersuchungen zu kommunikativen Praktiken an der Hochschule diskutiert, sondern auch authentische Interaktionen gemeinsam gesprächsanalytisch untersucht werden.


    Fruppenfoto
    © Nathalie Bauer Uni MS

    Nach einführenden Sitzungen zu Grundlagen der Gesprächsanalyse, den Merkmalen institutioneller Kommunikation sowie zur Datenerhebung und Transkription wurden in dem Kompaktseminar sowohl Face-to-face-Interaktionen in der Hochschule wie Sprechstunden- und Prüfungsgespräche als auch computervermittelte Interaktionen wie E-Mail- und WeChat-Interaktionen genauer unter die Lupe genommen.

    Schon nach den ersten Stunden des Workshops fiel mir das große Engagement, mit dem die Studierenden mitarbeiteten, auf: Zahlreiche Rückfragen, Diskussionsanregungen und auch offenes Feedback zu nicht direkt verstandenen Aspekten bestätigten mich in meinem Vorhaben, den Workshop so interaktiv wie möglich zu gestalten. So haben wir auch direkt schon am zweiten Workshoptag eine kleine Datensitzung durchführen können, in der wir uns unterschiedliche Frageformate in authentischen Aufnahmen deutschsprachiger Sprechstundengespräche unter sequenziellen, syntaktischen und epistemischen Gesichtspunkten genauer angesehen haben.

    Foto einer chinesischen Straße
    © Nathalie Bauer Uni MS


    Am dritten und vierten Tag des Workshops wurde schließlich in sogenannten „Forschungswerkstätten“ noch intensiver mit authentischem Audiomaterial gearbeitet. In den Sitzungen zu Prüfungsgesprächen lag der Fokus dabei besonders auf onymischen Anredeformen, deren Funktionen wir auf Basis von Analysen zu solchen Vokativen in informellen Alltagsinteraktionen in den vorliegenden institutionellen Gesprächen untersucht haben. Es wurden nicht nur interessante Beobachtungen gemacht, sondern darüber hinaus auch spannende weiterführende Fragestellungen zur Bearbeitung in eigenen Studien- und Forschungsarbeiten entwickelt. Besonders interessant für mich als Lehrende an einer deutschen Hochschule war auch die zweite, kontrastiv ausgelegte Forschungswerkstatt zu computervermittelten Interaktionspraktiken im Kontext der Hochschulkommunikation. Schon zu Beginn der Woche hatten die Studierenden begonnen, Daten für ein kleines Workshopkorpus zu Terminabsprachen und -verschiebungen zwischen Lehrenden und Studierenden über den dort in erster Linie verwendeten Messenger WeChat zu erheben, zu übersetzen und entsprechend aufzubereiten, sodass wir zu diesem Thema nicht nur mit deutschen E-Mail-Interaktionen sondern auch mit authentischen chinesischen Daten arbeiten konnten. Eine solche Datenerhebung, wie wir sie im Kleinen durchgeführt haben, soll in den kommenden Jahren in systematischer Form über eine speziell darauf zugeschnittene Datenbank, die im Rahmen der Kooperation beider Universitäten entwickelt wird, erfolgen und als eine Grundlage für die kontrastive Forschung in diesem Bereich der Hochschulkommunikation dienen. Nach der Präsentation der jeweils erhobenen und übersetzten chinesischen Daten wurden schließlich einzelne sprachliche Praktiken im Rahmen der Terminverabredungen im Vergleich zu den deutschen E-Mail-Verläufen analysiert.

    Foto einer Lehrveranstaltung
    © Nathalie Bauer Uni MS


    In der abschließenden Reflexionssitzung, in der unter Rückgriff auf die Workshopinhalte mögliche Anschlussfragestellungen zur Bearbeitung im Rahmen der GIP abgeleitet und diskutiert werden sollten, wurde deutlich, dass die Studierenden gerade aus diesen beiden Forschungswerkstätten viele Anregungen und auch Hinweise für eigene empirische Arbeiten mitnehmen konnten.

    Foto aus Xi'an
    © Nathalie Bauer Uni MS

    Auch ich komme nach diesem bereichernden Aufenthalt in Xi‘an mit zahlreichen neuen Ideen und Eindrücken zurück nach Deutschland – jedoch nicht nur in Bezug auf das im Zentrum der GIP stehende Rahmenthema der kontrastiven Untersuchung von Interaktionen in der Hochschule: Durch den so herzlichen Empfang in Xi‘an hatte ich auch jenseits des universitären Umfeldes eine tolle Chance, während meines Aufenthaltes China kennenzulernen und einen Einblick in das Leben in Xi‘an zu bekommen.

