EXC 2060 C3-24 - Transformationen der Burda: Politische Dimensionen eines kontroversen literarisch-religiösen Diskurses (13.-15. Jahrhundert)

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Projekthomepage
Projektzeitraum
-
Projektstatus
Laufend
Mittelgeber
DFG - Exzellenzcluster
Förderkennzeichen
EXC 2060/1
Mittelart
Teilprojekt in DFG-Verbund koordiniert an WWU
  • Beschreibung

    Im 13. Jahrhundert etablieren sich im Nahen Osten arabische Lobgedichte auf den Propheten Muhammad als äußerst populäre literarische Gattung, die sich zum Teil kontrafaktisch auf ein besonders berühmt gewordenes Prophetenlob namens Burda beziehen, das eine ungeheure Wirkmacht entfaltete, die schon früh auch bekämpft wurde und bis heute ein Politikum darstellt. Die Entfaltung dieses literarischen Genres geschieht im Kontext tiefgreifender gesellschaftlicher Transformationen, die sich etwa in einer „Verbürgerlichung“ der städtischen Gesellschaft und einer „Popularisierung“ des Sufismus zeigen, verbunden mit Veränderungen in der Prophetenverehrung, mit Tendenzen zu mehr Individualismus wie auch zu verstärkten Institutionalisierungsprozessen und nicht zuletzt in einer Verschiebung der Mehrheitsverhältnisse zwischen Muslimen und Christen.

    Ausgewählte Bearbeitungen dieses berühmten Gedichtes sollen daher auf ihre Wirkmacht und Streitbarkeit untersucht, dabei in ihrem jeweiligen politisch-gesellschaftlichen Kontext eingeordnet und auf die darin vermittelten religiösen Vorstellungen hin analysiert werden. Im Zentrum steht die Frage nach dem Prophetenbild:  Wird Muhammad stärker als Herrscher oder Asket, als Kämpfer oder Fürbitter beschrieben? Welche innerislamischen religiösen Kontroversen werden ausgetragen, etwa zwischen stärker und weniger stark sufisch geprägten oder zwischen sunnitischen und schiitischen Vorstellungen?  Und welche Rolle spielen andere Religionen, insbesondere das Christentum in der Darstellung? Dabei steht der literarische Text als Medium der Kommunikation im Fokus, die unterschiedliche Emotionen und kontroverse Reaktionen auslöst, deren Wirkungsweisen genauer zu beleuchten sind.

    Ziel ist es, die ausgewählten Transformationen der Burda in Hinblick auf ihre politisch-literarisch-religiösen Verhandlungsstrategien zu untersuchen. Im Zusammenspiel der verschiedenen Dimensionen des religiösen, politischen sowie sprachlichen soll danach gefragt werden, welche Autoritätsansprüche in den einzelnen Transformationen verhandelt werden.

  • Personen