Austausch zwischen Buddhisten, Christen und Muslimen

Einer der ersten theologischen Trialoge dieser Art – Konferenzen in Kyoto, Münster und Washington

Teilnehmer der Konferenz in Kyoto
© Kazune Uchimoto

Zum theologischen Trialog zwischen Buddhisten, Christen und Muslimen sind Wissenschaftler aus aller Welt in Kyoto zusammengekommen. Auf Einladung des japanischen Buddhismus-Experten Prof. Dr. Dennis Hirota von der Ryukoku Universität in Kyoto und des Religionswissenschaftlers und Theologen Prof. Dr. Perry Schmidt-Leukel vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Uni Münster tauschten sich rund 20 Experten aus Japan, den USA, Thailand, Vietnam, der Türkei und Deutschland über das Verständnis von Wahrheit und Wirklichkeit in Buddhismus, Christentum und Islam aus. Es handelt sich um einen der weltweit ersten theologischen Trialoge dieser Art, wie der Forscher erläutert. Das Treffen Mitte Februar war Auftakt einer Reihe aus drei Konferenzen. Die nächste Tagung kommt vom 12.-14. Juli 2017 in Münster zusammen.

Das Projekt, das Prof. Schmidt-Leukel mit dem japanischen Buddhismus-Experten Prof. Dr. Dennis Hirota von der Ryukoku Universität in Kyoto leitet, trägt den Titel „Shin Buddhism, Christianity, Islam: Conversations in Comparative Theology“. Von der WWU sind außerdem der katholische Theologe Prof. Dr. Bernhard Nitsche und die Religionswissenschaftlerin Elif Emirahmetoglu beteiligt.

Gesellschaftliche Fragen bei Symposien in Münster und Washington

„In den vergangenen Jahrzehnten hat es mehrere intensive Dialoge zwischen Christentum und Buddhismus gegeben und in den letzten Jahren auch Ansätze zu einem buddhistisch-islamischen Dialog“, so Prof. Schmidt-Leukel. Nun sei es an der Zeit, diese drei großen Religionen in einen Austausch zu bringen. Dabei gehe es zunächst um „echte theologische Grundlagenforschung“. Dabei würden Übereinstimmungen und Unterschiede zwischen den drei Religionen hinsichtlich ihrer zentralen Glaubensannahmen verglichen. „Das Ziel ist es, durch den Vergleich neue Formen theologischer Reflexion zu erschließen, in denen jede Religion auch Einsichten aus den anderen Religionen mit einbezieht“, erläuterte der Wissenschaftler.

Prof. Dr. Imtiyaz Yusuf und Prof. Dr. Dennis Hirota (v.l.)
© Kazune Uchimoto

In den beiden Folgekonferenzen soll die gesellschaftliche Dimension verstärkt hinzutreten: Dabei geht um die Vorstellungen der drei Religionen zum Menschenbild, zu ethischen Grundfragen und zu den Leitlinien religiösen Engagements. „Wir starten hiermit ein echtes Experiment, das einen neuen Schritt in den Beziehungen dieser drei Religionen zueinander einleitet“, sagte Prof. Schmidt-Leukel.

Die Veranstalter des Symposions stützen sich auf die Methodik der „Komparativen Theologie“, bei der zu verschiedenen Themen je ein christlicher, buddhistischer und islamischer Gelehrter seine Perspektive vorstellt. Beim zweiten internationalen Symposium, das vom 12.-14. Juli 2017 in Münster stattfindet, wollen die Wissenschaftler sich mit den christlichen, buddhistischen und islamischen Vorstellungen des Bösen und des menschlichen Selbstverständnisses befassen. In einer öffentlichen Abendveranstaltung am 12. Juli sind alle Interessierten zur Diskussion eingeladen. Die dritte Konferenz ist im Juni 2018 an der Georgetown University in Washington geplant. Im Mittelpunkt stehen dann Fragen zum religiösen und gesellschaftlichen Handeln der drei Religionen.

Prof. Dr. Perry Schmidt-Leukel
© Kazune Uchimoto

Vorläufer der Konferenzreihe ist ein christlich-buddhistischer Dialog, den eine Gruppe um den evangelischen Theologen John Cobb und den buddhistischen Religionswissenschaftler Masao Abe zwischen 1984 und 2004 in einer Serie hochkarätiger internationaler Konferenzen organisierte, wie Prof. Schmidt-Leukel ausführte. Sie widmeten sich vor allem dem Dialog zwischen christlichen Theologen und buddhistischen Denkern aus dem Umfeld des Zen-Buddhismus, teilweise mit einer Öffnung zu jüdischen Theologen. „Diese Tradition möchten wir wiederbeleben, ihr aber in doppelter Hinsicht eine neue Gestalt geben: Zum einen ist nun von buddhistischer Seite nicht der Zen-Buddhismus, sondern der Shin-Buddhismus beteiligt, die größte Form des Buddhismus in Japan. Zum anderen haben wir den Dialog zu einem Trialog ausgeweitet, an dem nun auch muslimische Theologen auf allen Ebenen mitwirken. Und der Erfolg des ersten Treffens stimmt uns sehr zuversichtlich.“ (vvm/ill)