Historiker und Theologe Thomas Lentes verstorben

Exzellenzcluster „Religion und Politik“ trauert um einen hoch geschätzten Kollegen

Dr. Thomas Lentes (1962–2020)
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Der Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der WWU trauert um den Kollegen Dr. Thomas Lentes, der am 4. Mai 2020 in Münster gestorben ist. Der hoch geschätzte Historiker und Theologe war seit 1988 in unterschiedlichen Funktionen an der Universität Münster beschäftigt. Am Exzellenzcluster war er von 2009 bis 2017 in den Projekten „Bilder der Wunde – die Wunde als Bild. Passionsimaginationen in christlicher Bildtradition und Bildkonzepte in der Kunst der Moderne“ sowie „Das Himmlische Jerusalem als religiös-politischer Imaginationsraum“ tätig, unterbrochen von Forschungsaufenthalten in Paris, Los Angeles, Wassenaar, München, Weimar und Berlin.

„Mit Thomas Lentes verlieren wir einen äußerst kompetenten und inspirierenden Kollegen, dessen Beiträge und Kommentare, dessen Engagement im persönlichen Austausch uns sehr fehlen werden. Wir werden seiner mit Hochachtung gedenken“, schreiben die aktuellen und ehemaligen Sprecher des Exzellenzclusters, Nils Jansen, Detlef Pollack, Gerd Althoff, Barbara Stollberg-Rilinger, und der Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät der WWU, Clemens Leonhard, sowie der Leiter der Arbeitsstelle für christliche Bildtheorie, Reinhard Hoeps, im folgenden Nachruf. (exc/vvm)

Nachruf auf den Historiker und Theologen Thomas Lentes (1962–2020)

Die Katholisch-Theologische Fakultät und der Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Westfälischen Wilhelms-Universität trauern um ihren hoch geschätzten Kollegen Thomas Lentes, der am 4. Mai 2020 in Münster starb.

Thomas Lentes wurde am 17. April 1962 in Illingen-Hüttigweiler geboren. Er studierte Katholische Theologie, Geschichte, Philosophie, Kunstgeschichte und Germanistik an den Universitäten Münster und München, an der Hochschule für Philosophie in München und an der EHESS in Paris. In München erwarb er 1986 den BA in Philosophie. Das Diplom in Katholischer Theologie legte er 1990 an der Universität Münster ab. Hier wurde er 1996 bei Arnold Angenendt zum Dr. theol. promoviert mit einer Arbeit über religiöses Ausdrucksverhalten in spätmittelalterlichen Gebetbüchern. Nach der Promotion wechselte er ins Fach Mittelalterliche Geschichte; für seine persönliche Orientierung erschien die weitere Laufbahn an einer Katholisch-Theologischen Fakultät kaum aussichtsreich.

Seit 1988 war Thomas Lentes in unterschiedlichen Funktionen an der Universität Münster beschäftigt, zunächst als Hilfskraft bei Arnold Angenendt, dann als dessen Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte sowie in den Sonderforschungsbereichen 231 („Pragmatische Schriftlichkeit im Mittelalter“) und 496 („Symbolische Kommunikation und gesellschaftliche Wertesysteme vom Mittelalter bis zur Französischen Revolution“). Von 1999 bis 2008 leitete er die von der Volkswagen-Stiftung finanzierte Forschungsgruppe „KultBild. Kulturgeschichte und Theologie des Bildes im Christentum“ an der Arbeitsstelle für christliche Bildtheorie der Katholisch-Theologischen Fakultät. Zwischen 2009 und 2017 war er – unterbrochen von Forschungsaufenthalten in Paris, Los Angeles, Wassenaar, München, Weimar und Berlin – als Wissenschaftlicher Mitarbeiter in den Projekten „Bilder der Wunde – die Wunde als Bild. Passionsimaginationen in christlicher Bildtradition und Bildkonzepte in der Kunst der Moderne“ und „Das Himmlische Jerusalem als religiös-politischer Imaginationsraum“ am Exzellenzcluster „Religion und Politik in den Kulturen der Vormoderne und der Moderne“ tätig. Die Fritz-Thyssen-Stiftung förderte von 2012 bis 2014 sein Projekt „Liturgie und Bild im Mittelalter“. Zuletzt arbeitete er vor allem an dem DFG-Projekt „Figurative Schnitte. Die Beschneidung im vormodernen Christentum“.

Die Forschungsinteressen von Thomas Lentes galten den Ausdrucksformen der Frömmigkeit und ihren Medien in ihren körperlichen wie bildlichen Strukturen in Mittelalter und Früher Neuzeit. Seine historischen Studien befassten sich hauptsächlich mit rituellen Strukturen der Liturgie und mit deren Ausstattung, mit der bildlichen Vergegenwärtigung von Körpern und mit Körpern als Bildträgern in Formen der Andacht, mit der Bedeutung des Visuellen und den Weisen seiner Inszenierung in Erfahrungen und Erwartungen von Transzendenz.

Wir gedenken Thomas Lentes‘ als eines leidenschaftlichen Forschers und hellsichtigen Denkers, der die frömmigkeitsgeschichtlichen, die theologischen und die gesellschaftlichen Dimensionen seiner Forschungsthemen in äußerst kenntnisreicher und tiefgründiger Weise miteinander in Beziehung zu setzen verstand und der dabei stets auch die religionsgeschichtliche Situation der Gegenwart im Blick hatte. Thomas Lentes ließ sich von seinen historischen Quellen fesseln und konnte mit seinen Erkenntnissen begeistern, weil er sie ebenso pointiert wie weitsichtig, insistierend, engagiert und persönlich zugewandt vortrug. Thomas Lentes vermochte Menschen zum gemeinsamen Forschen zusammenzubringen und junge Kolleginnen und Kollegen auf ihrem je eigenen Weg anzuregen, zu unterstützen und zu ermutigen. Umso mehr schmerzt es, dass sich für eine Persönlichkeit wie Thomas Lentes im akademischen System eine verlässliche berufliche Perspektive nicht hat finden lassen. Mit Thomas Lentes verlieren wir einen äußerst kompetenten und inspirierenden Kollegen, dessen Beiträge und Kommentare, dessen Engagement im persönlichen Austausch uns sehr fehlen werden. Wir werden seiner mit Hochachtung gedenken.

Katholisch-Theologische Fakultät der WWU


Clemens Leonhard

Arbeitsstelle für christliche Bildtheorie


Reinhard Hoeps

Exzellenzcluster "Religion und Politik"


Nils Jansen, Detlef Pollack, Gerd Althoff, Barbara Stollberg-Rilinger