27. Februar 1959 – 27. September 2026
Mit tiefer Trauer nehmen wir Abschied von Prof. Dr. Bernd Strauß, der am 27. September 2026 verstorben ist. Mit ihm verliert das Institut für Sportwissenschaft einen herausragenden Wissenschaftler, Hochschullehrer und Gestalter, der unser Institut über mehr als 28 Jahre maßgeblich geprägt und die Sportpsychologie weit über die Grenzen Münsters und Deutschlands hinaus mitgestaltet hat. Wir verlieren aber auch einen lieben Freund, einen wissenschaftlichen Mentor und einen hochgeschätzten Kollegen.
Bernd Strauß studierte Psychologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, wo er 1987 sein Diplom erwarb und 1992 promoviert wurde. 1998 habilitierte er sich mit der Venia legendi für Psychologie. Noch im selben Jahr wechselte er nach Münster: Am 21. September 1998 übernahm er als Professor für Sportpsychologie die Nachfolge von Prof. Dr. Willi Essing und damit die Leitung des Arbeitsbereichs Sportpsychologie. Von den inzwischen mehr als 50 Jahren Sportpsychologie an der Universität Münster hat Bernd Strauß damit mehr als die Hälfte selbst gestaltet und entscheidend geprägt.
Sein wissenschaftliches Wirken war breit gefächert und zugleich von klaren Schwerpunkten geprägt. Im Zentrum standen die Expertise im Sport, sozialpsychologische Aspekte des Sports und Forschungsmethoden. Insbesondere seine Arbeiten zum sozialen Einfluss im Sport, zu Zuschauerinnen und Zuschauern und zum Heimvorteil fanden national und international große Beachtung. Zugleich verstand Bernd Strauß Wissenschaft nie allein als die Arbeit an einzelnen Forschungsfragen. Ihm ging es darum, Strukturen zu schaffen, neue Themen zu entwickeln und Menschen zusammenzubringen. So war er unter anderem an der Einrichtung des DFG-geförderten OpenLab beteiligt und einer der Antragsteller des interdisziplinären DFG-Graduiertenkollegs „Vertrauen und Kommunikation in einer digitalisierten Welt“. Der Arbeitsbereich konnte unter seiner Leitung zahlreiche Forschungsprojekte und über die Jahre Drittmittel in erheblichem Umfang einwerben.
Von besonderer Bedeutung war für ihn die Verbindung von wissenschaftlicher Exzellenz, hochwertiger Lehre, Nachwuchsförderung und Transfer in die Sportpraxis. Wissenschaftliche Erkenntnisse sollten nicht an den Grenzen der Universität enden. Der Austausch mit dem Spitzensport, mit Verbänden und Vereinen, Schulen und weiteren Institutionen war für ihn ebenso selbstverständlich wie die Überzeugung, dass Fragestellungen aus der Praxis wiederum Impulse für die Wissenschaft geben können. Diesen Anspruch hat er über viele Jahre in der Zusammenarbeit unter anderem mit dem BISp, dem DOSB, dem Land Nordrhein-Westfalen, der Stadt Münster und zahlreichen Partnern aus dem Sport gelebt.
Bernd Strauß hat dabei nicht nur seinen Arbeitsbereich, sondern auch das Institut, den Fachbereich und die Universität Münster mitgestaltet. Bereits 2001, nur wenige Jahre nach seiner Berufung, übernahm er erstmals das Amt des Dekans des Fachbereichs 7 „Psychologie und Sportwissenschaft“. Insgesamt war er sieben Jahre Dekan und acht Jahre Prodekan. Darüber hinaus engagierte er sich in zahlreichen Rektorats- und Senatskommissionen, war fünf Jahre Vorsitzender der Rektoratskommission für strategische Planung und Qualitätssicherung und Gründungsvorsitzender des Tenure Track Boards der Universität Münster.
Eine besondere Verbindung hatte Bernd Strauß zum Spitzensport an unserer Universität. Seit 2009 engagierte er sich als Spitzensportbeauftragter der Universität Münster für die Vereinbarkeit von Spitzensport und Studium. Dieses Engagement war Teil seines Selbstverständnisses, Wissenschaft, Universität und Sportpraxis miteinander zu verbinden. Auch in dieser Funktion hat er Strukturen aufgebaut und Entwicklungen angestoßen, die über seine eigene Amtszeit hinaus Bestand haben.
