„Dialoge zum Frieden“ mit Festkonzert und Podiumsdiskussion

Stadt und Exzellenzcluster „Religion und Politik“ laden im Oktober zu Veranstaltungsreihe rund um Westfälischen Frieden ein

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Oberbürgermeister Markus Lewe, Prof. Peter von Wienhardt (Musikhochschule Münster), Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger (Exzellenzcluster „Religion und Politik“), Komponist Prof. Dr. Norbert Ammermann, Bernadette Spinnen (Münster Marketing) und Prof. Dr. Franz-Josef Jakobi (v.l.).

© bhe

Viel zu hören gibt es in diesem Jahr bei den „Dialogen zum Frieden“. Ein Konzert und eine Podiumsdiskussion rücken auf unterschiedliche Weise das Thema „Religion und Frieden“ in den Mittelpunkt. Zur Uraufführung der Sinfonie „Die Religionen“ von Norbert Ammermann lädt die Stadt am Donnerstag, 25. Oktober, um 20 Uhr in die Überwasserkirche ein. Das brisante Thema „Blasphemie und Beschneidung – Religion im öffentlichen Raum“ bringt der Exzellenzcluster „Religion und Politik“ am Freitag, 26. Oktober, im Rathausfestsaal aufs Podium. Beide Veranstaltungen sind öffentlich (Eintritt frei).

Uraufführung der „Religionen“-Sinfonie

Dass alle großen Weltreligionen der Wunsch verbindet, zum Frieden beizutragen, bringt Norbert Ammermann in seiner Sinfonie Nr. 3 „Die Religionen“ zum Ausdruck. Der Pfarrer der Evangelischen Emmausgemeinde in Kinderhaus und Professor für Praktische Theologie an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal-Bethel hat das Werk eigens für die „Dialoge zum Frieden“ komponiert. Sinfonische Bilder bringen die Charakteristika der Religionen zum Klingen. Der Choral „Verleih uns Frieden gnädiglich“ – in der Vertonung von Heinrich Schütz 1648 zum Friedensschluss veröffentlicht – führt als roter Faden durch die Komposition. Im Festkonzert am 25. Oktober erklingt die Sinfonie erstmals.

Es spielt das Orchester der Musikhochschule Münster unter der Leitung von Christian Lorenz. Er arbeitete in Meisterkursen unter anderem mit Michael Gielen und Leonard Bernstein. Seit 2003 Intendant der Südwestdeutschen Philharmonie, wurde er 2008 zum Intendanten der Internationalen Bachakademie Stuttgart berufen. Die Projektleitung liegt bei Prof. Peter von Wienhardt von der Musikhochschule. Als Pianist und Komponist hat er zahlreiche nationale und internationale Wettbewerbe gewonnen. In Münster ist er nicht zuletzt als künstlerischer Leiter der Aaseerenaden bekannt.

Mit der Einladung zu diesem Konzert unterstreicht die Stadt, dass Münster eine besondere Kompetenz als Stadt des religiösen Dialogs und des sozialen Lernens hat.

Plakat Dialoge zum Frieden 2012

„Dialoge zum Frieden“

Podiumsdiskussion zu aktuellen Religionskonflikten

Fragen der Religionspolitik sind Thema der Diskussion mit Gästen und Forschern des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ am 26. Oktober. Zu der Veranstaltung des Forschungsverbundes über „Blasphemie und Beschneidung – Religionen im öffentlichen Raum“ werden der Kölner Schriftsteller und Orientalist Navid Kermani, die Frankfurter Rabbinerin Elisa Klapheck und die stellvertretende Leiterin des Katholischen Büros in Berlin, Katharina Jestaedt, erwartet. Gemeinsam mit Cluster-Wissenschaftlern beleuchten sie aktuelle Religionskonflikte und ihre historischen, politischen und rechtlichen Hintergründe. Die Sprecherin des Exzellenzclusters, Historikerin Barbara Stollberg-Rilinger, wird eine geschichtliche Einführung ins Thema geben. Das Podium, das Radiomoderatorin Gisela Steinhauer leitet, beginnt um 20 Uhr.

Hintergrund der Debatte ist die immense Zahl an Konflikten um Religion in der Öffentlichkeit. Jüngste Beispiele: die Proteste gegen Mohammed-Karikaturen, der Streit um die Beschneidung und die Strafbarkeit von Gotteslästerung. Auch Auseinandersetzungen um Kruzifixe in Schulen und Gerichten, um Schulgebete, das Tragen von Kopftüchern in Schulen, den Bau von Moscheen und Minaretten oder die Papstrede 2011 im Bundestag werfen Fragen auf. Will die Gesellschaft der Religion im öffentlichen Raum mehr oder weniger Platz einräumen – oder gar einigen Religionen mehr und anderen weniger? Besteht politischer und rechtlicher Reformbedarf?

