Rock ‘n‘ Roll und die religiöse Krise der 1960er Jahre

Exzellenzcluster erforscht einen der bedeutendsten religiösen Umbrüche in der Moderne

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Prof. Dr. Detlef Pollack

© bhe

Die 1960er Jahre haben in Westeuropa Experten zufolge den wohl größten religiösen Wandel seit der Reformation gebracht. „Die damalige religiöse Krise löste einen Verweltlichungsschub aus, der bis heute anhält. Immer mehr Menschen traten aus den christlichen Kirchen aus“, sagt Religionssoziologe Prof. Dr. Detlef Pollack vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Uni Münster. Kommenden Donnerstag, 28. Juni, lädt er zu einem englischsprachigen Workshop darüber ein. „Wir werden mit einem der weltweit besten Kenner der neueren Religionsgeschichte Europas, dem Religionshistoriker Prof. Dr. Hugh McLeod, erörtern, wie sich etwa der wachsende Wohlstand der 1960er Jahre, die Einwanderung nichtchristlicher Religionsangehöriger oder auch die Jugendkultur des Rock ‘n‘ Roll auf die Kirchenbindung auswirkten.“

„Die damalige Zeit brachte so starke gesellschaftliche Umbrüche, dass sich auch die religiöse Landschaft dramatisch veränderte“, so Prof. Pollack. „Wir untersuchen daher auch den Einfluss der 68er-Bewegung, die gegen alle etablierten Institutionen inklusive den Kirchen protestierte. Es handelt sich um den wohl bedeutendsten religiösen Wandlungsprozess seit der Reformation im 16. Jahrhundert.“ Der britische Forscher Prof. McLeod, der im Sommersemester als Gast an der Universität Münster lehrt, hat 2007 das Standardwerk „The Religious Crisis of the 1960s“ über die sozialen, ökonomischen, politischen und kulturellen Ursachen des dramatischen religiösen Umbruchs verfasst.

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Prof. Dr. Hugh McLeod

Trennung von Kirche und Staat

Ein Grund für den religiösen Umbruch ist nach den Worten von Prof. Pollack auch die veränderte Rolle von Frauen, die das kirchliche Leben bis dahin stark getragen hatten und denen sich nun neue Lebensbereiche eröffneten. Derartige kurzfristige Faktoren, die den religiösen Wandel bewirkten, stehen in der Sicht Hugh McLeods Langfristveränderungen gegenüber, zum Beispiel die Trennung von Kirche und Staat, die bereits Ende des 18. Jahrhunderts einsetzte. Auch diese langfristig wirkenden Faktoren müssen für die Erklärung des religiösen Umbruchs in den 1960er Jahren herangezogen werden. Der Workshop findet am Donnerstag, 28. Juni, von 9 bis 17 Uhr im Raum 138 des Alexander-Humboldt-Hauses an der Hüfferstraße 61 statt. (vvm)

Hinweis: Im Rahmen des Workshops werden ausgewählte Teile des Buches von Hugh McLeod (The Religious Crisis of the 1960s. Oxford: Oxford University Press, 2007) mit dem Autor diskutiert. Der Workshop ist besonders für Doktoranden und Postdoktoranden geeignet. Zur Vorbereitung sind folgende Kapitel zur Lektüre empfohlen: Chapter 5: Affluence, Chapter 7: 1968, Chapter 8: Sex, Gender, and the Family, Chapter 11: The End of Christendom?

Workshop „Die religiöse Krise der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts“

Donnerstag 28. Juni 2012, 9 bis 7 Uhr
Alexander-Humboldt-Haus
Raum 138
Hüfferstraße 61
48149 Münster

Anmeldung

bitte per E-Mail an areer_01@uni-muenster.de