Rückkehr einer Ikone

Kirchenhistoriker Arnold Angenendt bringt Christus-Bild zurück nach Russland

Prof. Dr. Arnold Angenendt gab eine Christus-Ikone an ihre russische Ursprungsgemeinde in einem Gottesdienst zurück.

Prof. Dr. Arnold Angenendt gab eine Christus-Ikone an ihre russische Ursprungsgemeinde in einem Gottesdienst zurück.

© Alexey Lyundup

Eine Christus-Ikone aus dem 19. Jahrhundert hat Kirchenhistoriker Prof. Dr. Arnold Angenendt vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ an ihre Ursprungsgemeinde in Russland zurückgegeben. Russisch-orthodoxe Christen hatten das Bild vor 72 Jahren im Zweiten Weltkrieg in Juchnow, etwa 150 Kilometer südwestlich von Moskau, dem niederrheinischen Militärgeistlichen Josef Perau mit der Bitte übergeben, die Ikone zu hüten. Kurz darauf war der Ort samt Kirche beim Vorrücken der Roten Armee zerstört worden. Perau, der 1937 zum Priester des Bistums Münster geweiht worden war, brachte das Christus-Bild nach Deutschland und übereignete es später seinem Schüler Arnold Angenendt.

Die Idee, die Ikone wieder an ihren Ursprungsort zu bringen, sei in den vergangenen Jahren gereift, sagte Prof. Angenendt nach der Rückkehr. „Das Bild ist nicht besonders wertvoll, aber reich an Geschichte und Symbolkraft.“ Ein russischer Theologiestudent, der in Münster zur Ökumene forscht, habe die nötigen Kontakte herstellen können.

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Prof. Dr. Arnold Angenendt sprach am Deutschen Historischen Institut in Moskau über den Investiturstreit.

© Alexey Lyundup

Mit der etwa 25 mal 20 Zentimeter großen Ikone im Gepäck flog Kirchenhistoriker Prof. Angenendt nach Moskau. Bei einem russisch-orthodoxen Gottesdienst in Juchnow gab er die Ikone an ihre Ursprungsgemeinde zurück. Dabei erinnerte er auch an die Greuel, die Adolf Hitler im Zweiten Weltkrieg über Russland gebracht hatte. „Russland hatte an der Niederwerfung Hitlers den größten Anteil. 27 Millionen Menschen verloren dabei ihr Leben“, sagte der Theologe im Gottesdienst. Zugleich erbat er Gottes Segen für die weitere Aussöhnung zwischen Russland und Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg.

Während seiner Russland-Reise hielt Prof. Angenendt auch einen Vortrag am Deutschen Historischen Institut (DHI) in Moskau. Er sprach über den mittelalterlichen Investiturstreit, den Höhepunkt eines politischen Konfliktes in Europa zwischen geistlicher und weltlicher Macht im 11. und 12. Jahrhundert. Sein Vortrag trug den Titel „Alle gegen Cluny. Oder: eine andere Erklärung des Investiturstreits“. An der Universität für orthodoxe Theologie in Moskau hielt er zudem Vorträge über das deutsch-russische Verhältnis und Konzepte der Kirchengeschichte. (han/vvm)