„Grenzüberschreitende Religion“

Neuer Sammelband untersucht Vergleichs- und Kulturtransferstudien zur neuzeitlichen Geschichte

Buchcover „Grenzüberschreitende Religion“

Buchcover

© Vandenhoeck & Ruprecht

Mit Vergleichs- und Kulturtransferstudien zur neuzeitlichen Geschichte befasst sich der neue Sammelband „Grenzüberschreitende Religion“, den Historiker Dr. Thies Schulze vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ herausgibt. Das Buch präsentiert die Erträge eines Workshops, den Schulze gemeinsam mit Historiker Christian Müller und der Arbeitsgemeinschaft „Vergleich und Transfer“ des Forschungsverbunds im März 2011 organisierte.

In der Geschichtswissenschaft werden in jüngster Zeit verstärkt Diskussionen über die methodischen Ansätze von Vergleich und Kulturtransfer geführt. Obwohl die religionsgeschichtliche Forschung ebenfalls Konjunktur hat, greift sie noch relativ selten auf diese Methodik zurück. Dabei zeichnet sich gerade das Feld der Religion durch sein grenzüberschreitendes Potential aus. Die elf Einzelfallstudien des Bandes, die sich mit dem Wechselspiel religiöser und politischer Prozesse in Früh- und Spätneuzeit befassen, tragen dazu bei, diese Lücke zu schließen.

Die thematischen Schwerpunkte liegen in den Bereichen der rechtlichen Normen, der Schul- und Bildungspolitik, religiöser Hybridisierungen sowie außereuropäischer Dimensionen religiöser Netzwerke, Ideen und Repräsentationsformen. In methodischer Hinsicht zeigen die Beiträge exemplarisch auf, in welcher Weise die Zugriffe von Vergleich und Kulturtransfer für das Gebiet der neuzeitlichen Religionsgeschichte fruchtbar gemacht werden können.

„Hybride“ Religionspraktiken

Vier Hauptkapitel untergliedern den Band: Die Abschnitte „Herrschaft und Recht“ und „Bildung, Erziehung, Schule“ greifen zwei thematische Schwerpunkte auf, welche sich in der europäischen Neuzeit als Reibungspunkte zwischen religiösen und politischen Instanzen erwiesen haben. Der Abschnitt „Mischformen religiöser Praktiken“ befasst sich mit dem Nebeneinander scheinbar konträrer Vorstellungen, auf welche Religionsgemeinschaften zurückgreifen, und präsentiert Beispiele für „hybride“ Religionspraktiken sowohl in der Frühneuzeit als auch im 20. Jahrhundert.

Schließlich wird der Abschnitt „Religion in den kulturellen Verflechtungen Nordamerikas“ die Perspektive des Sammelbandes erweitern, indem er die Beziehung von europäischen und außereuropäischen Prozessen in den Blick nimmt. Auf methodischer Ebene sollen die Beiträge die Vielfalt möglicher Zugriffe aufzeigen. Sie reflektieren deshalb individuelle Herangehensweisen und deren Verortung im Bereich „Vergleich und Kulturtransfer“. Der Sammelband erscheint voraussichtlich im Mai 2013 bei Vandenhoeck & Ruprecht. Dr. Thies Schulze forscht am Exzellenzcluster im Projekt C2-17 „Universaler Anspruch und nationale Identitäten: Die Haltung des Vatikans zu Nationalitätenkonflikten in der Zwischenkriegszeit“. (han)

Hinweis: Thies Schulze (Hg.), unter Mitarbeit von Christian Müller: „Grenzüberschreitende Religion – Vergleichs- und Kulturtransferstudien zur neuzeitlichen Geschichte“, Göttingen, Vandenhoeck & Ruprecht, 2013. ISBN 978-3-525-31021-2, 59,99 Euro.