Arbeitsgruppe „Experten und Entscheiden“

'Entscheider' greifen auf diverse, von ihrem historischen Kontext abhängige Ressourcen zurück, um die der Entscheidenszumutung inneliegende Komplexität zu reduzieren und Entscheidungen zu rechtfertigen. Expertise kann eine ebendieser Ressourcen sein. Experten werden somit zu mit-'entscheidenden' Akteuren in verschiedenen Entscheidenssituationen.

Experten zeichnen sich innerhalb eines Macht-Wissen-Netzwerks durch ihren privilegierten Informationszugang aus, der es ihnen erlaubt, Wahrheiten zu produzieren. Hierbei wird der Experte nicht aus einem substantilistischem Zugang betrachtet, der Expertentum als an ein objektiv feststellbares Verfügen über Wissensbestände geknüpfte, stabile, kontextunabhängige Eigenschaft einer Person aus sich selbst heraus ansieht. Vielmehr wird ein relationaler Blickwinkel gewählt, wonach der Experten-Status situativ hergestellt und sozial durch den Rollengegensatz von 'Laie' und 'Experte' konstruiert wird. Dementsprechend kann als 'Experte' gelten, wer innerhalb des Entscheidensprozess mit dem Anspruch, 'Wahrheit' zu sprechen, auftritt und dieser Anspruch innerhalb bestimmter sozialer Subsysteme anerkannt wird.

In der Arbeitsgruppe soll sich dem 'Experten' anhand folgender Leitfragen genähert werden:

  • Welchen Status besitzt der Experte? Welche Rolle spielt er im jeweiligen sozialen Umfeld? Was zeichnet ihn als Experten aus?
  • Welche symbolische Wirkung hat die Konsultation des Experten? Inwiefern wird die Expertenkonsultation öffentlich inszenierte? Wie wird sie (tatsächlich) öffentlich wahrgenommen?
  • In welchem Verhältnis stehen Entscheiden und Expertise? Wo und wie spielt Expertise eine Rolle bei der Entscheidungsfindung? Wie ist er in der Akteurskonstellation eingebettet?

Die Arbeitsgruppe hat sich anlässlich des IGK-Workshops im Sommersemester 2016 gegründet, an dem sie sich mit zwei Sektionen beteiligte. Der Fokus der Arbeitsgruppe liegt zum einem auf dem Austausch mit einschlägig bewanderten Wissenschaftlern. Zum anderen bietet sie die Möglichkeit, Ergebnisse, Probleme und Fragen mit 'Experten'-Bezug aus den Projekten zu diskutieren.

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