Himmlische Mode im Jugendstil
Auf Tuchfühlung mit dem Atelier für Kunststickerei Leo Peters – Kevelaer
Dennis Hartjes, M.A. M.Ed.
"Der Karneval ist vorbei!" – so soll sich Papst Franziskus unmittelbar nach seiner Wahl zum Oberhaupt der katholischen Kirche und noch vor seinem ersten öffentlichen Auftritt auf der Loggia des Petersdomes über den Kleidungsstil seiner Vorgänger geäußert haben. Als er dann noch am dritten Tag seiner Amtszeit die unmissverständliche Erklärung abgab, dass er sich eine arme Kirche für die Armen wünsche, ließ dies die zahlreichen Paramentenschneider, die stets von der klerikalen Vorliebe für wertig hergestellte Gewänder profitiert hatten, endgültig aufschrecken. Denn mit dem neuen Papst setzte eine Trendwende im klerikalen Kleidungsstil ein. Teure und aufwendig hergestellte liturgische Gewänder waren plötzlich nicht mehr gefragt, der Kleidungsstil sollte fortan ärmer und essenzieller werden. Wie die weltliche Mode ist auch die kirchliche Mode dem Zeitgeschmack unterworfen. Wurden beispielsweise im Barock noch überwiegend prunkvolle, mit Gold und Edelsteinen besetzte Gewänder aus schweren Brokatstoffen bevorzugt, so zeichnete sich bereits im Biedermeier eine gewisse Leichtigkeit nicht nur in der Art der verwendeten Stoffe, sondern auch in der Gestaltung der Paramente ab. Heute sind es in der Regel schlichte und einfache Stoffe, die seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Eingang in die Paramentenwerkstätten gefunden haben und dort zu Messgewändern verarbeitet werden. Eine bedeutende Paramentenwerkstatt war das 1903 von dem Niederländer Leo Peters sr. im niederrheinischen Wallfahrtsort Kevelaer gegründete "Atelier für Kunststickerei Leo Peters". In der Werkstatt an der Venloer Straße entstanden detailliert bestickte Paramente und Vereinsfahnen im neogotischen Kunststil, aber auch solche in einer Eigeninterpretation des gerade neu aufgekommenen Jugendstils (Art nouveau). Seine Werkstücke zeichnen sich vor allem durch aufwendige Bildstickereien in Kombination mit Schnörkeln und Spiralornamenten aus. Ein unverkennbarer und einzigartiger Stil in der Paramentenlandschaft des beginnenden 20. Jahrhunderts. Im Rahmen eines Vortrags mit anschließender Möglichkeit zum Austausch wird die Geschichte des Ateliers nach derzeitigem Forschungsstand nachgezeichnet. Bei dieser Gelegenheit werden auch einige Objekte aus dem Kevelaerer Atelier im Original gezeigt.
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48143 Münster