Mit Blick auf Münster bedeutet das: Ist das auf den Westfälischen Frieden zurückreichende Modell der Raumverteilung von Religion und Staat noch tragfähig? Antworten aus der Sicht verschiedener Fachdisziplinen und Religionen, aus jüdischer, christlicher und islamischer Perspektive, geben die drei Gäste gemeinsam mit dem Politikwissenschaftler Ulrich Willems und dem Rechtswissenschaftler Fabian Wittreck vom Exzellenzcluster.

Schülerakademie zur Friedenspolitik

Mit Friedenspolitik im Spannungsfeld zwischen Vision und Wirklichkeit setzt sich die Schülerakademie (26. Oktober, ab 8.45 Uhr) auseinander und schlägt dabei den Bogen zu Altbundeskanzler Helmut Schmidt, der in diesem Jahr mit dem Preis des Westfälischen Friedens ausgezeichnet wurde. Prominenter Gast ist der Journalist Thomas Nehls. 2001 war er vor Ort, als der Anschlag auf das Worldtrade-Center verübt wurde und berichtete als erster ARD-Reporter für Hörfunk und Fernsehen von den Geschehnissen in New York. Von 2003 bis 2012 war er WDR-Korrespondent im Hauptstadtstudio Berlin. Zu den Schwerpunkten seiner Berichterstattung zählen Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Der Workshop für Schülerinnen und Schüler in der „Jungen Akademie Franz Hitze-Haus“ ist seit vier Jahren fester Bestandteil der „Dialoge zum Frieden“.

Friedensvesper und Treffen der Religionen

Als schon traditionelle Bausteine komplettieren die Ökumenische Friedensvesper am Mittwoch, 24. Oktober, und das Treffen der Religionsgemeinschaften und Konfessionen im Friedensaal am Donnerstag, 25. Oktober, die „Dialoge zum Frieden“.

Mit der 2006 ins Leben gerufenen städtischen Veranstaltungsreihe macht Münster seine historisch begründete Verantwortung und seine Kompetenz für Konfliktlösung durch Dialog in der Tradition der Verhandlungen zum Westfälischen Frieden deutlich. Konzipiert und durchgeführt wird sie von Münster Marketing in Zusammenarbeit mit dem Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Westfälischen Wilhelms-Universität. Der bundesweit größte Forschungsverbund zum Thema Religionen bietet beste Voraussetzungen, um die Tradition der Friedensdialoge in einen aktuellen gesellschaftlichen und politischen Bezug zu setzen. Die Kooperation ist zugleich ein Schwerpunktthema der von Universität, Fachhochschule und Stadt getragenen „Allianz für Wissenschaft“. Gefördert werden die „Dialoge zum Frieden“ durch die Sparkasse Münsterland Ost.

Alle Informationen zur Veranstaltungsreihe enthält ein Faltblatt, das in der Münster-Information im Stadthaus 1 ausliegt. Online steht das Programm unter www.marketing.muenster.de.

Programm

Dienstag, 
23. Oktober, 19.30 Uhr

Münsteraner Rotkreuz-Gespräch zum humanitären Völkerrecht: Die Rolle der deutschen Polizei in internationalen Friedensmissionen Bezirksregierung am Domplatz
Mittwoch,
24. Oktober, 18.00 Uhr

Ökumenische Friedensvesper

Predigt: Münsters neue Superintendentin Meike Friedrich

Apostelkirche
Donnerstag,
25. Oktober
18.00 Uhr
Treffen der Religionsgemeinschaften und Konfessionen
(Einlass nur für geladene Gäste)
Friedenssaal
Donnerstag,
25. Oktober
20.00 Uhr

Festkonzert: Uraufführung der Sinfonie Nr. 3 Die Religionen von Norbert Ammermann.

Mitwirkende: Orchester und Solisten der Musikhochschule Münster unter der Leitung von Christian Lorenz

Eintritt frei!

Überwasserkirche
Freitag,
26. Oktober, 08.45 Uhr
Schülerakademie: Friedenspolitik zwischen Vision und Wirklichkeit Akademie Franz Hitze Haus
Freitag,
26. Oktober, 20.00 Uhr

Podiumsdiskussion des Exzellenzclusters: Blasphemie und Beschneidung – Religion im öffentlichen Raum
Eintritt frei!

Moderation: Gisela Steinhauer
Einführung: Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger

Rathaus-Festsaal