„Glaube muss gedacht werden“

Universitäten Münster und Osnabrück eröffnen gemeinsames „Zentrum für Islamische Theologie“

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Prof. Dr. Mouhanad Khorchide

© upm/ Grewer

Mit einem Festakt im münsterschen Schloss haben die Westfälische Wilhelms-Universität Münster (WWU) und die Universität Osnabrück heute offiziell das gemeinsame „Zentrum für Islamische Theologie Münster/Osnabrück“ eröffnet. Es ist eines von deutschlandweit vier Zentren, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und den jeweiligen Landes-Wissenschaftsministerien gefördert werden. „Glaube muss nicht nur geglaubt, sondern auch gedacht werden“, betonte Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Annette Schavan. „Das Zentrum Münster/Osnabrück bietet hervorragende Voraussetzungen für einen verstärkten theologischen Diskurs an den Hochschulen.“

An den beiden Standorten sollen künftig islamisch-theologische Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, Lehrerinnen und Lehrer für Islamische Religionslehre sowie Religionsgelehrte unter anderem für Moscheen ausgebildet werden. Den Anstoß für die Etablierung von Islam-Zentren an Hochschulen hatte der Wissenschaftsrat im Januar 2010 mit seinen „Empfehlungen zur Weiterentwicklung von Theologien und religionsbezogenen Wissenschaften an deutschen Hochschulen“gegeben. Das Zentrum Münster/Osnabrück dient als Dachorganisation - parallel dazu gibt es an beiden Universitäten ein eigenständiges Zentrum beziehungsweise Institut für Islamische Theologie.

„Die Eröffnung des Zentrums ist ein historischer Schritt“

„Es ist notwendig, das Verständnis für einen europäischen Islam wissenschaftlich zu unterstützen“, unterstrich WWU-Rektorin Prof. Dr. Ursula Nelles. „Dafür bietet die Universität Münster eine herausragende Ausgangsbasis. Wir haben einen großen Erfahrungsschatz und ein passendes Umfeld, um die Studierenden optimal auszubilden.“Der Osnabrücker Universitäts-Präsident Prof. Dr.-Ing. Claus Rollinger fügte hinzu: „Wir sind sehr erfreut, dass unser Konzept auf soviel Zuspruch bei den Gutachtern, der Politik und den muslimischen Verbänden gestoßen ist und wir heute mit der Universität Münster das bundesweit größte Zentrum eröffnen können.“

Die beiden Leiter des münsterschen Islam-Zentrums und des Osnabrücker Islam-Instituts hoben in ihren Beiträgen vor allem auf die Bedeutung für die Studierenden ab. „Der erfolgreiche Start der neuen Studiengänge der islamischen Religionslehre und der islamischen Theologie zeigt, wie groß das Interesse von jungen muslimischen Studierenden an dem neuen Fach ist“, betonte der Leiter des „Zentrums für Islamische Theologie Münster“ (ZIT), Prof. Dr. Mouhanad Khorchide. „Die Eröffnung des Zentrums ist ein historischer Schritt für die Etablierung der islamischen Theologie an europäischen Universitäten, indem auf höchstem akademischen Niveau über den Islam geforscht und reflektiert werden kann.“ Dies unterstrich auch Prof. Dr. Bülent Ucar, der an der Universität Osnabrück das „Institut für Islamische Theologie“(IIT) leitet: „Ziel ist es, gemeinsam eine wissenschaftliche Einrichtung zu schaffen, die mit Partnern aus nationalen und internationalen Hochschulen, muslimis  chen Verbänden und renommierten Theologien vernetzt ist und die die islamische Theologie im europäischen und globalen Kontext sowohl in Forschung als auch Lehre kompetent vertritt.“

Die Besonderheit des Zentrums Münster/Osnabrück liegt vor allem darin, dass beide Standorte ihre jeweiligen Stärken einbringen werden: Im Fall der Universität Münster sind dies die Kooperationsmöglichkeiten mit den beiden großen christlich-theologischen Fakultäten, dem Exzellenzcluster „Religion und Politik“, den orientalischen Philologien und der Islamwissenschaft. Die Universität Osnabrück weist eine langjährige religionspädagogische Expertise, eine starke Migrationsforschung und eine interkulturelle Expertise auf. Beide Universitäten engagieren sich bereits seit vielen Jahren in der Nachwuchsförderung und der islamisch-theologischen Forschung.

Gemeinsame Forschungsprojekte sind geplant

Unter dem Dach des Zentrums werden die Universitäten Münster und Osnabrück sowohl in der Forschung als auch der Lehre kooperieren. So planen beide Universitäten Anträge für gemeinsame Forschungsprojekte sowie eine abgestimmte Doktorandenbetreuung. Studierende haben darüber hinaus die Möglichkeit, Lehrveranstaltungen an beiden Universitäten zu besuchen. Beide Universitäten werden gemeinsam Tagungen und Kongresse veranstalten, sie sind zudem Standortpartner im bundesweiten Graduiertenkolleg Islamische Theologie der Stiftung Mercator.

Gleichwohl haben beide Universitäten unterschiedliche Studienprogramme und Schwerpunkte. Das ZIT Münster bietet Islamische Theologie als 1-Fach- und 2-Fach-Bachelor, Islamische Religionslehre (für alle Schulformen) sowie Islamunterricht als Erweiterungsfach an. An der Universität Osnabrück haben Studierende die Möglichkeit, zwei Bachelor-Studiengänge, den fachbezogenen Studiengang "Islamische Theologie" und den lehramtsbezogenen Studiengang "Islamische Religion" zu belegen. Darüber hinaus gibt es einen berufsbegleitenden Master-Weiterbildungsstudiengang Islamische Religionspädagogik und eine Imam-Weiterbildung.

Das Interesse an den Studiengängen ist vor allem mit der Einführung des bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterrichts in Nordrhein-Westfalen in diesem Sommer stark gestiegen. Allein in Münster gab es mehr als 400 Bewerbungen - derzeit sind rund 200 Studierende am ZIT Münster eingeschrieben. Im laufenden Wintersemester sind in den vier Studiengängen des Osnabrücker Islam-Instituts 129 Studierende eingeschrieben. Schätzungen zufolge werden in Deutschland für rund 700.00 muslimische Schüler rund 2000 Lehrkräfte benötigt. (upm)