Weiterbildungswahlkompetenz – ein Konstrukt zur Erklärung und Förderung individueller Weiterbildungsbeteiligung

Vortragssession: Lebenslanges Lernen im Rahmen der LERN-Jahrestagung 2026

Prof. Dr. Tim Stanik, Joshua Wilhelm (Institut für Erziehungswissenschaft)

Abstract:

Mit einer nach wie vor hohen Teilnahmeselektivität an (non-)formaler Weiterbildung sind grundlegende Fragen der Bildungsgerechtigkeit und sozialen Teilhabe verknüpft. So ist die Weiterbildungsbeteiligung auch seit Dekaden ein zentraler Gegenstand der Weiterbildungsforschung (Schulenberg, 1978). Während ein großer Teil der Weiterbildungsbeteiligung auf die betriebliche Weiterbildung entfällt und hierbei die Weiterbildungsaktivität der Betriebe der zentrale Prädiktor darstellt, finden sich heterogene Zugänge zur Analyse und Erklärung für die (Nicht-)Teilnahme an beruflicher und/oder allgemeiner Weiterbildung/Erwachsenenbildung (Wittpoth, 2018). Zu nennen sind strukturalistische Zugänge, die Effekte der Soziodemografie (BMBF, 2024) des Sozialraums (Mania, 2018) der der Milieuzugehörigkeit (Barz & Tippelt, 2007) untersuchen, sowie subjekttheoretische Zugänge, bei denen z.B. rationale Entscheidungen (Behringer, 2003), Interessen (Grotlüschen, 2010), lernbiografische Motivationen (Gorges, 2015) oder Emotionen (Gieseke, 2007) untersucht werden. Weitere Zugänge vor dem Hintergrund der Kritischen Theorie oder postmoderner Diskurse bieten wiederum Erklärungen für Widerstände, zum Teil explizit (Holzer, 2017) oder implizit, wenn z.B. die empfundene Nicht-Zugehörigkeit zu einer (lernenden) Gesellschaft erörtert wird (hooks, 2020). Der eingereichte Beitrag exploriert hingegen mit Hilfe eines kompetenztheoretischen Zugangs die Frage, welche Kompetenzfacetten Weiterbildungsinteressierte für ihre Entscheidungen für eine begründete (Nicht-)Teilnahme an (non-)formaler Weiterbildung benötigen. Neben eines narrativen Literaturreviews werden Ergebnisse einer qualitativen Expert*innenbefragung von Weiterbildungsberatenden (n=20) im Hinblick auf das Konstrukt der „Weiterbildungswahlkompetenz“ dargelegt. Es zeigt sich, dass sich Weiterbildungswahlkompetenz als ein mehrdimensionales Konstrukt (Weinert, 2001) modellieren lässt, das sich aus deklarativen und reflexiven Weiterbildungswissen, weiterbildungsbezogenen Selbstwirksamkeitserwartungen, Motivationen und einem weiterbildungsbezogenen Selbstkonzept zusammensetzt. Ausgehend von diesen Befunden lassen sich weitere Fragen der Messung und Förderungen von Weiterbildungswahlkompetenz adressieren (Stanik & Wilhelm 2025).