  • "Von der Interpretation zur Rezitation: Goethe, Heine, Jandl, Gerhardt"  – 
Erfahrungsberichte zu einem Seminar im Rahmen der Germanistischen Institutspartnerschaft Münster-Xi'an

    von Dr. Ortwin Lämke (Germanistisches Institut, Abteilung Neuere deutsche Literatur) 

    Dass einer meiner Kurse auf einem extra dafür gedruckten Plakat bekannt gemacht und an der ganzen Universität ausgehängt wird, hatte ich noch nicht erlebt. Da fühlt sich der Lehrende aus Deutschland natürlich geehrt.

    seminarankündendes Plakat an der XISU
    seminarankündendes Plakat an der XISU
    © Ortwin Lämke

    In Absprache mit den chinesischen Kollegen war mein Masterkurs für interessierte chinesische Lehrende geöffnet. Tatsächlich kamen insgesamt sechs Dozentinnen und Dozenten, drei Kolleginnen waren von Anfang bis Ende dabei und entsprachen vollkommen meiner Bitte, sich im Unterrichtsgespräch wie in Gruppenarbeitsphasen wie die studentischen Teilnehmer zu verhalten (16 Masterstudentinnen der XISU sowie ein Masterstudent von einer anderen Universität). Alle drei unterstützen die Studierenden in den Gruppenarbeitsphasen sehr gut bei allen Verständnisfragen und der Entwicklung eigener Deutungen. Der Dekan, Prof. Dr. Zhang, Prof. Nie sowie ein weiterer Kollege, Prof. Dr. Wen nahmen ebenfalls wiederholt teil, sofern es ihre Zeit zuließ. Je höher der Rang eines der anwesenden Herren war, desto schwieriger wurde es allerdings für die Studierenden, weiterhin so offen und spontan zu bleiben, wie sie sich mir gegenüber zu meiner Freude erwiesen. Zum Glück gibt es didaktische Möglichkeiten, dem ggf. entgegenzuwirken, so dass die Studentinnen sich im Rahmen bestimmter Übungen (gerade aus der Sprecherziehung) auch in diesen Situationen nicht entziehen konnten.

    Kollegen und Kolleginnen im Unterricht
    Kollegen und Kolleginnen im Unterricht
    © Ortwin Lämke

    Ich hatte sämtliche Unterlagen zwei Wochen vorab als PDF an Ass. Prof. Dr. Zhu geschickt, der sie weiterverteilte. Die Studierenden hatten sich wunschgemäß alles ausgedruckt, so dass ich flexibel mit dem vorbereiteten Material arbeiten konnte. Gerade die Verbindung literaturwissenschaftlicher Fragen (Was ist ein Gedicht laut Lyriktheorie? Wer spricht im Gedicht, welche Stimmen lassen sich identifizieren? Wie werden diese von der Lyriktheorie beschrieben? Wie definiert man eine Metapher? Was ist ein impliziter Autor? Was zeichnet die Lyrik des Vormärz aus, was die Konkrete Poesie? Etc.) mit einer sprecherzieherischen Herangehensweise gefiel den Studierenden offensichtlich sehr gut (Sprechspiele als Warming-Up, das Ausprobieren unterschiedlicher Sprechfassungen als Interpretationsangebot, das Sprechen einzelner Verse eines Gedichts im großen Kreis mit phonetischer Korrektur zur Verbesserung der Aussprache, das Veranschaulichen der Semantik lyrischer Texte durch ein auch körperliches Ausagieren in Kleingruppen, was insbesondere bei Ernst Jandl viel Applaus von der Gruppe einbrachte usw.). So ging es tatsächlich von der Interpretation zur Rezitation. Selbst so dichte Text wie „wien: heldenplatz“ von Ernst Jandl oder „zur Jagd“ von Sabine Scho konnte ich mit gutem Erfolg im Kurs durcharbeiten und dabei historisches und kulturelles Wissen vermitteln. Abgesehen von der natürlich größeren kulturellen und historischen Distanz, die sich auf Kontextualisierung und assoziative Prozesse auswirkt, aber im Gespräch aufklären lässt, und abgesehen von Übungen zur Aussprache arbeiteten die chinesischen Studierenden mit demselben Engagement mit wie die deutschen im gleichen Kurs. Das war eine sehr positive Erfahrung für mich. Die Studierenden meldeten im Abschlussgespräch zurück, dass sie das beständige Aufbrechen des Frontalunterrichts als sehr wohltuend empfunden hatten und froh waren, so häufig zu Wort zu kommen. Schließlich gefiel ihnen, dass mit Freude und Humor gearbeitet wurde. Umgekehrt hat mich überrascht, wie offen die Studierenden waren, wie frei sie mit allen Anregungen umgingen und wie interessiert sie an allem waren, was deutsche Geschichte, Kultur sowie den deutschen Alltag betrifft.

    Dr. Lämke mit den zukünftigen Austauschstudentinnen Frau Zhao, Frau Li und Frau Chang
    Dr. Lämke mit den zukünftigen Austauschstudentinnen Frau Zhao, Frau Li und Frau Chang
    © Ortwin Lämke

    Insgesamt betrachtet, erging es mir wie allen Kolleg*innen aus Münster, die bisher an der XISU unterrichtet haben: Die gute Organisation vor Ort, der herzliche Empfang durch die Kollegen und Kolleginnen von der XISU, die Offenheit und das Interesse der Studierenden in den Kursen stellen eine ausgesprochen positive Erfahrung dar.