50 Jahre Internationales Zentrum der WWU – »Die Brücke«
„Ausländische Studierende sollen nach ihrer Rückkehr unsere Botschafter in ihren Heimatländern werden. Für die internationalen Absolventen und Absolventinnen der Universität Münster ist das Angebot der Brücke dafür zugleich Begründung und Verpflichtung.“
Dr. Frank Niethammer (Vizepräsident des DIHT 1998-2001, Präsident der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main 1991-2000, Mitglied der Zuwanderungskommission 2000-2001, †2005) am 30. 11. 2001 anlässlich eines Treffens internationaler Alumni der WWU in der Brücke
Heute ist es für Hochschulen selbstverständlich, ihren ausländischen Studierenden eine qualifizierte und umfassende Betreuung zu bieten. Hochschulen, Studentenwerke, Studierendengemeinden und DAAD haben ein breites soziales und fachliches Betreuungsnetz geknüpft, das optimale Rahmenbedingungen für ein erfolgreiches Studium bietet.
Vor fünfzig Jahren gab es ein derartiges Angebot nicht, oder nur in unscheinbaren Ansätzen. Elf Jahre nach der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus stand die Internationalisierung der Hochschulen noch nicht an bevorzugter Stelle der Agenda.
Münsters Hochschulleitung mit dem damaligen Rektor Prof. Dr. Rengsdorf fiel diesbezüglich etwas aus dem Rahmen. Sie nutzte 1956 die Chance, die 1947 von den Briten als notwendiges Reeducationcentre gegründete und bei den Münsteranern mit ihren Musik-, Zeitungs- und Literaturangeboten sehr beliebte und geschätzte „Brücke“ als „Internationales Zentrum für ausländische Studierende“ zu übernehmen. Damit war der Grundstein für eine nachhaltige Kariere gelegt.
Anfangs war der Übergang von britischer „Brücke“ hin zu universitärem „Internationalem Zentrum – Die Brücke“ fließend. Teatime, Heimatabende, English Discussion Group, Filmabende und eine umfassende Sozialberatung machten den Ort schnell zur zweiten Heimat der ausländischen Studierenden und brachten den Münsteranern die weite Welt in die Nissenhütten auf dem Hindenburgplatz.
Die „Studentenrevolte“ machte Ende der sechziger Jahre auch vor den Türen der Brücke nicht Halt. Analog zur Studentenbewegung insgesamt änderten sich auch die Aktivitäten in der Brücke. Die ausländischen StudentInnenvereine nutzten nun ihre Möglichkeiten zur Verbreitung von Informationen über politische Missstände und Unterdrückung in ihren Heimatländern gemeinsam mit ihren deutschen KommilitonInnen, die ihrerseits die wirtschaftliche Ausbeutung der Entwicklungsländer und die Unterstützung deren korrupten Eliten durch den Westen anprangerten. Bestimmende Erfahrungen waren sicherlich die Ereignisse um den Schahbesuch in Westberlin und der sich immer stärker formierende Widerstand gegen das amerikanische Engagement in Vietnam. Auch später war es selbstverständlich, dass die Studierenden die Möglichkeit nutzten, um auf die soziale und politische Situation in ihren Heimatländern hinzuweisen.
Ohne diese Tradition in ihrem Angebot zu verleugnen, ist die Brücke heute ein modernes und effizientes Serviceangebot der Universität für ihre ausländischen Studierenden. Sozialberatung, Einführungsangebote „First Contact“, Hilfe bei der Wohnungssuche und der Finanzierung, Vermittlung von Schlüsselqualifikationen, länder- und deutschlandkundliche Veranstaltungen und ein breites Freizeitangebot machen die Brücke zu einer, auf neudeutsch, „One-Stop-Agency“ für ausländische Studierende.
Die Brücke ist mit ihrem multinationalem Team sehr gut aufgestellt, um sich den neuen Anforderungen für Betreuung und Beratung vor dem Hintergrund sich verändernder Studien- bedingungen (Bachelor/Master), der Schließung der Studienkollegs und der Herausforderung, den Studienstandort Münster für ausländische Studierende lebenswert zu gestalten, zu stellen.
Sie ist ein wichtiger Baustein der Internationalität von Hochschule und Stadt.

