„Die Stunde der Laien?“

Historiker Große Kracht über Katholische Aktion in Deutschland im europäischen Kontext

Buchcover
© Ferdinand Schöningh

Die „Katholische Aktion“ im 20. Jahrhundert steht im Mittelpunkt einer Monographie des Historikers PD Dr. Klaus Große Kracht vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“. Das Buch ist unter dem Titel „Die Stunde der Laien? Katholische Aktion in Deutschland im europäischen Kontext 1920-1960“ im Verlag Ferdinand Schöningh erschienen. Die Katholische Aktion, lateinisch „Actio Catholica“, war eine weltweite laienapostolische Kampagne der Päpste Pius XI. (1922-1939) und Pius XII. (1939-1958) für die „Verchristlichung der Welt“. „Der sogenannten ‚Pest des Laizismus‘ sollte in den weitgehend säkularisierten Gesellschaften des 20. Jahrhunderts eine religiöse Abwehrfront katholischer Laien entgegengesetzt werden“, erläutert der Wissenschaftler. Die in ihrem päpstlichen Ursprung durchaus antimoderne Programmatik zielte auf eine „fundamentalpolitische“ Durchdringung der Gesellschaft: Über Schulungen und Öffentlichkeitsarbeit sollten die Gläubigen für kirchliche Belange mobilisiert werden. Versammlungen, Petitionen und Flugblattaktionen gehörten dem Historiker zufolge ebenso zu den Mitteln der Katholischen Aktion wie liturgische Feiern und Exerzitienkurse. „Wer sich die Sache der Katholischen Aktion zu eigen machte, galt als Teil einer kirchlich-religiösen Laienelite: So gab es kaum eine katholische Führungspersönlichkeit, die sich nicht am Gedankengut der Katholischen Aktion orientierte“, führt der Wissenschaftler aus. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das allzu enge Gerüst der Katholischen Aktion jedoch zunehmend in Frage gestellt und stärker als zuvor die „Mündigkeit“ der Christen in der Welt betont.
 
Die Bedeutung der Katholischen Aktion für den deutschen Laienkatholizismus des 20. Jahrhunderts wurde nach Einschätzung Große Krachts lange Zeit unterschätzt. Mit seiner Studie weist der Historiker erstmals nach, wie sehr auch deutsche Katholiken zwischen Weimarer Republik und früher Bundesrepublik von ihren Ideen geprägt waren: Interessiert schauten die Gläubigen auf die Umsetzungsversuchen des päpstlichen Programms in Italien und Frankreich; zugleich reflektierten sie ihre eigenen Erfahrungen in Kirche und Gesellschaft im Rahmen der Katholischen Aktion. Auch in Deutschland bildete die Actio Catholica die zentrale Arena, auf welcher der katholische Laie seine „moderne“ Gestalt annahm. Die Studie bietet eine umfassende Darstellung dieses zentralen „Dispositivs“ des europäischen Laienkatholizismus im 20. Jahrhundert. (Verlag Ferdinand Schöningh/ill)

Hinweis: Große Kracht, Klaus: Die Stunde der Laien? Katholische Aktion in Deutschland im europäischen Kontext 1920-1960 (Veröffentlichungen der Kommission für Zeitgeschichte. Reihe B: Forschungen, vol. 129), Paderborn u.a.: Ferdinand Schöningh 2016, 451 Seiten, ISBN: 978-3-506-78277-9, 58.00 Euro.