2013 Oberkoetter 2 1
Foto: ZIT

Rede des Ministerialrats Michael Oberkötter
vom Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen

Die folgende Rede wurde anlässlich der Jahrestagung des ZIT am 6.12.2013 von Ministerialrat Michael Oberkötter gehalten.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich freue mich, heute als Vertreter der Landesregierung Ihnen allen für die heute und morgen stattfindende Veranstaltung viel Erfolg zu wünschen. 

Das Land Nordrhein-Westfalen ist mit geschätzt mehr als einer Million muslimischer Mitbürger das Bundesland, in dem Integration und Diversity ganz oben auf der landespolitischen Agenda stehen. Nordrhein-Westfalen setzt damit Zeichen: wir leben Miteinander und Füreinander, wir schätzen Akzeptanz und Respekt, bloße Toleranz reicht uns bei weitem nicht.

Dies ist für uns alle Aufgabe und Verpflichtung zugleich, - nicht immer einfach -, aber doch gewinnbringend für die Zukunft aller hier lebenden Menschen. Daran müssen wir zusammen arbeiten; wir tun dies mit der Gewissheit, dass Vielfalt schon an sich eine ungeheure Wertschöpfung und damit Wertschätzung enthält. Dies muss sichtbar gemacht werden. Nur dann wird aus Vielfalt wieder ein Ganzes, ein Miteinander und Füreinander. Aus dieser Gewissheit schöpfen wir Mut.

Unser Staatsoberhaupt Bundespräsident Joachim Gauck hat dies letzte Woche so ausgedrückt: "Was hier geschieht – in Münster und an einigen weiteren Orten in Deutschland –, das ist aufregend in vielfacher Hinsicht, es bedeutet Ankunft und Anerkennung, Zumutung und Zukunftsgestaltung". 

Islamische Theologie kommt an in unseren Hochschulen! Das ist eine Botschaft, vor der wirklich höchster Respekt geboten ist. Das ist wirklich einzigartig, das ist wahrhaftig eine gewaltige Herausforderung und das ist wahre Zukunftsgestaltung. 

Nun, und das ist auch wahr: es ist wahrlich auch eine Zumutung! Wer möchte leugnen, dass es auch Ablehnung provoziert, wer möchte die Augen vor der Tatsache verschließen, dass hier eine Fülle von Ängsten aufgedeckt wird, denen wir mit Mut begegnen müssen.

Aber, dies ist eine sehr einfache Lehre aus der Geschichte: es ist in gewisser Weise ein völlig normaler Vorgang – aus Erneuerung wird Änderung - , der sich in der Vergangenheit schon des Öfteren ereignet hat. Deswegen wissen wir auch, wie wir ihn mit Erfolg für unsere Zukunft gestalten können und das Rezept ist dafür auch recht einfach: es heißt:

Zuhören!

Ich hoffe sie tun es gerade jetzt, denn nur so ist die zwischenmenschliche Verständigung wirklich gestaltbar. Zuhören und ….auch dies ein sehr unverzichtbarer Bestandteil von Verständigung: 

Fragen!

Fürs Zuhören und Fragen wird heute und morgen sehr viel Gelegenheit geboten. Nutzen Sie sie! 

Die vergangenen Tage haben gezeigt, dass gerade diese beiden Kommunikationsbestandteile sehr wichtig für die Zukunftsgestaltung sind. 

Ich darf das auch im Namen der Landesregierung ganz ausdrücklich sagen: die am Sonntag dem 1. Dezember von den im KRM zusam-mengeschlossenen Verbänden unter der Leitung ihres derzeitigen Sprechers Herrn Bekir Alboga gelebte Verantwortung hat Weitsicht, großes Geschick und eine zutiefst akademische Vorgehensweise offenbart. Hierfür mein ganz herzlicher Dank!

Es ist in diesem Zusammenhang allerdings bedauerlich, welch zum Teil völliges Unverständnis in den Medien zu Tage trat. Mag es an unzureichender Recherche liegen oder doch vielleicht an einer Überforderung durch die Vielschichtigkeit der Sachverhalte? Ganz und gar unhaltbar und völlig unangemessen ist aber das zu bewerten, was sich im Internet in verschiedenen Blogs und sozialen Foren ausgetobt hat. Hier wurden alle Register der Desinformation, Verleumdung, Hetze und Stumpfheit gezogen, die wohl aufzutreiben waren. So einem respektlosen, intoleranten und von großem Nichtwissen geprägten Verhalten gilt es mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten. Und dies geschieht am besten mit Bildung, Bildung und nochmals Bildung.

Ich möchte an dieser Stelle Herrn Prof. Dr. Mouhanad Khorchide versichern: Das Land Nordrhein-Westfalen lässt sich diese Schmähung seines Professors nicht gefallen.

Wir stehen zu Ihnen. Wir wollen den Erfolg dieses Zentrums für islamische Theologie an unserer Universität in Münster! Davon bringt uns so schnell keiner ab, und schon gar nicht diejenigen, die mit dieser "Story" nur eins im Sinn haben: zu hetzen, zu schmähen und zu zerstören. Respekt ist diesen Menschen fremd.

Mir ist es ein Herzensanliegen, islamische Theologie auf Augenhöhe mit evangelischer, jüdischer und katholischer Theologie an unseren Universitäten sehen zu können. Nur so erst wird der Dialog der Religionen möglich, oder wie es Cusanus ausdrückte: der Friede zwischen den Religionen. Das ist gelebte Zukunftsgestaltung.

Zum Schluss ein wenig heutiges und natürlich auch im Anschluss an Nikolaus von Cusanus, der mit Vornamen Nikolaus hieß:

Heute ist der Tag, an dem die Christen dem heiligen Nikolaus gedenken – übrigens kam dieser Nikolaus aus einer Stadt in der heutigen Türkei! Unseren Nachbarn in den Niederlanden, vor allem den jüngeren davon - oder besser den Kindern - ist dieser Tag noch viel wichtiger als Weihnachten: denn jetzt gibt es Geschenkpäckchen! 

Und wie ein Geschenk, das noch ausgepackt werden muss, so kommt mir dieses ZIT manchmal vor. Packen wir es also aus, entfalten wir es, schauen wir genau herein und freuen uns über den immensen Gewinn, den wir damit für unsere Zukunft erreichen können.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit