„Transzendentalphilosophie und Transkulturalität“

Tagung über philosophische Überlegungen zu kulturübergreifender Kommunikation

Plakat
© Science Museum, London, Wellcome Images, wikipedia

Mit transzendentalphilosophischen Überlegungen zu kulturübergreifender Kommunikation beschäftigt sich eine Tagung am Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Universität Münster. „Die Transzendentalphilosophie geht davon aus, dass die Wahrnehmung der Umwelt sowohl eine Leistung der Sinnlichkeit als auch des Verstandes ist. Die Teilnehmer der Veranstaltung diskutieren die Frage, ob das Symbolinventar des Verstandes und der Vernunft bei allen Menschen gleich ist und damit über kulturelle Grenzen hinweg verstanden werden kann“, erläutert der Philosoph Martin Bunte vom Habilitandenkolleg des Exzellenzclusters, der die Tagung organisiert. Dieser Ansatz eigne sich als Grundlage interkultureller Kommunikation, da er nicht unkritisch die Denkformen des Westens als universell verbindlich anderen Kulturen aufdränge.

Die Tagung „Transzendentalphilosophie und Transkulturalität“ findet vom 5. bis 7. Februar in Raum JO 101 im Hörsaalgebäude des Exzellenzclusters „Religion und Politik“, Johannisstraße 4, in Münster statt. Es werden Philosophen und Religionswissenschaftler aus der Schweiz, den Niederlanden und Deutschland erwartet. Martin Bunte ist Mitglied des Habilitandenkollegs des Exzellenzclusters und forscht im Projekt A2-11 „Der Einfluss des Platonismus im Kontext der Normbegründung des Deutschen Idealismus und des Naturrechts“.

„Die klassische Frage der Transzendentalphilosophie – wie gewinnen wir Erkenntnis – ist nicht speziell abendländisch, sondern von allgemein menschlicher Bedeutung“, so der Wissenschaftler. Eine besondere Herausforderung werde darin bestehen, zwischen der These universeller Denkweise und zeit- und kulturspezifischer Symbolik zu vermitteln. Die zwölf Vorträge der Tagung präsentieren verschiedene Zugänge zu den wissenschaftlichen Grundlagen interkultureller Kommunikation und diskutieren Bedingungen der Möglichkeit einer systematischen Philosophie unter dem Gesichtspunkt transzendentalphilosophischer Grundlegung. Theorien transzendentaler Symbolbegriffe klassischer Denker wie Immanuel Kant (1724-1804), Johann Gottlieb Fichte (1762–1814) und Ernst Cassirer (1874–1945) werden die Wissenschaftler ebenfalls erörtern, wie Bunte sagt. Deren Potential, ein Fundament transkultureller Kommunikation ausfindig zu machen, sei von der bisherigen Forschung bislang bei Weitem nicht ausgeschöpft worden.

Eine Einführung in die „Probleme transkultureller Philosophie und interreligiösen Dialogs aus transzendentalphilosophischer Perspektive“ gibt Bunte gemeinsam mit dem Religionswissenschaftler Fabian Völker vom Exzellenzcluster. In seinem Tagungsbeitrag spricht Bunte über die symbolische Darstellung bei Kant. Fabian Völker befasst sich mit der transzendentalen Lichtlehre bei Fichte und Sankara, Meister der indischen Lehre des Vedanta um 800 nach Christus. Einen weiteren Vortrag aus dem Exzellenzcluster hält der katholische Theologe Prof. Dr. Klaus Müller. Er spricht über die Erforschung des Transzendentalen mit Hilfe der Begriffsanalyse. (ska/vvm)

Tagung Transzendentalphilosophie und Transkulturalität
5. bis 7. Februar
Hörsaalgebäude des Exzellenzclusters „Religion und Politik“
Johannisstraße 4
JO 101
48143 Münster

Programm

Freitag, 05.02.2016
15:15–16:00 Begrüßung und Einführung – Probleme transkultureller Philosophie und interreligiösen Dialogs aus transzendentalphilosophischer Perspektive Martin Bunte und Fabian Völker, Münster
16:00–17:00 Transzendental- oder Symbolphilosophie? Der Symbolbegriff Ernst Cassirers Kirstin Zeyer, Nijmegen
17:00–18:00 Gelebte Freiheit – Von Pluralität und deren Anerkennung Michael Bongardt, Berlin
18:30–19:30 Zur transzendentalphilosophischen Programmatik der „Kritik der Kultur“ als Kritik Raji Steineck, Zürich
Samstag, 06.02.2016
09:30–10:30 Darstellung des Transzendenten – Zum Begriff der symbolischen Darstellung bei Kant Martin Bunte, Münster
10:30–11:30 Bewusstsein als Erscheinung des Absoluten – Zur transzendentalen Lichtlehre bei Sankara und Fichte Fabian Völker, Münster
14:00–15:00 Transzendentales Denken zwischen ontologischem Verdanktsein und historisch-kultureller Variabilität – Thesen Bernhard Nitsche, Münster
15:00–16:00 Transzendentales nach dem Dritten Turn oder Theologie als Kritik der verunsicherten Vernunft Klaus Müller, Münster
16:30–17:30 Das Absolute als Negativität und/ oder als Geist: westliche und buddhistische Perspektiven Jens Halfwassen, Heidelberg
Sonntag, 07.02.2016
09:30–10:30 Das innere Leben des Symbols – Ideen zur Grundlegung einer transzendentalen Symboltheorie Kai Gregor, Berlin
10:30–11:30 Jenseits von Indifferenz und Fundamentalismus: Die transkulturelle Bedeutung transzendentaler Geltungsreflexion Michael Gerten, Bamberg
12:00–13:00 Über die Fünffachheit in der Transzendentalphilosophie Helmut Girndt, Duisburg
ab 13:00 Abschlusskolloquium und Verabschiedung