Sein Engagement ging weit über die Universität hinaus. Über Jahrzehnte hat Bernd Strauß die Entwicklung der Sportwissenschaft und insbesondere der Sportpsychologie in Deutschland maßgeblich mitgestaltet. Von 2003 bis 2009 war er Präsident der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs) und von 2013 bis 2021 Präsident der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie (asp), nachdem er zuvor bereits viele Jahre in deren Vorständen tätig gewesen war. Darüber hinaus war er Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des Bundesinstituts für Sportwissenschaft und Gründungsvorsitzender der PotAS-Kommission von BMI und DOSB. Für sein Engagement erhielt er 2012 die Goldene Ehrennadel der dvs, wurde 2019 deren Ehrenmitglied und 2023 mit der Hermann-Rieder-Ehrennadel der asp ausgezeichnet.
Auch die wissenschaftliche Publikationslandschaft hat Bernd Strauß über viele Jahre mitgestaltet. Er war Gründungsherausgeber der Zeitschrift für Sportpsychologie und mehr als elf Jahre gemeinsam mit Nikos Ntoumanis Editor-in-Chief der internationalen Fachzeitschrift Psychology of Sport and Exercise. Zahlreiche Lehrbücher, Handbücher und internationale Publikationen tragen seinen Namen. Seine Arbeit war dabei immer auch darauf gerichtet, der Sportpsychologie innerhalb der Psychologie und der Sportwissenschaft Sichtbarkeit und Gewicht zu verleihen.
Besonders in Erinnerung bleibt uns sein Engagement für die nationale und internationale wissenschaftliche Vernetzung. Unter seiner Leitung fanden in Münster zahlreiche Tagungen und Symposien statt. Ein besonderer Höhepunkt war 2019 der internationale FEPSAC-Kongress anlässlich des 50-jährigen Bestehens der europäischen Sportpsychologie. Für die Organisation dieses damals größten internationalen sportpsychologischen Kongresses wurde das Münsteraner Team mit dem Kongresspreis der Stadt Münster ausgezeichnet. Hinzu kamen mehrere Tagungen der asp und der dvs sowie deutsch-japanische Symposien. Wissenschaftliche Vernetzung war Bernd Strauß ein Herzensanliegen.
Vielleicht am nachhaltigsten zeigt sich sein Wirken jedoch in den Menschen, die er begleitet und gefördert hat. Unter seiner Leitung entwickelte sich der Arbeitsbereich zu einem Ort intensiver wissenschaftlicher Nachwuchsförderung. Mehr als 25 Promotionen und mehrere Habilitationen entstanden in dieser Zeit; zahlreiche ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gingen von Münster aus ihren weiteren Weg in Wissenschaft und Praxis. Bernd Strauß hat wissenschaftliche Karrieren ermöglicht, begleitet und geprägt. Für viele von uns war er deshalb weit mehr als der Leiter eines Arbeitsbereichs: Er war akademischer Lehrer, Mentor, Ratgeber und Gegenüber – auch und gerade in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung.
Doch Bernd war weit mehr als die Summe seiner wissenschaftlichen Leistungen, Publikationen und Ämter. Wer mit ihm gearbeitet hat, kennt seine große Leidenschaft für die Wissenschaft, seine Begeisterung für Forschungsmethoden und seine tiefe Verbundenheit mit der Sportpsychologie. Er konnte sich für eine methodische Frage ebenso begeistern wie für eine neue Forschungsfrage und vertrat seine Positionen mit großer Beharrlichkeit. Er war ein streitbarer Wissenschaftler im besten Sinne: Wissenschaft bedeutete für ihn auch Diskussion, Widerspruch und das gemeinsame Ringen um die bessere Antwort.
Mit seinem Tod verlieren wir einen Menschen, dessen Wirken weit über seine aktive Zeit am Institut hinausreichen wird. Er hinterlässt einen Arbeitsbereich, den er über Jahrzehnte aufgebaut und geprägt hat, wissenschaftliche Strukturen, an deren Entstehung er maßgeblich beteiligt war, und ein großes Netzwerk von Kolleginnen und Kollegen, Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern sowie Schülerinnen und Schülern. Vor allem aber bleiben die Menschen, die mit ihm gearbeitet, von ihm gelernt, mit ihm diskutiert und mit ihm gemeinsam Wissenschaft gestaltet haben.
Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie und allen Menschen, die ihm nahestanden.
Wir werden Bernd als Wissenschaftler und akademischen Lehrer, als Mentor und Kollegen und vor allem als Menschen sehr vermissen. Sein Wirken wird in unserem Institut und in der Sportpsychologie weit über seinen Tod hinaus sichtbar bleiben.
Der Rektor der Universität Münster
Prof. Dr. Johannes Wessels
Der stellvertretende Institutsdirektor des Instituts für Sportwissenschaft
Prof. Dr. Heiko Wagner
Im Namen aller Kolleginnen und Kollegen des Instituts für Sportwissenschaft der Universität Münster